Zitat

"Das Leben wird nicht gemessen an der Zahl der Atemzüge, sondern an den Orten und Momenten, die uns den Atem rauben."

Samstag, 31. August 2013

Nächste Station: Kamloops


Mit einem weinenden und einem lachenden Auge startete am Sonntag meine fünfstündige Bustour nach Kamloops quer durch die wundervolle Landschaft der Rocky Mountains. Natürlich verbrachte ich die meiste Zeit der Fahrt sabbernd an der Fensterscheibe und starrte regungslos in die Ferne und Gipfel. Aber der Bus hatte auch Wifi und Steckdosen (wie geil ist das denn?) und so konnte ich parallel die Aussicht genießen, E-Mails checken und meinen Blog verfassen.

Doch all die Ablenkung half nicht gegen die immer mehr zunehmende Aufregung. Jeder Kilometer, den ich mich der 90.000 Einwohnerstadt näherte, ließ mein Herz ein unkontrolliertes Beat-Konzert veranstalten. (Heey, mein Körper und ich sollten eine Band gründen ?!) Aber warum eigentlich die ganze Nervosität? Wegen der zunehmenden Höhe? Wegen der engen und steilen Kurven? Wegen der dort lebenden Bären, Elche, Kojoten und Wölfe? Wegen des sehr heißen und trockenen Klimas und den Buschbränden? Nein – viel schlimmer!
In wenigen Minuten würde ich meine Gastfamilie treffen und Gott wer weiß wie die drauf sind. In den letzten Jahren habe ich in vielen Gastfamilien gewohnt und bis auf wenige Ausnahmen waren alle unglaublich freundlich und hilfsbereit und man hatte einfach eine gute Zeit, aber es handelte sich auch immer nur um kurze Aufenthalte. Diesmal ist hier die Rede von 4 Monaten. Das kann gut und gerne ins Auge gehen.

Aber btw. Warum eigentlich eine Gastfamilie? Schließlich bin ich doch keine 15 mehr, auch wenn das die Bier- und Sektverkäufer gerne immer noch denken… Aufgrund der folgenden Punkte fiel mir die Entscheidung dahingehend jedoch leicht:
1) ich muss mich nicht um Einkaufen und Kochen kümmern
2) ich verbessere jeden Tag mein Englisch
3) ich habe gleich von Anfang an Kontakte
4) es ist billiger als im Studentenwohnheim oder eigene Wohnung
5) auch in einer WG kann man unglaublich viel Pech mit seinen Roommates haben
6) ich erfahre das wahre und ungeschminkte Leben echter Kanadier

