Zitat

"Das Leben wird nicht gemessen an der Zahl der Atemzüge, sondern an den Orten und Momenten, die uns den Atem rauben."

Donnerstag, 30. Januar 2014

Die Weihnachtsüberraschung


Abends am 23. Dezember als ich bei meiner Gastfamilie an kam hieß es auch gleich wieder Sachen aus- und einpacken. Dabei realisierte ich, dass sich in den letzten 4 Monaten ganz schön viel Mist angesammelt hat und mein Backpack längst nicht mehr ausreichte, um alles zu verstauen. Glücklicherweise habe ich auf meinem Rückflug zwei frei Gepäckstücke und muss somit nichts draufzahlen. Hoffe ich zumindest, da Banff und Jasper ja auch mit sollen und das kann gut und gerne Mal bestimmt unter Übergrößengepäck deklariert werden und so wie ich die Welt kenne, darf man bestimmt dafür bezahlen. Naja was muss das muss.
Beim Einpacken erkannte ich nicht nur wie viel Zeug ich besitze, sondern auch dass ich meine Gastfamilie und die geschützten vier Wände für immer (oder zumindest für sehr lange Zeit) verlassen würde. Genauso wie Weihnachten hatten wir auch schon eine Abschiedsfeier, aber wenn man dann doch direkt vor der Tür mit gepackter Tasche steht ist es doch noch mal ein ganz anderes Gefühl. Kurzen Plausch bei einem letzten Abendkaffee mit Grant und Kyle und dann klingelte es auch schon an der Tür und mein persönliches Taxi war bereit mich abzuholen. Innige Umarmungen, herzliche Worte, einige letzte Späße und dann wurde das Kapitel Gastfamilie Lucas mit einem Autotürknallen beendet. Kurz durchatmen und nächstes Kapitel starten. So wie der Lebenskreislauf nun mal ist.
Zusammen mit John holten wir Flo ab und fuhren dann keine 5 Minuten entfernt zu unserem neuen Heim. Am unteren Hang der Universität befand sich das hübsche Holzhäuschen mit zwei Etagen, Terrasse und einem recht großen Garten. Blick auf die Stadt, Berge und den Fluss – perfekt und Schnee lag auch, damit kann Weihnachten also los gehen. Beim Einzug lag die versammelte Mannschaft vor dem Fernseher und verfolgten die im 5 Minuten-Takt kommenden Werbeunterbrechungen. Viel Zeit also, um die Weihnachtspläne zu diskutieren und dies stellte sich als besondere Herausforderung dar, wenn man mit mehreren Nationen unter einem Dach lebt. Die Australier haben fest darauf bestanden am Morgen des 25. zu feiern, so wie die meisten englischsprachigen Länder es tun. Wir Deutschen hingegen hatten natürlich Heiligabend im Visier und Kate aus der Ukraine schlug den 6. Januar vor. Eine kurze Debatte später haben Flo und ich aber das Zepter übernommen und als Festtagsessensbeauftragte den 24. festgelegt. Kein wenn und aber, wer meckert kriegt nichts zu essen – janz einfach!
So begann also der nächste Tag früh mit Einkaufen während die Jungs Skifahren waren und den Auftrag hatten einen Tannenbaum zu fällen. Nun ja wenn man dann aber uns Mädels alleine einkaufen lässt, dann brauch man(n) sich auch nicht wundern wenn wir lächerliche 170$ für Lebensmittel ausgegeben haben. Dafür standen wir auch ganze 8 Stunden in der Küche und haben für zehn Personen Rumkugeln, Vanillekipferl, Nussecken, Glühwein, Hackbraten, gefüllte Paprikaschoten, Salat, Sauerkraut, Käsespätzle, Kartoffelbrei und Gemüsepfanne gekocht. Nicht wirklich ein typisches Festtagsessen, aber dafür ziemlich deutsch und lecker. Meckern war ja eh nicht erlaubt, also muss es offensichtlich jedem geschmeckt haben oder sie haben sich einfach nur vor dem drohenden Schlag mit der Bratpfanne gefürchtet. Das bleibt wohl ein Weihnachtsgeheimnis.
Nach dem Gefresse waren Flo und ich ziemlich erschöpft und haben dafür mit größtem Vergnügen mit einem Bier den Jungs dabei zugesehen wie sie das Geschirr per Hand abgewaschen haben – ein Bild für die Götter! Ganz nebenbei haben wir damit auch gleich für die Weihnachtsbaumdeko gesorgt, denn der Baum war nun da und stand prachtvoll in der Ecke, aber beim Suchen der Christbaumkugeln, Lichterketten und Lametta im Wald haben die Jungs kläglich versagt. Das heißt dann wohl improvisieren und wie ginge es besser als mit Bierdosen?? Diese sind farbenfroh, leicht anzubringen und wir haben zaaaahlreiche davon. Vor allem im Laufe der Woche haben sich so einige angesammelt und unser Bäumchen hübsch verziert. Während der heilige Abend mit diversen Karten- und Brettspielen belustigt wurde und natürlich auch eine kleine Bescherung nicht fehlen durfte, stand am nächsten Tag aufräumen, aber auch faulenzen auf dem Tagesprogramm. Zum Skifahren waren alle zu müde und zum Rausgehen alle zu träge. Essensreste wurden verspeist und Fernsehserien geschaut, doch am Abend hatten dann alle genug von dem Müßiggang und eine Aktivität musste her und wenn man schon weiße Weihnachten hat, dann muss man das natürlich auch vollkommen ausnutzen. Also los raus in die Nacht und Schneeballschlacht gemacht! Teambildung war klassisch: Jungs gegen Mädchen Strategie nicht vorhanden, sodass auch kurzzeitig Mal jeder gegen jeden war und naja nach einigen Runden Kings Cup, Fuck the dealer und Beeramide war die Treffsicherheit der Schneebälle nicht mehr 100%ig sichergestellt. Die Jungs haben natürlich geschummelt und Schneeschaufeln und Eimer zur Hilfe genommen, womit wir Mädels regelrecht mehrmals eingeseift wurden, aber wir haben uns selbstverständlich angemessen gerecht. Nach einigen Minuten merkte ich einen plötzlichen und stechenden Schmerz in meinem rechten Ellenbogen und so richtig weit konnte ich meine Schneebälle auch nicht mehr werfen. Ich habe mir natürlich nichts weiter dabei gedacht und im Trubel mit meiner linken Hand mitgemischt, was meine Trefferquote jedoch in ein miserables Minus abrutschen lies. Nach 45 Minuten war jeder mindestens einmal im Schnee gelandet und der gesamte Garten umgewälzt, sogar der zuvor