Während der Orientierungswoche in der Uni hatten wir
Studenten recht viel Freizeit, welche natürlich sinnvoll für sämtliche
Aktivitäten ausgenutzt werden sollte. Es stehen zur Auswahl: Musik Gig vom
Gastvater besuchen, Music in the Park, ein Open Air Konzert von Colin James,
gemütlicher Grillabend mit Kiwis, Jetski fahren, Pfeilspitzen suchen, am
Sandstrand baden gehen und Wandern im Naturschutzgebiet Clearwater. Mhmm… ich
kann mich nicht entscheiden – na dann mach ich halt alles und in genau der
Reihenfolge!
Ja hier in Kanada wird es nicht Langweilig und erst recht
nicht mit dieser Gastfamilie. Wenn wir nicht gerade von Konzert zu Konzert
pilgern, dann spielen wir unterhaltsame Würfel- und Kartenspiele, kochen
gemeinsam, wandern oder gucken uns entspannt einen Film an. (Der letzte war:
„Never Cry Wolf“ – old but gold, wie man so schön sagt. Ein echt
empfehlenswerter und schöner Outdoorfilm.)
Am letzten Freitag im August hatte Grant einen kleinen
Musikauftritt mit seiner Stimme und Gitarre in einem Restaurant und Christina
und ich begleiteten ihn dort hin. Er ist ein unglaublich guter Gitarrist und
singt vor allem Songs aus den 70iger. Während er fröhlich vor sich hin
trällerte und zwischen den Liedern ab und zu mal einen Anekdote zum Besten gab,
bemerkte ich wie Christina neben mir immer zappeliger wurde und jedes Lied
mitsang und dazu rhythmisch auf ihre Oberschenkel klopfte. Spätestens nach dem
dritten Lied war mir klar, dass sie nicht mehr lange neben mir sitzen bleiben
würde und so war es dann auch. Kaum hatte Grant seine Frau dem Publikum
vorgestellt und vorgeschlagen, dass sie ihn unterstützen könnte, war Christina
auch schon neben ihm erschien und trällerte fröhlich jedes Lied mit. Gemeinsam
gaben die Beiden eine unterhaltsame Performance hin und waren als Dreamteam
unschlagbar. Nach weiteren Liedern und einigen Vermutungen bezüglich meiner
Verwandtschaft zum Showpaar vom Publikum, kam auch mein Name ins Spiel. Um
Gottes Willen, nicht dass ich jetzt da auch noch nach Vorne muss und
irgendwelche Geschichten und Songs vorführen muss. Ein verlegenes Lächeln,
tiefes in den Sitz Eingraben und anschließendes beschäftigtes mit dem Smartphon
Rumspielen, retteten mich zum Glück vor einer Peinlichkeitskatastrophe – Grant
hätte wahrscheinlich auf der Stelle alle seine Aufträge und Jobbeziehungen
verloren. Nach einer Stunde waren die Instrumente und Stimmen heiß gelaufen,
das Songrepertoire aufgebraucht und die Besucher begeistert – so auch ich.
Schon beeindruckend, was die in ihrem Alter noch alles so drauf haben.
Nach einer kurzen Mittagspause, ging es am Abend dann noch
zu Music in the Park. Hierbei handelt es sich um eine Freilichtbühne im
Downtown Stadtpark, wo in den zwei Sommermonaten Juli und August jeden Abend
eine andere Band ihr Können unter Beweis stellen kann. Die Musikrichtungen
variieren dabei in jedes Genre, meistens handelt sich aber doch um Rock oder
Jazz. Kostenlos kann man sich dann hier mit seiner Picknickdecke oder seinen
Campingstühlen und Gesellschaftsspielen, so wie die Meisten, im saftigen Grün
niederlassen und den Newcomern beim Musizieren lauschen. So haben auch wir mit
lustigen Wurfspielen bei Sonnenuntergang und sanften Tönen den Tag ausklingen
lassen.