Okay so weit so gut, jetzt heißt es nur noch Familie finden. Ist es das ältere Pärchen mit dem Karohemd, den dicken Brillengläsern und dem Cowboyhut vorne am Ausgang? Oder doch die etwas opulenteren Herrschaften in Jogginghose und Turnschuhen auf der Bank? Nein es sind die schlanken Veganer mit dem Minihund dadrüben! Kaum hat mich die Mutter gesehen, kam gleich die Frage: „Are you Jane?“ Jaaa! „Oh hello Sweety! How are you? How was the bustour? Are you hungry or do like to rest a bit? Oh btw. I’m Christina and this is my husband Grant.” – Wow äh oke. Total geflashed von den ganzen Fragen und Eindrücken, machten wir uns gemeinsam auf den Weg nach Hause und wir haben uns sofort verstanden. Die ganze Fahrt zum Haus und beim Dinner haben wir ununterbrochen über uns und Gott und die Welt unterhalten. Wir verstanden uns auf Anhieb.
Die Mutter ist eine hyperaktive, total liebe, fürsorgliche und großartige Köchin, der Vater ein lustiger und aktiver Musiker und auch mein Gastbruder ist ein sehr angenehmer Zeitgenosse. Alle sind seit 3 Jahren vegan, musikalisch, aktiv, sportlich, unternehmungsfreudig, lustig und sind zusammen viel auf reisen. Im Großen und Ganzen eine Familie wie aus dem Bilderbuch. Sie besitzen ein großes Haus mit einem Balkon der einem eine unglaubliche Aussicht auf das Tal, die Stadt und die umliegenden Berge verschafft. Im Keller befindet sich ein extra Apartment, wo der Sohn mit einem Mitbewohner zusammen lebt. Es befinden sich ca. hundert von verschiedenen Musikinstrumenten und nahezu ein eigenes Tonstudio im Haus – zu Schade, dass ich nicht mal fähig bin Klanghölzer richtig zu benutzen. Direkt neben dem Musikraum findet man einen Billardtisch, ein Heimkino und eine eindrucksvolle Sammlung an Pfeilspitzen und historischen Steinen, Waffen und anderem alten Zeug. Man könnte hier fast ein Museum eröffnen. Für mich gibt es neben einem wunderschönen und gemütlichen Zimmer auch ein eigenes Bad mit Badewanne und Dusche.
Gekocht wird hier jeden Tag und Tofu kommt den Veganern gar nicht in die Tüte, ab und zu Soja ist für sie okay, aber die meiste Zeit gibt es Mandelmilch und Gemüse in allen möglichen Formen und ein frischer Salat aus dem Garten darf natürlich auch nicht fehlen. Es ist hier ein wahres Paradies für Pflanzenfresser – und ich hatte schon Angst, dass ich mich die ganze Zeit von Wasser und Bier ernähren muss und locker 15 Kilo mehr auf den Rippen nach Hause schleppen darf. Scheint vielleicht doch nicht der Fall zu sein, da ich mich nicht nur unglaublich gesund ernähre, sondern auch mein Laufprogramm wieder gestartet habe.
D.H.: jeden zweiten Tag laufen und das bei den Hügeln – oh mein Gott. Da dachte man joggen in Thüringen sei die Hölle, aber angesichts der Berge hier, ist Mitteldeutschland ein Witz. Eine halbe Stunde die Hügel hochkraxeln und ich atme wie ein Asthmapatient nach einem Marathon. Hoffentlich wird das noch besser, ansonsten gibt es hier je Menge Wanderwege, wovon ich einen mit der Gastmutter schon erkundet habe und wir auf einen kleineren Berg gestiegen sind, um die wundervolle Aussicht auf die Stadt zu genießen – einfach traumhaft hier! Ich werde mich mit Sicherheit hier wohl fühlen!















Achja wer mir eine Postkarte senden will oder einfach die Gegend bei Googleearth stalken möchte, hier die Adresse:

Fam. Lucas
Thor Drive 84
Kamloops, BC
V2C 6P8

Dienstag, 27. August 2013

Springen, streicheln und sprechen










Die folgenden Tage in der schönsten Stadt der Welt waren mindestens genauso schön und aufregend wie der Erste. Vancouver und ich – das ist Liebe auf den ersten Blick. Ich äußere meine Gefühl durch ein permanentes Lächeln, was mir schon etwas Muskelkater in der Mundgegend verschafft hat und die sonst so verregnete und in schaumige Wolken eingehüllte City strahlt – natürlich nur für mich – rund um die Uhr mit angenehmen 25°C (Oder auch 77° Fahrenheit). Vancouver und ich verstehen uns einfach.