am Abend gebaute Schneemann musste darunter leiden und Teile seiner Körperteile (welche bleiben unser schmutziges Geheimnis) als Wurfgeschosse verwendet. Zurück im warmen Haus am Kaminfeuer verschlimmerte sich mein stechender Schmerz und mein Ellenbogen lies sich nicht mehr beugen. Ein Blick darauf zeigte jedoch nur eine leichte Schwellung und kleine Rötungen, jedoch keine Blutergüsse oder sonstige sichtbaren Schäden. Wird also nichts schlimmes sein, sicherheitshalber mit der Gemüsetüte aus dem Froster bisschen kühlen und dann wird’s schon wieder, sicher nur eine leichte Prellung. Der nächste Tag begann dann leider etwas schmerzhaft und es hatte sich ein kleiner Bluterguss gebildet, aber immer noch nichts Dramatisches und das Gedankenspiel zum Arzt zu gehen hat sich mit dem Datum des 26. Dezembers dann auch erledigt. Egal, die Prellung oder was es ist kann man eh kaum behandeln, also einfach abwarten und Bier trinken, wird schon besser werden. Den Arm konnte ich jedoch immer noch nicht richtig bewegen und damit beschränke sich jegliche Aktivität auf den linken Arm. Mahlzeiten zubereiten und auch das anschließende Verspeisen gestaltete sich somit zu einem Kleckerfest der feinsten Kindergartensorte. Zum Glück waren wir den ganzen Tag zu Hause und haben gepuzzelt, Filme geguckt oder Karten gespielt bis die Füße eingeschlafen sind, ansonsten hätte ich mein Oberteil nach jedem Mahl wechseln müssen oder mich als Sonntagsassi ausgeben müssen. Nach den zwei Gammeltagen beschlossen wir dann doch etwas aktiv zu werden und schnallten die Skischuhe erneut an und machten uns auf den Weg nach Sun Peaks. Mein Arm war immer noch etwas schmerzhaft und mittlerweile auch bunter geworden, aber Skifahren hatte Priorität, ich würde dann sicher danach zum Arzt gehen. …Vielleicht… Die Skistöcker konnte ich zwar nicht halten, aber die sind eh überbewertet und ohne sieht eh cooler aus. Nach dem erfolgreichen Skitag war ich natürlich zu müde zum Arzt zu gehen und hatte mir stattdessen fest vorgenommen am nächsten Tag den mittlerweile nahezu oberschenkeldicken Arm untersuchen zu lassen. Am nächsten Morgen haben wir jedoch beschlossen zunächst ins Kino zu gehen und The Wolf of Wall Street zu schauen und direkt danach bin ich ins Krankenhaus, doch die haben mir empfohlen lieber am nächsten Tag zum Arzt zu gehen, das wäre wohl billiger und besser als auf einem Samstag in der Notaufnahme zwei Stunden zu warten. Okay na gut, also wieder zurück zum Haus und eine letzte Nacht mit der Ungewissheit über die mittlerweile rot-gelb-blaue Keule schlafen. Beim Arzt wurde der Arm dann gründlich von allen Seiten betatscht und schien nicht schmerzhaft zu sein, bis zu dem einen Punkt am Ellenbogen, wo ich mir fast die Seele aus dem Leib geschrieen oder eher gequiekt habe. „Tut’s da weh?“ Ach nööö, das war nur ein erquickender Laut der Freude. „Okay also wenn es da weh tut und du den Ellenbogen nicht bewegen kannst, dann ist der wohl gebrochen, eine typische Stelle, wo gut und gerne eine Operation notwendig ist, um den Knochen wieder zu richten, aber das werden dann die Röntgenbilder im Krankenhaus feststellen.“ Gebrochen? Krankenhaus?? OPERATION??? Waaaah das sollte doch nur eine blöde Prellung und kein katastrophaler Kanadaaufenthalt sein! „Ja die Röntgenstelle in der Stadt ist sonntags geschlossen, also solltest du ins Krankenhaus gehen oder du gehst morgen.“ Mhm wieder einen Tag warten mit einem möglicherweise Krüppelarm oder lieber 900$ für Gewissheit im Krankenhaus zahlen? Während ich meinen gedanklichen Monolog über meine nächsten Schritte verfolgte, schaute mich der Arzt verwundert an und sagte „Denkst du gerade ernsthaft darüber nach morgen zu gehen? Mädchen du bist meilenweit von deiner Heimat entfernt und hast wahrscheinlich einen deplazierten Knochen im Gelenk, natürlich gehst du sofort ins Krankenhaus! Ich habe schon die Ärzte dort informiert damit du keine Wartezeiten hast.“ Oh okay in dem Fall habe ich wohl keine andere Wahl. Der Arzt schaute mich etwas böse an, aber auf die besorgte und tadelnde als wütende Art. Zum Krankenhaus wurde ich dann zum Glück von Mic gefahren und vor ort dank dem Arzt mit einer Sonderbehandlung versorgt. Gegen 5 Uhr am Nachmittag verlies ich dann das Krankenhaus mit einem hübschen Gips und der Gewissheit, dass keine Operation nötig ist, da es sich um eine einfach Fraktur und nichts Dramatisches handelt. Nun ja die Planung für den letzten Tag im Haus hatte ich mir zwar etwas anders vorgestellt, aber wenn man eins beim Reisen lernt, dann dass man nichts planen kann, sondern alles einfach auf sich zukommen lassen soll.
Mit der ungewollten Armversteifung war mein Handlungsradius noch weiter eingeschränkt und damit wurde es richtig lustig. Schon mal mit der nicht dominanten Hand die Zähne geputzt, Haare gekämmt oder Dokumente unterschrieben? Macht einen Mordsspaß! Damit wurde also das Alltägliche zum Abenteuer und vor allem die Tatsache, dass ich mit der rechten Hand mein Gesicht und den Kopf nicht mehr erreichen konnte. Einen Zopf zu machen war nun nicht mehr möglich, genauso wenig wie die Skibrille aufzusetzten oder appetitliche Sachen, wie zum Beispiel die linke Achsel zu rasieren. Da würde ich mir jetzt eine neue modische Frisur wachsen lassen, vielleicht etwas aus den 80igern, soll ja wieder modern sein.
Viel schlimmer als die Badezimmerprobleme war jedoch das Sachenpacken, da ab dem 30. Dezember wir unser lieb gewonnenes Häuschen verlassen mussten und jeder verschiedene Wege für den Jahreswechsel einschlagen würde.
Wo und wie ich den Erdballgeburtstag verbracht habe, berichte ich hoffentlich bald mit eine weniger großen Verzögerung.
Bis dahin lasst euch von der Einarmigen grüßen.

