In Port
Alberni angekommen, sind wir nicht lange hier geblieben, da Tofino auf uns
wartet. Nach einer kurzen Mittagspause ging es also weiter auf der Straße und
sahen dann zwei Rucksacktouristen am Straßenrand mit einem Tofino-Schild.
Kurzer Blick ins Auto und schnell war festgestellt, dass wir unglaublich viel
Platz hatten. Da brauchten wir nicht lange zu überlegen und haben Dennis und
Stefan aus Deutschland (na klar, woher auch sonst?!) mitgenommen. Beide
studieren in München und sind seit Mai in Kanada für diverse Praktika unterwegs.
Doch nun haben sie sich eine Woche Auszeit vom Arbeiten genommen und sind auf
Vancouver Island abenteuerlich unterwegs. Dazu gehört selbstverständlich auch
trampen und im Zelt übernachten.
Wir
haben uns gleich auf Anhieb verstanden und glücklicherweise war Dennis im
Sommer schon in dem Inselparadies unterwegs und fungierte ausgezeichnet als
Reiseführer. Auf dem malerischen Weg nach Tofino schlängelte sich die Straße
durch Serpentinen, saftig grünem Wald und wir passierten mehrere Seen.
Zwischenstopps wurden dann an ausgewählten Plätzen eingehalten, um sich die
Beine zu vertreten und ganz nebenbei die Landschaft zu genießen. Auf diese
Weise konnten wir uns auch alle etwas besser kennenlernen und haben dann
schnell beschlossen den Rest des Tages zusammen zu verbringen. In Tofino angekommen,
spazierten wir einwenig am Strand entlang und hielten Ausschau nach einem
hübschen Übernachtsplatz, wobei wir auch gleich eine geeignete Stelle für ein
Lagerfeuer gefunden haben. Während die Jungs alles für ein knisterndes Feuer
vorbereiteten, besorgten David und ich die Zutaten für ein leckeres Abendmahl.
Ganz ausgefallen sollte es Nudeln mit Tomatensoße geben allerdings auf
Abenteuerart. Meerwasser also mal eben (dauerte ca. 45 Minuten) auf dem Feuer
zum Kochen gebracht und dann die Nudeln gar kochen. Läuft prima, jetzt nur noch
ein bisschen frisches Gemüse in der Fertigsoße anbraten und guten Appetit.
Blöd, dass wir nur einen einzigen Topf besitzen und der ist voll bis oben hin
mit Nudeln. Haben wir ne Schüssel? Nein. Haben wir mehrere Teller zum verteilen?
Nein. Haben wir irgendein Geschirrutensil? Natürlich nicht. Na dann muss halt
die Plastiktüte her und als Nudelablage dienen. Zum Schluss dann noch das
letzte Problem: Woraus und wie würden wir essen? Teller, Schüssel – alles
überbewertet. Man isst natürlich ausm Topf und dem Fertigsoßenglas. Eleganter
kann man wohl kaum essen. Nach ganzen 3 Stunden Vorbereitung (im Dunkeln
versteht sich) waren wir dann endlich gesättigt und haben den Abend mit
musizieren und Gesprächen ausklingen lassen.
Während
die Jungs ihre Schlafsäcke über die noch warme Feuerstelle für eine warme Nacht
unter freiem Himmel aufschlugen, verkümmelten wir uns etwas neidisch drüber in
unser Auto am Straßenrand. Einige Stunden später, als fette Regentropfen ein
ohrenbetäubendes Trommelkonzert auf dem Autodach veranstalteten, waren wir
schon nicht mehr neidisch und erstrecht nicht mehr als Dennis und Stefan
pitschnass am Morgen an unsere Autotür klopften und uns um einen Fahrt ins
nächste Hostel baten. Sozial wie wir sind haben wir das natürlich gemacht und
in Tofino dank dem sehr euphorischen Gastwirt, welcher auch super als
Reiseführer oder Entertainer arbeiten könnte, einige Tipps und Ideen für den
Tag bekommen. Zuerst ging es zum Strand, der trotz schlechten Wetters einem das
Gefühl gab sich in Hawaii im Sommer zu befinden anstatt im Dezember in Kanada.