Am Samstag stand dann noch mehr Musik auf dem Programm. (Ich
werde hier wohl noch zum absoluten Musikinsider) Diesmal jedoch unabhängig von
meiner Gastfamilie, da Grant Samstags immer arbeiten muss und die Uni eine
Busfahrt nach Sun Peaks (von dem Ort werdet ihr im Winter noch viel von mir zu
hören bekommen, ihr könnt euch sicher schon denken warum) zum Open Air Concert
von Colin James for free organisiert hat. Fast alle internationalen Stundenten
und gefühlt alle Einwohner von Kamloops waren vor Ort und haben einen
entspannten Tag am Berg mit Sonne und Bier verbracht. Die Gäste, vor allem die Weiblichen,
sind total ausgeflippt und haben wild hin und her getanzt, als der 50 jährige Kanadier
energisch mit seinem Rock-Blues die Bühne stürmte. Er scheint wohl ziemlich
berühmt zu sein und das nicht nur in Kanada – ich hab ihn gegoogelt und ja er
ist wirklich berühmt. Verwundert auch nicht, seine Musik ist wirklich gut.
Hier der Beweis:Colin James - Just came back
Eine gute Mischung aus rockigen Gitarren Beats und
schmalzigen Songtexten über die Natur und natürlich die Liebe. Perfekt für
verkaterte Norweger, die mal wieder nach einer durchfeierten Nacht ihren Rausch
in der Sonne ausschlafen und neben allen anderen Europäern vor sich hin
vegetierten. Und Dank dem Alkohol habe ich auch eine gute Überleitung zu einem
interessanten Phänomen gefunden: Obwohl der Sinn eines Auslandssemesters u. a.
darin liegt Freunde in der ganzen Welt zu finden und andere Kulturen und Sitten
kennenzulernen, trifft das Wort ‚International’ nicht immer zu. Im Laufe der Orientierungswoche
hat sich doch eine Gruppendynamik entwickelt, die einen geografischen Ursprung
hat. Es sind über 200 oder 300 Studierende aus der gesamten Welt zu diesem
Semester an die Uni gekommen und besuchen nahe zu alle die gleichen
Veranstaltungen und trotzdem kleben die Chinesen mit den Chinesen zusammen, die
Inder tanzen mit den anderen Indern und die Europäer trinken mit den anderen
Europäern. Eine wirkliche Mischung findet nicht wirklich statt. Naja,
wenigstens besteht Europa nicht nur aus einem Land und deswegen kann sich
unsere Gruppe doch als international bezeichnen – puh noch mal Glück gehabt.
Trotzdem irgendwie Schade. Eine Erklärung könnte man aber evtl. darin finden,
dass die Asiaten wegen ihres starken Akzentes sehr schwer, bis leider gar nicht,
zu verstehen sind und die Inder zwar ein sehr lustiges und interessantes Volk
sind, aber leider von Zeit zu Zeit auch etwas, ums Milde auszudrücken, auf den
Geist gehen können.
Bestes Beispiel: Vicky und Rahul. (beide männlich)
Die beiden jungen Inder habe ich während des Englisch
Placement Test kennengelernt und sie haben einen total netten und sympathischen
Eindruck auf mich gemacht. Wir haben nett geplaudert, uns freundlich
ausgetauscht und sie haben mir auffallend viele Komplimente gemacht – besonders
bezüglich meiner Haare: „Ohw your hairs are so shiny and beautiful, it’s a
pleasure to look at you!“ Joa oke, cool, danke. Geschmeichelt und evtl. etwas
peinlich berührt habe ich versucht vom Thema ‚Jane’ abzulenken. Das ist dann
glücklicherweise auch gelungen und da habe ich mir am Ende einer interessanten
und freundlichen Unterhaltung auch nichts weiter dabei gedacht, meine
Handynummer zu geben. Man soll ja schließlich viele Kontakte schließen und
weltoffen sein – oh das war wohl ein Fehler.