Am zweiten Tag entschloss ich mich den Norden der Stadt zu erkunden und bin zum Lynn Valley Canyon gefahren. Hier gibt es eine lustige Seil-Hänge-Brücke, die so manchen nervösen Touristen ziemlich aus der Fassung bringen kann. So fies wie ich bin, lass ich mir den Spaß wegen Rücksichtnahme selbstverständlich nicht nehmen und hüpfe wie wild auf der 50m hohen Brücke rum, um dann der Gruppe kreischender Asiatinnen mit einem hämischen Grinsen zu entgegnen. Nach der todesmutigen Überquerung konnte man zur Entspannung zahlreiche kleinere und größere Wanderungen ins Hinterland unternehmen. U. a. zu den Rice Lakes und zu einem 30ft tiefen Pool. Wer also seinen Adrenalinspeicher auf der Brücke noch nicht ausreichend geleert hat, konnte noch locker lässig mit einem Backflip von den Klippen in den engen Spalt springen – so wie es einige Locals vormachten. Dummerweise befand sich meine Schwimm- und Springausrüstung im Hostel, so dass ich mich mit einer ca. 5Km Wanderungen am Wasser durch den Wald zufrieden geben musste.
Zurück in Downtown belohnte ich mich dann mit einem Quinoa-Burger in einem weiteren veganen Restaurant.

Der letzte Tag in Vancouver startete mit der Erledigung einiger organisatorischer Dinge, wie z. B. Unterlagen ausdrucken, Wörterbuch kaufen (meins liegt natürlich gemütlich in Berlin und hat Ferien) und eine kanadische Handynummer besorgen, damit ich meine Gastfamilie erreichen kann. Also ab in den nächsten Mobilephonshop und los geht’s:
Hier mein geliebtes Handy, hier haste Geld, meine ID und nen Lächeln gibt’s gratis dazu – los Telefonmensch mach mal was sinnvolles daraus. Nun ja mein strategisch vollkommen durchdachter Plan ging leider nicht auf, denn wer hätte es gedacht, aber mein wundervolles 17€ Handy aus Deutschland funktioniert in Kanada nicht. Ich hätte wohl doch einen Euro mehr investieren sollen, um eine höhere Frequenzreichweite zu haben, die auch für das Eskimoland genügt. Das heißt dann wohl neues Mobilephon kaufen… so ein Mist.
Na dann zeig mal was de so im Angebot hast… Mhm, ja, schön, sehr hübsch, aha. Und gibt’s auch etwas ohne Wisch- und Internetfunktion? Nein? Nur diese smarten Teile? Error!
Verdammt, da habe ich mich so lange gegen diese Touchdinger geweigert und ausgerechnet in Kanada muss ich mir jetzt doch so ein Grabbelteil zulegen. Ich bin natürlich nicht geizig und kaufe mir gleich den absoluten Newcomer unter den Smartphones - für umgerechnet 40€. Es heißt Samsung, mag gestreichelt werden und quiekt niedlich, wenn es vernachlässigt wird. Unter den Umständen freunde ich mich damit ja vielleicht doch noch an…

Nach dem actionreichen Vormittagsshoppen ging es wieder mit dem Seabus auf die anderen Küstenseite von Vancouver, um diesmal einen langen Spaziergang durch die Vororte zu unternehmen und dann über die Lions Gate Bridge, durch den Stanley Park zur English Bay zum Meet and Greet mit einer Falafel zum Relaxen zu gelangen. Als die Sonne sich dann wieder der anderen Seite der Welt widmete, machten der Kiwi aus dem Hostel und ich die Barszene unsicher und landeten in einem rustikalen Irish Pub. (Die gibt es auch überall auf dem Planeten, oder?) Neben grölenden Inselbewohnern quatschten der Neuseeländer und ich stundenlang über Neuseeland, Sport in Neuseeland, Reisen in Neuseeland, Filme in Neuseeland, Sehenswürdigkeiten in Neuseeland, die Leute in Neuseeland und natürlich Erdbeben. Gut möglich, dass wir auch kurz ein Wort über Kanada verloren haben, aber eigentlich orientierte sich unser Gespräch mehr in Richtung Südostpazifik. Auf dem Rückweg habe ich noch erfahren, dass ich einen leichten Kiwiakzent besitze (hihi), den auch der Wisch-Phon-Verkäufer bei mir entdeckte und mich daher versehentlich für eine Australierin oder einen Kiwi gehalten hat.
Das Grinsen darüber konnte ich mir natürlich nicht verkneifen und schlief damit ein.

