Zitat

"Das Leben wird nicht gemessen an der Zahl der Atemzüge, sondern an den Orten und Momenten, die uns den Atem rauben."

Dienstag, 10. September 2013

Der harte Alltag an der Thompson Rivers University



Das verlängerte und ereignisreiche Wochenende liegt nun hinter mir und der wahre Ernst des Lebens beginnt am sonnigen Dienstag. Wieso eigentlich Sonne? Zum Unistart und zur Examensvorbereitung hätte eher tristes ins-Zimmer-einschließ-Regenwetter mit depressiven Sturmböen erwartet. Liegt vielleicht daran, dass am ersten Tag natürlich kein Unterricht stattfindet, sondern selbstverständlich gefeiert wird. In Kanada erfolgt es das mit einem Showprogramm, Großbegrüßung und ganz klar einem Barbecue-Fest auf dem Campus. In der großen Sporthalle wurden alle verwirrten Neuankömmlinge aufgesammelt und mittels farbiger T-Shirts ihren Studiengängen zugeordnet. Bildung bekommt natürlich die schönste Farbe von allen – kackbraun. Nach Farben sortiert durfte man dann Platz auf der Tribüne nehmen und alle Leute mit kackbraunen T-Shirts kennenlernen. „Und was machst du hier so? Ah auch studieren? Cool wir haben was gemeinsam – unfassbar!“ Viel Zeit zum Beschnuppern blieb jedoch nicht, da zwei aufgeweckte Studenten die Moderation begonnen hatten und mit mehr oder weniger lustigen Kommentaren die Uni, die Lehrer und diverse Clubs der Universität vorstellten. Mit viel Musik, einigen Gewinnspielen, immer nach gleichem Schema ablaufenden Reden und selbstverständlich einem Cheerleaderauftritt wurde uns die Uni schmackhaft gemacht. Als dann auch die Campustour vorbei war, ging es in die eigentlichen Klassen der Studiengänge, um das Programm und die Lehrer kennenzulernen.







Ab jetzt also Schluss mit lustig und dem albernen Rumgehüpfe – jetzt wird studiert! Oder so ähnlich…

Meine Instructors, die mich durch das Educationprogram begleiten würden, stellten sich als sehr freundliche, lockere und Professoren die man mit Vornamen anspricht heraus. Auch hier eine kurze Begrüßung bei Kaffee und Kuchen und einige Hinweise zum allgemeinen Ablauf und nicht zu vergessen, der gemeinsame Kennlernurlaub. Kennlernurlaub? Ja klar, wieso nicht die letzten zwei Tage der ersten Uniwoche mit Camping, lustigen Spielen und Grillen in der Wildnis am See, anstatt im muffigen Seminarraum verbringen? Und was ist mit meinem Biokurs am Freitag? - Ach das geht schon klar, haben wir für dich geklärt. Und wie sieht das mit den Kosten aus? - Ist schon in den Studiengebühren inbegriffen. Und ich brauche Campingausrüstung, ich habe nichts hier. - Kein Thema, für alle internationalen Studenten haben wir extra Ausrüstung. Mhm, naaa gut wenn’s also unbedingt sein muss, dann fahre ich halt mit auf den Spaßtrip.

Zwei Tage später wurden alle sieben Sachen, in meinem Fall drei (Kamera, Sonnenbrille und Sportschuhe), zusammen gepackt und in den quietschgelben und für Nordamerika bekannten Schoolbus verladen. Juhu, ich wollte mich schon immer mal wie ein High-School-Student aus einem klassischen Hollywoodfilm fühlen. Ca. eine Stunde und mehrere englische Kinderlieder später war das Ziel erreicht. Nordöstlich vom Stadtzentrum lag das Ecological-Outdoor-Camp am wunderschönen McQueen Lake in den Bergen. Hier würden wir in rustikalen Holzhütten nächtigen, umweltfreundliche Komposttoiletten nutzen, Orientierungsläufe durch den Wald unternehmen, peinliche Kennlernspiele spielen, mit Propangas gemeinsam kochen, Marshmallows am Lagerfeuer rösten und die umliegende Natur mit einem Guide erkunden und bewundern. Und so idyllisch wie es klingt, genauso ist es auch abgelaufen. Bis auf das mit der Übernachtung in den Hütten hat irgendwie nicht geklappt. Die geplante Nacht in der Chipmunk-Chest-Hütte wurde nach draußen unter freiem Himmel verlegt. Ohne Zelt versteht sich, das ist schließlich nur was für verpimperte Europäer und nichts für echte Kanadier. Okay, dann halt im Gras am See und hoffentlich ohne Regen. Statt Wassertropfen regnete es zum Glück nur Sternschnuppen und statt eines Bären, trieb nur ein flauschiges Eichhörnchen sein Unwesen. Im Fazit also ein vollkommen gelungener Ourdoortrip. Die gesamte Lehrerschaft war dabei und hat jeden Spaß mitgemacht und alle meine Kommilitonen sind ausnahmslos cool drauf und freundlich ohne Ende. Oh Ja Kanada du gefällst mir, so kann es weiter gehen!















Um das wohlverdiente Wochenende nach dieser überaus anstrengenden Uniwoche entsprechend einzuleiten, darf natürlich eine Partynacht in einem der Nachtclubs in Kamloops nicht fehlen. Ganz unter dem Motto „Glow-Party“ leuchteten und tanzten hunderte von Studenten und anderes feierfreudige Jungvolk wie unter Drogeneinfluss stehende Glühwürmchen im Scheinwerferlicht. Wir, die Norwegerin Signe und ich, natürlich mitten drin.
Kurz bevor um 2 Uhr nachts die Schotten dann wieder dicht gemacht wurden (oh man daran werde ich mich nie gewöhnen) stellten Signe und ich uns schon mental auf den Heimweg ein. Glücklicherweise und wie soll’s auch anders sein, lernten wir kurz vor Schluss noch eine Gruppe anderer Leuchtstäbchen kennen, die uns auf eine Van-Party einluden. Nein, das ist kein Schreibfehler, ich meine wirklich eine ‚Van’ und nicht ‚Lan-Party’. Das Mysterium ist schnell geklärt: Man nehme eine handvoll Leute, etwas Alkohol natürlich, ein musikfähiges Handy und ein Auto der Sorte Kleinbus (Van) und fertig ist die Van-Party. Und welche verrückten Leute kommen bitte auf diese geniale Idee? Neuseeländer natürlich!

Wo kommen nur bloß diese ganzen Kiwis her? Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass ich mehr Neuseeländer als Kanadier hier kennengelernt habe. Denen ist ihr kleines hübsches Land wohl nicht mehr groß genug oder vielleicht auch zu sehr von Deutschen überlaufen?!

Ich wurde zu meiner Freude jedoch akzeptiert und musste somit meinen gewohnten Feierrhythmus nicht umstellen und konnte zu einer angemessen Uhrzeit (5 Uhr) die Partynacht beenden – den Kiwis sei dank!



Da keinerlei Hausaufgaben, Vorbereitungen oder sonstige Unannehmlichkeiten auf dem Zettel standen, konnte ich auch dieses Wochenende in vollen Zügen genießen. D. h. raus in die Natur, ab an den See baden und rein in die Wälder zum Wandern. Wie immer dabei meine wundervolle Gastfamilie, die mich von einem Paradies in das Nächste chauffiert und mir alle schönen Naturschauspiele und Aktivitäten eindrucksvoll und mit endloser Begeisterung präsentiert. 















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