Zitat

"Das Leben wird nicht gemessen an der Zahl der Atemzüge, sondern an den Orten und Momenten, die uns den Atem rauben."

Donnerstag, 2. Januar 2014

Inselabenteuer Part Two

In Port Alberni angekommen, sind wir nicht lange hier geblieben, da Tofino auf uns wartet. Nach einer kurzen Mittagspause ging es also weiter auf der Straße und sahen dann zwei Rucksacktouristen am Straßenrand mit einem Tofino-Schild. Kurzer Blick ins Auto und schnell war festgestellt, dass wir unglaublich viel Platz hatten. Da brauchten wir nicht lange zu überlegen und haben Dennis und Stefan aus Deutschland (na klar, woher auch sonst?!) mitgenommen. Beide studieren in München und sind seit Mai in Kanada für diverse Praktika unterwegs. Doch nun haben sie sich eine Woche Auszeit vom Arbeiten genommen und sind auf Vancouver Island abenteuerlich unterwegs. Dazu gehört selbstverständlich auch trampen und im Zelt übernachten.
Wir haben uns gleich auf Anhieb verstanden und glücklicherweise war Dennis im Sommer schon in dem Inselparadies unterwegs und fungierte ausgezeichnet als Reiseführer. Auf dem malerischen Weg nach Tofino schlängelte sich die Straße durch Serpentinen, saftig grünem Wald und wir passierten mehrere Seen. Zwischenstopps wurden dann an ausgewählten Plätzen eingehalten, um sich die Beine zu vertreten und ganz nebenbei die Landschaft zu genießen. Auf diese Weise konnten wir uns auch alle etwas besser kennenlernen und haben dann schnell beschlossen den Rest des Tages zusammen zu verbringen. In Tofino angekommen, spazierten wir einwenig am Strand entlang und hielten Ausschau nach einem hübschen Übernachtsplatz, wobei wir auch gleich eine geeignete Stelle für ein Lagerfeuer gefunden haben. Während die Jungs alles für ein knisterndes Feuer vorbereiteten, besorgten David und ich die Zutaten für ein leckeres Abendmahl. Ganz ausgefallen sollte es Nudeln mit Tomatensoße geben allerdings auf Abenteuerart. Meerwasser also mal eben (dauerte ca. 45 Minuten) auf dem Feuer zum Kochen gebracht und dann die Nudeln gar kochen. Läuft prima, jetzt nur noch ein bisschen frisches Gemüse in der Fertigsoße anbraten und guten Appetit. Blöd, dass wir nur einen einzigen Topf besitzen und der ist voll bis oben hin mit Nudeln. Haben wir ne Schüssel? Nein. Haben wir mehrere Teller zum verteilen? Nein. Haben wir irgendein Geschirrutensil? Natürlich nicht. Na dann muss halt die Plastiktüte her und als Nudelablage dienen. Zum Schluss dann noch das letzte Problem: Woraus und wie würden wir essen? Teller, Schüssel – alles überbewertet. Man isst natürlich ausm Topf und dem Fertigsoßenglas. Eleganter kann man wohl kaum essen. Nach ganzen 3 Stunden Vorbereitung (im Dunkeln versteht sich) waren wir dann endlich gesättigt und haben den Abend mit musizieren und Gesprächen ausklingen lassen.
Während die Jungs ihre Schlafsäcke über die noch warme Feuerstelle für eine warme Nacht unter freiem Himmel aufschlugen, verkümmelten wir uns etwas neidisch drüber in unser Auto am Straßenrand. Einige Stunden später, als fette Regentropfen ein ohrenbetäubendes Trommelkonzert auf dem Autodach veranstalteten, waren wir schon nicht mehr neidisch und erstrecht nicht mehr als Dennis und Stefan pitschnass am Morgen an unsere Autotür klopften und uns um einen Fahrt ins nächste Hostel baten. Sozial wie wir sind haben wir das natürlich gemacht und in Tofino dank dem sehr euphorischen Gastwirt, welcher auch super als Reiseführer oder Entertainer arbeiten könnte, einige Tipps und Ideen für den Tag bekommen. Zuerst ging es zum Strand, der trotz schlechten Wetters einem das Gefühl gab sich in Hawaii im Sommer zu befinden anstatt im Dezember in Kanada.
Danach ging es in einen Regenwald und was wäre bitte ein Regenwald ohne Regen? Natürlich nicht realistisch, also hat es extra für uns, um ein authentisches Feeling zu bekommen, wie aus Kübeln geschüttete. Beeindruckend war die Wanderung allemal, wenn man durch dichtes Grün hindurchstampft und von allen Seite man von Hochhausgroßen Bäumen und seit jahrhundert lebenden Pflanzen vorbei stiefelt. Als wir alle großen Uhrzeitbäume ausreichend gestreichelt und umarmt haben, ging es weiter nach Ucluelet, ein unmöglich auszusprechendes Städtchen oder Dörfchen gleich neben Tofino, was von den Touristenmassen meistens verschont bleibt und mit unzählig vielen kleinen hübschen Shops (einige davon lassen auch große Boote aus der Fassade in den Vorgarten ragen) die der Ortschaft einen verschlafenen Charakter verschafft haben. Hier unternahmen Dennis, Stefan, David und ich einen Spaziergang an der Küste und beobachteten wie der Sturm große Wellen an die Felsen formte und mit einer spektakulären Geräuschkulisse uns in den Bann zog, sodass wir nach 40 Minuten total durchgefroren im Regen uns mit einer heißen Schokolade in einer der niedlichen Kaffeehäuser belohnt haben. Gesponsert von den Jungs haben wir uns so von unseren Reiseabschnittsgefährten verabschiedet und unseren Weg weiter nach Campbell River unternommen, wo ein Apartment mit einer heißen Dusche und einem richtigen und warmen Bett auf uns wartete. Diesen Luxus haben wir der Mutter von meiner Gastmutter zu verdanken, die sich zum Zeitpunkt unseres Aufenthaltes in Vancouver befand und uns freundlicherweise die Unterkunft zur Verfügung stellte. Gewaschen und gestärkt sollte es am nächsten Tag weiter nach Port Hardy, im obersten Norden der Insel gehen, doch nach wenigen Fahrkilometern stellten wir schnell fest, dass der dichte Nebel uns keine schöne Sicht versprechen würde und daher kehrten wir wieder um und fuhren stattdessen in den Süden nach Parksville, Coombs und Qualicum. Von einem freundlichen und sehr ambitionierten Touristenführer haben wir seinen ganz persönlichen Geheimtipp für Parksville bekommen. Am Ende einer unscheinbaren Bergstraße erwartete uns eine eben so unspektakuläre Müllhalde, doch direkt dahinter sollten steile Klippen ihren Weg in die Tiefe des bewaldeten Tals machen und auf den Vorsprüngen einen weitläufigen Blick in die Ferne und die umliegenden Berge bieten. Klingt traumhaft und nach einer kurzen Suche, fanden wir auch schnell die besagte Stelle und waren von der versprochenen Aussicht auch nicht enttäuscht, auch wenn der Nebel immer noch seinen Schleier über die Baumspitzen und Berggipfel legte.
Damit war der Tag natürlich noch lange nicht vorbei und die Natur-Sehenswürdigkeiten auch noch nicht alle bestaunt. Nach einer kurzen Fahrt Richtung Port Alberni, kamen wir in der mystischen Cathedral Grove an, ein Waldabschnitt der mittels Forststraßen durch ein dichtes Blätterdach an Bäumen vorbei führt, wovon einige mehr als 800 Jahre alt und höher als der Turm von Pisa sind. Beeindruckend diese Naturgiganten und schaurig schön, durch diesen Moosbehangenen und fast lichtundurchlässigen Urwald zu stampfen. Nach Klippen und Wald fehlt jetzt eigentlich nur noch Wasser und dieses Element würden wir in hinabstürzender Form als rauschende Wasserfälle erleben. Im English-Man-Falls-Park hatten wir in der Dämmerung und in der Nebensaison den Park ganz für uns alleine. Nur der fußballplatzgroße Parkplatz lässt die Touristenströme im Sommer erahnen.
 
