(v.l.o.) Kasper, Oskar, Paul, John, Kate
(v.l.u.) Kiera, Mic, Flo, Julia, Ickeee

Welch Vergnügen den Jungs beim Abwasch zuzusehen!

Der schönste Weihnachtsbaum überhaupt :D





Flo und mein Weihnachtsgeschenk: Ein Gips zum Mitnehmen.


Samstag, 11. Januar 2014

Stoked in Revelstoke


Nach Tagen des Rumreisens standen nun einige Tage der Ruhe bevor. Zurück im heimischen Kamloops ließ ich in einem Gefühl von Zuhause sein die Seele baumeln und verbrachte einige Tage in Sun Peaks mit Skifahren. Am Donnerstagabend war der Frieden dann aber vorbei, da der letzte Abend mit Christine anstand. Am nächsten Morgen würde sie nach Vancouver Island fliegen, um ihre Eltern und Freunde über die besinnlichen Feiertage zu besuchen, während Grant und Kyle mit arbeiten beschäftigt waren und die Kamloopsbevölkerung mit Musikinstrumenten für die Feierlichkeiten versorgen würden. Christine würde ich also nicht mehr sehen und so ließen wir den Abend uns gemeinsam noch mal mit einer leckeren Pizza, Popcorn, einem Film und Billard Spielen gut gehen. Danach hieß es aber auf Wiedersehen mit einer festen Umarmung und zahlreichen herzlichen Worten. Tränen gab es zum Glück nicht, da wir uns einig waren bald wieder in Deutschland zu sehen, wenn sie mich auf ihrer Europareise besuchen würde. In Kontakt per Sms und Email würden wir ohnehin bleiben.
Während Chris also ihren Weg zur Insel machte, machte ich meinen Weg in die Berge, diesmal jedoch nach Revelstoke zusammen mit John, Flo und Oskar würden wir für eine Nacht dort bleiben und den Pulverschnee unter die Bretter nehmen. Gesagt, getan. Die zwei Stunden Fahrt haben wir Mitfahrer gekonnt mit Schlafen verbracht, um dann frisch und munter direkt vor der Gondel aufzuwachen. Skier an und Gaudi!
Revelstoke ist wohl neben Whistler einer der bekanntesten Skigebiete in Kanada, nicht nur weil gerade Mal zwei Sessellifte für mehr als 52 verschiedene Abfahrten sorgen und auch nicht weil es hier den fluffigsten und meisten Tiefschnee gibt, sondern weil hier auch die steilsten Pisten in ganz Nordamerika beheimatet sind. Ein Paradies also für jeden eingefleischten Winterjunky. Und das Gebiet ist rieeeeeeeeesig! Kaum zu glauben, dass es nur zwei Lifte gibt, aber bei einem Höhenunterschied vom Tal bis zum Gipfel von mehr als 1700m die komplett zum Fahren erschlossen sind, ist es auch kein Wunder.
Eine Gegebenheit die sich für Ungeübte anfangs als Nachteil ergibt, ist dass einige Pisten (da es so viele gibt) nicht präpariert sind und einfach Mutternatur überlassen werden. Daraus ergeben sich anstatt der üblichen schönen und glatten Abfahrten, huckelige Anhäufungen die einen gerne Mal aus der Bahn werfen. Anfangs versuchte man noch die Buckel gekonnt zu umfahren, aber das gelingt leider nicht so oft und so musste man sich nach einigen Abfahrten mit den Häufchen anfreunden und einfach als Springgelegenheiten für sich nutzen. Nach einer Weile wurde man auch immer flexibler in den Beinen und schon konnte ich am zweiten Tag die Pisten problemlos in gewohnter Geschwindigkeit hinunter rauschen.
Nach dem ersten anstrengenden Tag belohnten wir uns mit einem Aufenthalt in der Schwimmhalle, die glücklicherweise eine Sauna und einen heißen Whirlpool besitzt. Kleine Kinder wie Flo, John, Oskar und ich konnten auch das Vergnügen der Röhrenrutsche ausnutzen oder auf dem Sprungbrett Front- und Backflips üben. Danach waren wir jedoch mehr als hungrig, aber zum Glück gab es ein günstiges Angebot für eine Reisenpizza, wovon wir uns zwei teilten und weil wir sie nicht geschafft haben, dann auch leckerschmecker kalt zum Frühstück aufgegessen haben. Super Start in den Morgen, um erneut die Huckel runter zu rutschen.
Was an Revelstoke ebenfalls ein Pluspunkt ist, ist die unglaubliche Aussicht. Direkt gegenüber von den Pisten befindet sich eine weitere Bergkette, die sich ins Unendliche zieht und davor findet man das Tal mit dem kleinen Städtchen und den dafür umso größeren Fluss der sich durch den gesamten Bergeinschnitt schlängelt. Wenn die Sonne gut steht, dann leuchtet das Wasser herrlich blau und funkelt die Berge an. Wunderschönes Panorama, vor allem wenn sich dann auch noch ein leichter Wolkenteppich über dem Tal bildet.