Danach
ging es in einen Regenwald und was wäre bitte ein Regenwald ohne Regen?
Natürlich nicht realistisch, also hat es extra für uns, um ein authentisches
Feeling zu bekommen, wie aus Kübeln geschüttete. Beeindruckend war die
Wanderung allemal, wenn man durch dichtes Grün hindurchstampft und von allen
Seite man von Hochhausgroßen Bäumen und seit jahrhundert lebenden Pflanzen
vorbei stiefelt. Als wir alle großen Uhrzeitbäume ausreichend gestreichelt und
umarmt haben, ging es weiter nach Ucluelet, ein unmöglich auszusprechendes Städtchen
oder Dörfchen gleich neben Tofino, was von den Touristenmassen meistens
verschont bleibt und mit unzählig vielen kleinen hübschen Shops (einige davon
lassen auch große Boote aus der Fassade in den Vorgarten ragen) die der
Ortschaft einen verschlafenen Charakter verschafft haben. Hier unternahmen
Dennis, Stefan, David und ich einen Spaziergang an der Küste und beobachteten
wie der Sturm große Wellen an die Felsen formte und mit einer spektakulären
Geräuschkulisse uns in den Bann zog, sodass wir nach 40 Minuten total durchgefroren
im Regen uns mit einer heißen Schokolade in einer der niedlichen Kaffeehäuser
belohnt haben. Gesponsert von den Jungs haben wir uns so von unseren
Reiseabschnittsgefährten verabschiedet und unseren Weg weiter nach Campbell
River unternommen, wo ein Apartment mit einer heißen Dusche und einem richtigen
und warmen Bett auf uns wartete. Diesen Luxus haben wir der Mutter von meiner
Gastmutter zu verdanken, die sich zum Zeitpunkt unseres Aufenthaltes in Vancouver
befand und uns freundlicherweise die Unterkunft zur Verfügung stellte. Gewaschen
und gestärkt sollte es am nächsten Tag weiter nach Port Hardy, im obersten
Norden der Insel gehen, doch nach wenigen Fahrkilometern stellten wir schnell
fest, dass der dichte Nebel uns keine schöne Sicht versprechen würde und daher kehrten
wir wieder um und fuhren stattdessen in den Süden nach Parksville, Coombs und Qualicum.
Von einem freundlichen und sehr ambitionierten Touristenführer haben wir seinen
ganz persönlichen Geheimtipp für Parksville bekommen. Am Ende einer
unscheinbaren Bergstraße erwartete uns eine eben so unspektakuläre Müllhalde,
doch direkt dahinter sollten steile Klippen ihren Weg in die Tiefe des
bewaldeten Tals machen und auf den Vorsprüngen einen weitläufigen Blick in die
Ferne und die umliegenden Berge bieten. Klingt traumhaft und nach einer kurzen
Suche, fanden wir auch schnell die besagte Stelle und waren von der versprochenen
Aussicht auch nicht enttäuscht, auch wenn der Nebel immer noch seinen Schleier
über die Baumspitzen und Berggipfel legte.
Damit war der Tag natürlich noch lange nicht vorbei
und die Natur-Sehenswürdigkeiten auch noch nicht alle bestaunt. Nach einer kurzen
Fahrt Richtung Port Alberni, kamen wir in der mystischen Cathedral Grove an,
ein Waldabschnitt der mittels Forststraßen durch ein dichtes Blätterdach an
Bäumen vorbei führt, wovon einige mehr als 800 Jahre alt und höher als der Turm
von Pisa sind. Beeindruckend diese Naturgiganten und schaurig schön, durch
diesen Moosbehangenen und fast lichtundurchlässigen Urwald zu stampfen. Nach
Klippen und Wald fehlt jetzt eigentlich nur noch Wasser und dieses Element
würden wir in hinabstürzender Form als rauschende Wasserfälle erleben. Im
English-Man-Falls-Park hatten wir in der Dämmerung und in der Nebensaison den
Park ganz für uns alleine. Nur der fußballplatzgroße Parkplatz lässt die
Touristenströme im Sommer erahnen.