 
Nach dem ganztägigen Outdoorgestöber belohnten wir uns mit einer heißen Schokolade im Coombs old Country Market, der im Winter herrlich geschmückt mit Weihnachtsbeleuchtung ist und im Sommer Gras schmatzende Ziegen und Schafe auf dem Dach beherbergt. Der rustikal angehauchte Markt besitzt alles was das Schlemmerherz aus aller Welt begehrt. Während David seine heiße Schokolade weiter schlürfte, machte ich ihn mit allen deutschen Weihnachtsleckerein vertraut, die man im Laden als Exportschlager finden konnte. Zwischen Marzipankartoffeln, Baumkuchen, Nürnberger Lebkuchenoblaten, Dominosteinen und Schokomandeln redete ich David den Mund wässrig. Weil schweineteuer und eh nicht vegan, verließen wir den Markt allerdings hungrig und fuhren erneut nach Port Alberni, um in einem australischen Restaurant unseren Abendbrothunger zu stillen. Danach ging es auch schon ins Bett, denn nach einer kurzen Nacht, sollte es in den Morgenstunden auf die Lady Rose gehen.
 
Halb sechs klingelte der blöde Wecker und langsam rollten wir uns aus den warm-kuscheligen Schlafsäcken in die frostig kalte Samstagmorgen-Luft. Im warmen Pullover und dicken Jacken besetzen wir unsere Plätze auf dem Frachtkutter im Hafen von Port Alberni. Eine ganztägige Bootstour durch den Barkley Sound würde uns durch den schmalen Fjord an bewaldete Berghänge und unberührte Natur führen. David verbrachte die meiste Zeit mit geschlossenen Augen eingemummelt in der menschenleeren Touristenkabine, während ich in der Zwischenzeit auf dem Deck mir die Meeresluft ins Gesicht blasen ließen und vom Kapitän ins Führerhäuschen zum netten Plausch eingeladen wurde. Im Gespräch redeten wir über seine Tochter, die ebenfalls ein Auslandssemester in der Schweiz unternommen hat und über seine Midlife Crisis, die ihn vor 15 Jahren letztendlich von Schottland nach Kanada gebracht hat und ihn tief auf Vancouver Island verwurzelt hat. Hier möchte er nie wieder weg, er hat seinen Platz mit seiner Familie gefunden und weiß, dass der Geburtsort nicht die Endstation im Leben sein muss. Eine Einstellung die ich mit ihm zustimmend teilte und gedankenverloren von diesem Gespräch in Bamfield von Board gegangen bin, um einen Spaziergang zum nächsten Strand zu unternehmen. Trotz beständigem Regen (jaa es ist der 6. Tage in Folge wo der Himmel weint…) kletterten David und ich in einer kleinen Höhle am Ufer herum und starrten in die weite Ferne des Ozeans. Lange konnten wir uns in dem verlassenen 200 Einwohner Dörfchen jedoch nicht aufhalten, da die Lady Rose bald wieder ablegen und zurück tuckern würde.
Gegen vier Uhr am Nachmittag hatten wir wieder festen Boden unter den Füßen und tauschten den auch sogleich gegen unseren fahrbaren Untersatz ein. Mit Jake ging es nun weiter nach Naniamo.
Welches unnötige Abenteuer uns bzw. mich da erwartete, berichte ich im nächsten Beitrag!






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