Nach 5 Stunden Skifahren waren die Beine erschöpft und der Körper todesmüde, was wir Mitfahrer (armer John) gut auf der Rückfahrt kompensieren konnten. Zuhause angekommen gab es dann jedoch keine Pause, da mein Auszug nach am selben Abend bevorstand. Zur Vorgeschichte: Nachdem ich tagein, tagaus in meiner bezaubernden Gastfamilie gelebt habe, dachte ich, ich würde auch Weihnachten mit ihnen zusammen feiern, da aber aus bereits geschilderten Gründen es kein Weihnachten zu den Festtagen bei der Familie Lukas gab, musste ich mir eine andere gemütlich Variante einfallen lassen. Vor einigen Monaten noch in Blue River, hatte Andre mir vorgeschlagen mit ihm und seinen Freunden in Revelstoke Weihnachten zu verbringen, was ich für eine super Idee hielt. Als Andre aber nach zwei Monaten Mexiko wieder zurück kam, hatte er eine Einladung von einem guten Freund in der Nähe von Banff bekommen und die ursprünglichen Pläne scheinbar vergessen. Selbstverständlich wollte ich mich nicht irgendwo auf ein fremdes Fest selbst einladen und hab diese Planung somit über Board geworfen und war plan- und weihnachtslos. Die meisten internationalen Studenten mit denen ich die Zeit in Kamloops verbracht habe, haben bereits das Land verlassen, womit mein Kontaktfeld auf ein Minimum geschrumpft ist. Glücklicherweise war aber noch Flo da, die Weihnachten ein Haus in Sun Peaks mit den restlichen Jungs miete wollte, um dort dann Skizufahren bis der Arzt kommt. Das Haus wäre wohl groß genug, um mich darin auch noch unterzubekommen und so habe ich ohne viel nachzudenken auch gleich zu gesagt. Planmäßiger Einzug sollte dann der 21. Dezember sein welcher sich drei Tage vorher in Luft aufgelöst hat, da einer der Jungs die Buchung verschlafen hat und der Deal somit geplatzt ist. Beifall an der Stelle, denn nun war nicht nur ich, sondern auch alle anderen weihnachts- und viel schlimmer, sogar obdachlos. Jedenfalls nach langem hin und her, einem großen Notlösungsaufgebot und sämtlichen Internetdurchforsten, kam beim Revelstoke-Aufenthalt die erlösende Nachricht: „WE HAVE A HOUSE!“ Awesome! Kiera hatte es in letzter Sekunde (am 23. Dezember) gefunden und auch gleich festgemacht, sodass wir noch am Tag unserer Rückkehr aus Revelstoke einziehen konnten. Großartig, Weihnachten war nun gerettet und keiner musste es alleine irgendwo unter der Brücke verbringen.
Zusammen mit Kiera und Mic aus Australien, Oskar und Flo aus Deutschland und Kasper aus Dänemark, würden wir ein gemütliches und sicher lustiges Fest haben.

Montag, 6. Januar 2014

Seattle auf Umwegen

Am späten Nachmittag machten wir uns langsam auf den Weg die Trauminsel zu verlassen und ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu kommen. Auf dem Highway nach Victoria fiel mir dann fast alles aus dem Gesicht als mich der Gedankenblitz traf: Wo war eigentlich mein Reisepass? Na wo schon Jane, da wo er immer liegt wenn du auf Tour gehst, safe and sound im Schrank von Kamloops, wo ich alle wichtigen Dokumente aufbewahre. Verdammt. Brauch ich wirklich einen Reisepass, um nach Amerika einzureisen, ich meine ins Land mit einer der schärfsten Einreisebestimmungen? Verdammt hoch zwei ja. Können wir irgendwie mit dem Auto schnell nach Kamloops und wieder zurück fahren? Verdammt hoch 3 nein, weil die Fähre nachts nicht verkehrt und es hin und zurück mehr als 15 Stunden dauern würde. Gibt es denn wenigstens einen Expresspaketdienst, der innerhalb von weniger als 16 Stunden an einem Sonntag in der Nacht liefern würde? Verdammt hoch 4 nein natürlich nicht. Okay also bleibt nichts anders übrig, als den ganzen Trip zu streichen, blöderweise sind schon alle Bus-, Fährentickets und Unterkünfte bezahlt und nicht stornierbar. Verdammt hoch 5. Okay was nun? Einfach Mal meine Gastfamilie anrufen, die hatten bisher für alles eine Notlösung, vielleicht ja auch diesmal. Als ich Christine von meinem Problem berichtet habe kam nur: „Hang on sweety, I gonna figure out something for you and call ya back in a couple of minutes.’’ Sweet, thx. Und so hieß es warten. Währenddessen erreichten wir Naniamo und beschlossen hier eine Kaffeepause einzulegen. Gerade den Pumpkin Spice Soy Latte (keine Ahnung seit wann Kaffee so komplizierten Namen hat – egal schmeckt) bestellt und schon erreichte mich Christines Rückruf. „Hey Jane, I just looked up a delivery service but there is nothing working quick enough but Grant got some friends who will drive to Vancouver tomorrow and they could pick up your passport and give it to you in Van if you like to?!“ Damn yeah I like! Wie gut dass wir uns gerade in Starbucks befinden und das kostenlose Internet ausnutzen konnten. So konnte ich gleich meine Fähre für morgen nach Vancouver buchen und auch den Bus nach Seattle von dort aus. Würde wohl ein anstrengender Tag werden. 3 Großstädte in 24 Stunden. Aber erstmal mussten wir zurück nach Victoria und uns von Black Jake verabschieden, den wir beide sehr vermissen würden. Bei der Abgabe stellten wir dann die gute Seite des Regens fest, denn nun mussten wir nicht mehr in eine Waschanlage fahren, da der tagelange Regen nahezu allen Dreck von den Schotterstraßen weggespült hat. Von David verabschiedete ich mich an der Stelle auch, da er natürlich nicht mit nach Vancouver kommen würde, aber der Abschied war nur für kurz, in einigen Stunden würden wir uns im Nachbarland schon wieder sehen.
Während also David planmäßig seine Fähre nach Seattle nahm, fuhr ich mit dem Bus zum anderen Fährenterminal, nahm die Fähre, dann wieder in den Bus nach Vancouver zum Flughafen, um von dort mit der Stadtbahn in einen Vorort zu düsen und dort den Bus für die letzten Stationen zu einem Einkaufscenter zu nehmen, wo Grants Freunde auf mich warteten und mir freundlich den Reisepass übergaben. Klappte wie am Schnürchen. Jetzt nur noch den ganzen Weg zurück nach Downtown und etwas Essbares organisieren. Meine Falafel habe ich dann genüsslich am Strand verspeist und dabei den Sonnenuntergang hinter dem großen beleuchteten Weihnachtsbaum beobachtet. Nach einem kurzen Verdauungschillen folgte ein Verdauungsspaziergang von Downtown zur zentralen Busstation etwas Außerhalb am Wasser entlang. Mit dem riesen Backpack auf dem Rücken, kam ich etwas aus der Puste an der Station an und als ich mich auf der Toilette frisch machen wollte, stand plötzlich Lenita aus Schweden und Desi aus Deutschland vor mir. Beide kamen gerade aus Kamloops und haben ihre letzten Tage dort verbracht, nun ging es für beide nach Hawaii, um Weihnachten und Neujahr dort zu feiern. Etwas neidisch darüber verbrachte ich die letzte Stunde vor meiner Abreise mit Erinnerungen und Geschichten aus Kamloops und die letzten drei Monate mit den Mädels.