Kaum zwei Stunden später, habe ich zeitgleich eine Sms von beiden bekommen, wie es mir denn so geht. Ich habe natürlich beiden freundlich geantwortet. Doch kaum hatte ich die erste Sms nach ca. drei Stunden mit meinem Schneckentempo verfasst, (meine Hände boykottieren noch etwas das neue Streichel-Telefon) hatte auch schon der Erste von ihnen zurück geantwortet, was ich denn so mache, wo ich bin, was ich noch machen werde, wie mein Tag war und sonstige Fragen die jede einzelne Minute des 24-Stunden Tages durchleuchten würde. Es hat gerade Mal zwei Sms gedauert, bis ich verstanden habe, dass das wohl eine etwas langwierigere Angelegenheit mit den beiden werde würde. Seit dem Tag des ersten Treffens (mittlerweile eine Woche her) bekomme ich mehrmals täglich Sms mit nahezu dem gleichen Inhalt. Wen ich ihnen auf dem Campus begegne schütteln sie leicht hysterisch und unangenehm lange meine Hand und fragen mich meinen Tagesablauf ab und ob ich nicht jetzt und sofort mit ihnen was essen gehen könnte. Nein, sorry ich kann nicht. „Was? Warum nicht?“ Weil ich jetzt einen Kurs habe und übrigens, du darfst auch jetzt meine Hand langsam wieder los lassen – danke.
Kaum zwei Stunden später, habe ich zeitgleich eine Sms von beiden bekommen, wie es mir denn so geht. Ich habe natürlich beiden freundlich geantwortet. Doch kaum hatte ich die erste Sms nach ca. drei Stunden mit meinem Schneckentempo verfasst, (meine Hände boykottieren noch etwas das neue Streichel-Telefon) hatte auch schon der Erste von ihnen zurück geantwortet, was ich denn so mache, wo ich bin, was ich noch machen werde, wie mein Tag war und sonstige Fragen die jede einzelne Minute des 24-Stunden Tages durchleuchten würde. Es hat gerade Mal zwei Sms gedauert, bis ich verstanden habe, dass das wohl eine etwas langwierigere Angelegenheit mit den beiden werde würde. Seit dem Tag des ersten Treffens (mittlerweile eine Woche her) bekomme ich mehrmals täglich Sms mit nahezu dem gleichen Inhalt. Wen ich ihnen auf dem Campus begegne schütteln sie leicht hysterisch und unangenehm lange meine Hand und fragen mich meinen Tagesablauf ab und ob ich nicht jetzt und sofort mit ihnen was essen gehen könnte. Nein, sorry ich kann nicht. „Was? Warum nicht?“ Weil ich jetzt einen Kurs habe und übrigens, du darfst auch jetzt meine Hand langsam wieder los lassen – danke.
Es scheint wohl so, als hätte ich ein paar Groupies. Auch
wenn ich mich mittlerweile hinter einem Baum versuche zu verstecken, wenn ich
die Beiden auf dem Campus sehe, möchte ich an der Stelle betonen, dass dies
alles nicht negativ gemein ist. Die beiden bzw. die Inder allgemein, sind sehr
nette, aufgeschlossene und zuvorkommende Menschen mit einer faszinierenden
Kultur, welche ich auch unbedingt noch kennenlernen will. Doch da die Kultur
nun mal so fremd ist, sind auch die Umgangsweisen komplett verschieden, woran
man sich erst gewöhnen muss. Mir tut es auch wirklich Leid, wenn ich immer
seltener bzw. fast gar nicht mehr auf die Nachrichten antworte, doch darauf
habe ich mich nun mal eingelassen und jetzt muss ich zusehen wie ich damit klar
komme. Wird schon gut gehen, vielleicht überwinde ich ja irgendwann meine
Feigheit und führe ein klärendes Gespräch mit den Beiden. Aber bis dahin sieht es
wohl ganz danach aus, dass ich weiter von Baum zu Baum hopsen muss…
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