Nach dem
ganztägigen Outdoorgestöber belohnten wir uns mit einer heißen Schokolade im
Coombs old Country Market, der im Winter herrlich geschmückt mit
Weihnachtsbeleuchtung ist und im Sommer Gras schmatzende Ziegen und Schafe auf
dem Dach beherbergt. Der rustikal angehauchte Markt besitzt alles was das
Schlemmerherz aus aller Welt begehrt. Während David seine heiße Schokolade
weiter schlürfte, machte ich ihn mit allen deutschen Weihnachtsleckerein
vertraut, die man im Laden als Exportschlager finden konnte. Zwischen
Marzipankartoffeln, Baumkuchen, Nürnberger Lebkuchenoblaten, Dominosteinen und
Schokomandeln redete ich David den Mund wässrig. Weil schweineteuer und eh
nicht vegan, verließen wir den Markt allerdings hungrig und fuhren erneut nach
Port Alberni, um in einem australischen Restaurant unseren Abendbrothunger zu
stillen. Danach ging es auch schon ins Bett, denn nach einer kurzen Nacht,
sollte es in den Morgenstunden auf die Lady Rose gehen.
Halb
sechs klingelte der blöde Wecker und langsam rollten wir uns aus den
warm-kuscheligen Schlafsäcken in die frostig kalte Samstagmorgen-Luft. Im
warmen Pullover und dicken Jacken besetzen wir unsere Plätze auf dem
Frachtkutter im Hafen von Port Alberni. Eine ganztägige Bootstour durch den
Barkley Sound würde uns durch den schmalen Fjord an bewaldete Berghänge und
unberührte Natur führen. David verbrachte die meiste Zeit mit geschlossenen
Augen eingemummelt in der menschenleeren Touristenkabine, während ich in der
Zwischenzeit auf dem Deck mir die Meeresluft ins Gesicht blasen ließen und vom
Kapitän ins Führerhäuschen zum netten Plausch eingeladen wurde. Im Gespräch
redeten wir über seine Tochter, die ebenfalls ein Auslandssemester in der
Schweiz unternommen hat und über seine Midlife Crisis, die ihn vor 15 Jahren
letztendlich von Schottland nach Kanada gebracht hat und ihn tief auf Vancouver
Island verwurzelt hat. Hier möchte er nie wieder weg, er hat seinen Platz mit
seiner Familie gefunden und weiß, dass der Geburtsort nicht die Endstation im
Leben sein muss. Eine Einstellung die ich mit ihm zustimmend teilte und
gedankenverloren von diesem Gespräch in Bamfield von Board gegangen bin, um
einen Spaziergang zum nächsten Strand zu unternehmen. Trotz beständigem Regen
(jaa es ist der 6. Tage in Folge wo der Himmel weint…) kletterten David und ich
in einer kleinen Höhle am Ufer herum und starrten in die weite Ferne des
Ozeans. Lange konnten wir uns in dem verlassenen 200 Einwohner Dörfchen jedoch
nicht aufhalten, da die Lady Rose bald wieder ablegen und zurück tuckern würde.
Gegen
vier Uhr am Nachmittag hatten wir wieder festen Boden unter den Füßen und
tauschten den auch sogleich gegen unseren fahrbaren Untersatz ein. Mit Jake
ging es nun weiter nach Naniamo.
Welches
unnötige Abenteuer uns bzw. mich da erwartete, berichte ich im nächsten
Beitrag!
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