Dann war es endlich soweit, mit meinem Reisepass in der Hand betrat ich den Bus und keine 45 Minuten später waren wir auch schon an der Grenze. Mal eben meine Fingerabdrücke an das amerikanische System übergeben und schwups, welcome to the USA. Noch ca. zwei, drei Stunden mehr und schon fand ich mich in der letzten Großstadt des Tages wieder.
 
Dicke Regentropfen begrüßten mich in der regenreichsten Stadt Nordamerikas, die auch dank der Twilight Saga wegen ihrer undurchdringlichen Wolken bekannt für den Vampirrückzug ist. Vampire habe ich auf meinem Weg zum Hostel zum Glück nicht gesichtet, dafür aber David, der mich fröhlich begrüßte und auch gleich vorschlug etwas die Nachtszene zu erkunden. Nach meinem Check-In ins Zimmer und der Feststellung, dass sich darin nur langweilige Mädchen und schüchterne Chinesinnen befanden, war ich froh, dass David wenigstens coole Roommates hatte mit denen wir die Stadt erkunden konnten. Seltsamerweise ist es in Kanada und scheinbar auch in den USA üblich Geschlechter getrennte Zimmer in Hostels zu haben. Ziemlich ungewohnt, denn in Neuseeland, Australien und sonst wo war das nie der Fall. Anscheint sind die Amis wirklich etwas prüde. Anyway, nachdem ich meine Sachen abgelegt habe machte ich Bekanntschaft mit Rodgrio und Andrew. Zusammen mit dem Brasilianer und dem Singapurer (Leute aus Singapur? Zu 90% eh Chinesen, aber in diesem Fall doch eher ein Singapurianer oder Singa oder Singanese…) liefen wir einige Blocks vom Hostel entfernt in zwei Bars und erforschten the american way of life. Nunja zumindest hatten wir ein bisschen das Gefühl als wir in den typischen quietsch roten Plastiksesseln unser Budweiser uns schmecken ließen und dabei die bunten Bilder von amerikanischen Flaggen an der Wand verteilt begutachteten. Bis auf Andrew, der seit August in Portland studiert, war es für alle von uns die erste Nacht in Amerika und besonders Rodrigo war geschockt und begeistert zugleich. Frisch aus dem sonnigen São Paulo war er nicht nur vom Jetleg, sondern auch von der Kälte geplagt und scheinbar auch von der westlichen Mentalität. In meiner deutsch gewohnten Manier streckte ich bei der Begrüßung meine Hand aus, etwas perplex erwiderte er es und später teilte er mir mit wie verwundert er war, denn in Brasilien werden alle Mädchen mit einem Küsschen links und rechts begrüßt und nun war ich das erste weibliche Wesen in Amerika und konfrontierte ihn mit der kalten Realität. Nach dem internationalen Austausch wurden wir auch schnell müde, nachdem jeder von uns eine recht lange Reise hinter sich hatte und so kehrten wir gegen 1 Uhr zurück ins Hostel.
 
Noch etwas verschlafen schauten wir am Frühstücktisch durch die beschlagenen Fensterscheiben und feuerten die Wolken an sich schneller zu bewegen und Platz für die Sonne zu machen. Immerhin war die Morgenröte am Horizont zu kennen und wer weiß, vielleicht würden wir ja etwas Sonne zu Gesicht bekommen, aber solange es noch etwas grau war beschlossen wir zum Public Pike Place Market zu gehen. Ja zur Abwechslung mal wieder ein Markt, aber dieser ist berühmt, historisch wertvoll und wirklich sehenswert. Was unter anderem an der bekannten „Gum Wall“ liegt. Eine Wand die sich in einer Seitenstraße zum Eingang befindet und seit 1993 voll mit Kaugummi ist. Was sonst verpönt und als unschön gilt und in Singapur sogar mit einer Strafe von 500$ geahndet wird, wurde hier von einem Theater-Kunst-Projekt zu einer der bekanntesten Touristenattraktionen in Seattle. Es ist zudem ein beliebter Platz für Hochzeitsfotos, warum auch immer man eine bunte mit tausend von DNA fremder Menschen verseuchter Wand als Hintergrund für seinen vermeidlich romantischsten Tag im Leben haben will. Scheint aber nicht ungewöhnlich zu sein, da wir auch gleich einen Heiratsantrag in klebrigem und durchgekautem Weiß vorgefunden haben. Naja heiraten würde ich hier nicht wollen, aber einen zerkauten Kaugummi ran zu kleben war natürlich Pflicht.
Anschließend ging es zum eigentlichen Markt, welcher 1907 eröffnet wurde und damit der älteste Bauernmarkt in Amerika ist. Einer der Traditionen ist es auf dem Fischstand jeden verkauften Fisch mit lautem Gebrüll über den Tresen fliegen zu lassen und wird daher auch „flying fish“ genannt. Dies ist durch pure Faulheit entstanden, da die Verkäufer es leid waren bei jedem Verkauf um den gesamten großen Stand zu laufen und somit Zeit zu verlieren, mit dem Werfen wurde der Verkauf effizienter und für die Touristen spektakulärer. Neben dem fliegenden Fisch gibt es auch die weltweit erste Starbucksfiliale zu bewundern, welche 1977 ihren Standort am Pike Place gefunden hat und von hier aus die Welt mit komplizierten Kaffeenamen erobert hat. Zudem findet man auf dem gesamten Boden Namen von irgendwelchen Musikern eingraviert, welchen Hintergrund dies und das große goldene Schwein namens Rachel am Eingang hat, konnte ich leider nicht herausfinden. Falls jemand zufällig was weiß, lasst es mich wissen. Doch bis dahin haben wir den Markt hinter uns gelassen und sind etwas am Ufer entlang spaziert, um das mittlerweile sonnige und wolkenlose Wetter zu genießen. Jackpot. Diese einmalige und seltene Sonnengegebenheit in Seattle nutzen wir auch gleich aus, um auf das unübersehbare Wahrzeichen der Stadt: die Speace Needle zu steigen und die gesamte Skyline bei klarer Sicht zu bewundern. Beim Herumschlendern auf dem Sonnendeck (Yey der Name passt ausnahmsweise Mal) ist mir aufgefallen, dass es mittlerweile mein neunter Aussichtsturm in einer Großstadt ist und wahrscheinlich auch nicht der Letzte. Grundsätzlich sind sie in jeder Stadt gleich: groß, Touristenüberlaufen, teuer und oftmals mit einem sich drehenden Restaurant ausgestattet, welches selbstverständlich ebenfalls teuer ist. Aber was an Seattle beeindruckend war (und nein diesmal meine ich nicht die Sonne) ist das amerikanische feeling. Ich kann nicht genau beschreiben ob es an den 21 Starbucks in der Innenstadt liegt (ja wir haben nachgezählt und ein Spiel draus gemacht, btw. Ich habe gewonnen) oder an der Tatsache, dass hier alles größer ist – Autos, Gebäude, Essensportionen, Menschen…, vielleicht waren es aber auch die typisch gelben Taxen und die in regelmäßigen Abständen verteilten Us amerikanischen Flaggen, die einem das Gefühl vom mächtigen Land mit den unbegrenzten Möglichkeiten gab. Fasziniert war ich auf jeden Fall, was jedoch wohl eher den schneebedeckten Bergen im Hintergrund gepaart mit dem funkelnden Ozeanwasser zu verschulden ist.
Nachdem es hoch hinauf ging, spazierten wir nun auf Meeresspiegelniveau am Wasser entlang und genossen die untergehende Sonne mit ihrem Farbenspiel. Ein geeigneter Moment mal die Seele am Strand baumeln zu lassen, nach den letzten Tagen umher laufen und reisen. Zur Stärkung gab es Gemüseburritos in einem bunt quirligen mexican Restaurant.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Als einer der nur zweimal im Jahr auftretenden sonnigen Tage in Seattle vorbei war, stand natürlich wieder eine regenverhangene Atmosphäre vor der Tür. Ein perfekter Tag also, um den Grossteil der Zeit in geschlossenen Räumen zu verbringen. Also ab zu den Museen der Stadt und die gibt es hier wie Wolken am Himmel. Zuerst erkundeten wir die Underground Tour, wo wir durch die Katakomben der Stadt geführt wurden und gelernt haben, dass unter dem heutigen Zentrum sich ein weiteres befindet. Die Verkehrsstraßen der ursprünglichen Stadt wurden in einem Bauprozess von 10 Jahren aufgefüllt und verdichtet. Die zweite Etage der ehemaligen Großgebäude war nun das Erdgeschoss und im Untergrund fand man etliche Requisiten und Schilder der vergangen Jahre vor. Grund für diesen enormen Aufwand war die problematische Nähe zum Meereswasser, wodurch die Stadt regelmäßig von den Gezeiten überflutet wurde. Da aber von den Gründungsvätern, wegen dem strategisch günstigen Standort, niemand die Stadt aufgeben wollte, wurden keine Mühen und Kosten gescheut eine zweite Stadt zu erbauen. Nun durften wir also in den verlassenen Gemäuern der Geisterstadt umherkrauchen und uns auf unterhaltsame Weise bilden lassen. Nach ca. 90 Minuten erblicken wir wieder Tageslicht und frische Großstadtluft. Das Grau hat immer noch die Oberhand über Seattle und das war das Zeichen ins nächste Museum zu pilgern. Da wir Stadthistorische Geschichte nun hinter uns hatten, folgte etwas Unterhaltung in Form von Musik. David als ein eingefleischter Musiker, der Gitarre, Mundharmonika, Klavier, Bass und irgendein Elektronikzeug spielt, konnte schon den ganzen Aufenthalt nicht abwarten endlich in die Musikhalle zu treten. Ich als total unmusikalischer, dafür aber halbwegs sozialer Mensch hab mich der Freude natürlich angeschlossen und mich von der Jimi Hendrix, Nirvana und Gitarrenausstellung faszinieren lassen. Zugegebenermaßen nach gut 15 Minuten war das Maximum meiner Aufmerksamkeitsspanne für musikhistorische Fakten erschöpft und ich nach der hundert und zweiundreißigsten Gitarre etwas gelangweilt, aber mein persönlicher Musikkenner David war unermüdlich damit beschäftigt mir mehr Wissen über Jimi Hendrix größten Jahre zu berichten. Wenigstens konnte ich ein bisschen Musik zwischendurch hören und mich von der 50meter hohen Instrumenteninstallation hinreißen lassen.
 
 
 
 
 
 

Viel Zeit im Museum konnten wir ohnehin nicht verbringen, da um 4pm unser Bus zurück nach Kamloops abreisen würde und ganz ehrlich? Ich habe mich unendlich über die 10 Stunden Fahrt in einem engen, klapprigen Bus mit einem unfreundlichen Busfahrer (welcome to america) gefreut. Nach Knapp 10 Tagen rumreisen und den letzten Tagen Großstadtrummel, habe ich mich ziemlich nach der kleinen Wüste im bergigen Umland gesehnt und war mehr als froh mitten in der Nacht die eisigen -15°C einzuatmen und mich wieder wie zuhause zu fühlen. Auf der Reise habe ich mitbekommen, dass mir das kleine niedliche Kamloops doch sehr ans Herz gewachsen ist. Zu Schade, dass die Tage hier nun gezählt sind.

Donnerstag, 2. Januar 2014

Inselabenteuer Part Two

In Port Alberni angekommen, sind wir nicht lange hier geblieben, da Tofino auf uns wartet. Nach einer kurzen Mittagspause ging es also weiter auf der Straße und sahen dann zwei Rucksacktouristen am Straßenrand mit einem Tofino-Schild. Kurzer Blick ins Auto und schnell war festgestellt, dass wir unglaublich viel Platz hatten. Da brauchten wir nicht lange zu überlegen und haben Dennis und Stefan aus Deutschland (na klar, woher auch sonst?!) mitgenommen. Beide studieren in München und sind seit Mai in Kanada für diverse Praktika unterwegs. Doch nun haben sie sich eine Woche Auszeit vom Arbeiten genommen und sind auf Vancouver Island abenteuerlich unterwegs. Dazu gehört selbstverständlich auch trampen und im Zelt übernachten.
Wir haben uns gleich auf Anhieb verstanden und glücklicherweise war Dennis im Sommer schon in dem Inselparadies unterwegs und fungierte ausgezeichnet als Reiseführer. Auf dem malerischen Weg nach Tofino schlängelte sich die Straße durch Serpentinen, saftig grünem Wald und wir passierten mehrere Seen. Zwischenstopps wurden dann an ausgewählten Plätzen eingehalten, um sich die Beine zu vertreten und ganz nebenbei die Landschaft zu genießen. Auf diese Weise konnten wir uns auch alle etwas besser kennenlernen und haben dann schnell beschlossen den Rest des Tages zusammen zu verbringen. In Tofino angekommen, spazierten wir einwenig am Strand entlang und hielten Ausschau nach einem hübschen Übernachtsplatz, wobei wir auch gleich eine geeignete Stelle für ein Lagerfeuer gefunden haben. Während die Jungs alles für ein knisterndes Feuer vorbereiteten, besorgten David und ich die Zutaten für ein leckeres Abendmahl. Ganz ausgefallen sollte es Nudeln mit Tomatensoße geben allerdings auf Abenteuerart. Meerwasser also mal eben (dauerte ca. 45 Minuten) auf dem Feuer zum Kochen gebracht und dann die Nudeln gar kochen. Läuft prima, jetzt nur noch ein bisschen frisches Gemüse in der Fertigsoße anbraten und guten Appetit. Blöd, dass wir nur einen einzigen Topf besitzen und der ist voll bis oben hin mit Nudeln. Haben wir ne Schüssel? Nein. Haben wir mehrere Teller zum verteilen? Nein. Haben wir irgendein Geschirrutensil? Natürlich nicht. Na dann muss halt die Plastiktüte her und als Nudelablage dienen. Zum Schluss dann noch das letzte Problem: Woraus und wie würden wir essen? Teller, Schüssel – alles überbewertet. Man isst natürlich ausm Topf und dem Fertigsoßenglas. Eleganter kann man wohl kaum essen. Nach ganzen 3 Stunden Vorbereitung (im Dunkeln versteht sich) waren wir dann endlich gesättigt und haben den Abend mit musizieren und Gesprächen ausklingen lassen.
Während die Jungs ihre Schlafsäcke über die noch warme Feuerstelle für eine warme Nacht unter freiem Himmel aufschlugen, verkümmelten wir uns etwas neidisch drüber in unser Auto am Straßenrand. Einige Stunden später, als fette Regentropfen ein ohrenbetäubendes Trommelkonzert auf dem Autodach veranstalteten, waren wir schon nicht mehr neidisch und erstrecht nicht mehr als Dennis und Stefan pitschnass am Morgen an unsere Autotür klopften und uns um einen Fahrt ins nächste Hostel baten. Sozial wie wir sind haben wir das natürlich gemacht und in Tofino dank dem sehr euphorischen Gastwirt, welcher auch super als Reiseführer oder Entertainer arbeiten könnte, einige Tipps und Ideen für den Tag bekommen. Zuerst ging es zum Strand, der trotz schlechten Wetters einem das Gefühl gab sich in Hawaii im Sommer zu befinden anstatt im Dezember in Kanada.
Danach ging es in einen Regenwald und was wäre bitte ein Regenwald ohne Regen? Natürlich nicht realistisch, also hat es extra für uns, um ein authentisches Feeling zu bekommen, wie aus Kübeln geschüttete. Beeindruckend war die Wanderung allemal, wenn man durch dichtes Grün hindurchstampft und von allen Seite man von Hochhausgroßen Bäumen und seit jahrhundert lebenden Pflanzen vorbei stiefelt. Als wir alle großen Uhrzeitbäume ausreichend gestreichelt und umarmt haben, ging es weiter nach Ucluelet, ein unmöglich auszusprechendes Städtchen oder Dörfchen gleich neben Tofino, was von den Touristenmassen meistens verschont bleibt und mit unzählig vielen kleinen hübschen Shops (einige davon lassen auch große Boote aus der Fassade in den Vorgarten ragen) die der Ortschaft einen verschlafenen Charakter verschafft haben. Hier unternahmen Dennis, Stefan, David und ich einen Spaziergang an der Küste und beobachteten wie der Sturm große Wellen an die Felsen formte und mit einer spektakulären Geräuschkulisse uns in den Bann zog, sodass wir nach 40 Minuten total durchgefroren im Regen uns mit einer heißen Schokolade in einer der niedlichen Kaffeehäuser belohnt haben. Gesponsert von den Jungs haben wir uns so von unseren Reiseabschnittsgefährten verabschiedet und unseren Weg weiter nach Campbell River unternommen, wo ein Apartment mit einer heißen Dusche und einem richtigen und warmen Bett auf uns wartete. Diesen Luxus haben wir der Mutter von meiner Gastmutter zu verdanken, die sich zum Zeitpunkt unseres Aufenthaltes in Vancouver befand und uns freundlicherweise die Unterkunft zur Verfügung stellte. Gewaschen und gestärkt sollte es am nächsten Tag weiter nach Port Hardy, im obersten Norden der Insel gehen, doch nach wenigen Fahrkilometern stellten wir schnell fest, dass der dichte Nebel uns keine schöne Sicht versprechen würde und daher kehrten wir wieder um und fuhren stattdessen in den Süden nach Parksville, Coombs und Qualicum. Von einem freundlichen und sehr ambitionierten Touristenführer haben wir seinen ganz persönlichen Geheimtipp für Parksville bekommen. Am Ende einer unscheinbaren Bergstraße erwartete uns eine eben so unspektakuläre Müllhalde, doch direkt dahinter sollten steile Klippen ihren Weg in die Tiefe des bewaldeten Tals machen und auf den Vorsprüngen einen weitläufigen Blick in die Ferne und die umliegenden Berge bieten. Klingt traumhaft und nach einer kurzen Suche, fanden wir auch schnell die besagte Stelle und waren von der versprochenen Aussicht auch nicht enttäuscht, auch wenn der Nebel immer noch seinen Schleier über die Baumspitzen und Berggipfel legte.
Damit war der Tag natürlich noch lange nicht vorbei und die Natur-Sehenswürdigkeiten auch noch nicht alle bestaunt. Nach einer kurzen Fahrt Richtung Port Alberni, kamen wir in der mystischen Cathedral Grove an, ein Waldabschnitt der mittels Forststraßen durch ein dichtes Blätterdach an Bäumen vorbei führt, wovon einige mehr als 800 Jahre alt und höher als der Turm von Pisa sind. Beeindruckend diese Naturgiganten und schaurig schön, durch diesen Moosbehangenen und fast lichtundurchlässigen Urwald zu stampfen. Nach Klippen und Wald fehlt jetzt eigentlich nur noch Wasser und dieses Element würden wir in hinabstürzender Form als rauschende Wasserfälle erleben. Im English-Man-Falls-Park hatten wir in der Dämmerung und in der Nebensaison den Park ganz für uns alleine. Nur der fußballplatzgroße Parkplatz lässt die Touristenströme im Sommer erahnen.
 
















 
Nach dem ganztägigen Outdoorgestöber belohnten wir uns mit einer heißen Schokolade im Coombs old Country Market, der im Winter herrlich geschmückt mit Weihnachtsbeleuchtung ist und im Sommer Gras schmatzende Ziegen und Schafe auf dem Dach beherbergt. Der rustikal angehauchte Markt besitzt alles was das Schlemmerherz aus aller Welt begehrt. Während David seine heiße Schokolade weiter schlürfte, machte ich ihn mit allen deutschen Weihnachtsleckerein vertraut, die man im Laden als Exportschlager finden konnte. Zwischen Marzipankartoffeln, Baumkuchen, Nürnberger Lebkuchenoblaten, Dominosteinen und Schokomandeln redete ich David den Mund wässrig. Weil schweineteuer und eh nicht vegan, verließen wir den Markt allerdings hungrig und fuhren erneut nach Port Alberni, um in einem australischen Restaurant unseren Abendbrothunger zu stillen. Danach ging es auch schon ins Bett, denn nach einer kurzen Nacht, sollte es in den Morgenstunden auf die Lady Rose gehen.
 
Halb sechs klingelte der blöde Wecker und langsam rollten wir uns aus den warm-kuscheligen Schlafsäcken in die frostig kalte Samstagmorgen-Luft. Im warmen Pullover und dicken Jacken besetzen wir unsere Plätze auf dem Frachtkutter im Hafen von Port Alberni. Eine ganztägige Bootstour durch den Barkley Sound würde uns durch den schmalen Fjord an bewaldete Berghänge und unberührte Natur führen. David verbrachte die meiste Zeit mit geschlossenen Augen eingemummelt in der menschenleeren Touristenkabine, während ich in der Zwischenzeit auf dem Deck mir die Meeresluft ins Gesicht blasen ließen und vom Kapitän ins Führerhäuschen zum netten Plausch eingeladen wurde. Im Gespräch redeten wir über seine Tochter, die ebenfalls ein Auslandssemester in der Schweiz unternommen hat und über seine Midlife Crisis, die ihn vor 15 Jahren letztendlich von Schottland nach Kanada gebracht hat und ihn tief auf Vancouver Island verwurzelt hat. Hier möchte er nie wieder weg, er hat seinen Platz mit seiner Familie gefunden und weiß, dass der Geburtsort nicht die Endstation im Leben sein muss. Eine Einstellung die ich mit ihm zustimmend teilte und gedankenverloren von diesem Gespräch in Bamfield von Board gegangen bin, um einen Spaziergang zum nächsten Strand zu unternehmen. Trotz beständigem Regen (jaa es ist der 6. Tage in Folge wo der Himmel weint…) kletterten David und ich in einer kleinen Höhle am Ufer herum und starrten in die weite Ferne des Ozeans. Lange konnten wir uns in dem verlassenen 200 Einwohner Dörfchen jedoch nicht aufhalten, da die Lady Rose bald wieder ablegen und zurück tuckern würde.
Gegen vier Uhr am Nachmittag hatten wir wieder festen Boden unter den Füßen und tauschten den auch sogleich gegen unseren fahrbaren Untersatz ein. Mit Jake ging es nun weiter nach Naniamo.
Welches unnötige Abenteuer uns bzw. mich da erwartete, berichte ich im nächsten Beitrag!