Montag, 26. August 2013

The Beauty of Vancouver












Nach entspannten 8 Stunden Schlaf starte ich um 7 Uhr in den sonnigen Tag. Memo an mich: schlaflose Partynächte vor dem Abflug helfen gegen Jetlag. Hätte mir das mal jemand früher gesagt, dann hätte ich mich damals die erste Woche in Neuseeland nicht so gequält. Beim zweiten Mal ist man halt doch immer schlauer.

Zum Frühstück gab es meine geliebten Haferflocken und einen netten Plausch mit einer Kanadierin, einem Kiwi und natürlich einem Deutschen. Auch hier im Land der Elche und Streifenhörnchen sprießt die Lederhosen- und Bratwurstgesellschaft wie Pilze aus dem Boden, man entkommt den Deutschen einfach nicht, egal wie viele tausende Kilometer man reist. Ein kurzer Traveler-Smalltalk verschaffte einen guten Überblick über die Leute und die Stadt und dann ging es auch schon los zur großen Sightseeing-Tour. Die Programmpunkte Lookout, Hafenspaziergang, Fahrradtour durch den Stanleypark, Chinatown, Planschen am Strand im Sonnenuntergang und Vancouver bei Nacht wurden erfolgreich und mit einem Dauergrinsen abgearbeitet. Unglaublich wie wunderschön diese Stadt ist! Beim knapp 170 Meter hohen Lookout konnte man die einmalige Kulisse mit den majestätischen Bergen, dem endlosen Pazifikozean sowie dem saftig grünem Stanleypark genießen. Zwischen den Naturschönheiten erstreckt sich ein Meer aus gigantischen Glas- und Betonfassaden. Diese konnte man besonders gut beim Spaziergang entlang der Hafenpromenade begutachten. Das Zusammenspiel von luxuriösen Wolkenkratzern und niedlich bunten Hausbooten ist eine Mischung für sich, die den Charme der Stadt ausmacht. Man merkt hier sofort die enge Naturverbundenheit. Wie sollte es auch anders sein, wenn man unberührte und vielfältige Natur direkt vor der Haustür hat? Bestes Beispiel ist der naturbelassene und wunderschöne Stanleypark in dem man sich super verlaufen kann und mitten im Zentrum einer Millionenstadt einfach mal komplett alleine ist und vergeblich einen Gleichgesinnten sucht. Da der Park riesig ist, entschloss ich mich ein Fahrrad auszuleihen und auf diese Weise die Stadt zu erkunden. Im Vergleich zu sämtlichen Großstädten in Deutschland, ist es ein Traum hier Fahrrad zu fahren. Es gibt überall Fahrradwege und sollte es mal keine geben, sind die Straßen breit genug, um beim Fahren keine hysterischen Panikanfälle zu bekommen, dass man von einem Auto überrollt wird. Als Belohnung für die sportliche Erkundschaftung ging es zum Lunch in ein veganes Restaurant, wo ich mir eine 14 schichtige Gemüselasagne mit Wallnusstopping und einem Sauerampfersalat mit Avocadodressing und Sojakeimlingen gegönnt habe. In Chinatown bummelte ich dann etwas umher, es ist zwar der Größte in ganz Nordamerika, aber letztendlich sind alle Chinatowns irgendwie gleich. Es ist laut, bunt, dreckig und überall gibt es asiatische Läden, Restaurants und seltsame asiatische Gestalten. Dann also doch lieber zum Sunset Beach, der seinem Namen mit dem glitzernden Wasser gerecht wird. Nach einem erfischenden Plansch ging es wieder zurück zum Lookout, um die Dämmerung von oben zu beobachten. Geprägt von den vielen tollen Eindrücken machte ich mich auf den Weg zurück zum Hostel.

Es ist eine wirklich unglaubliche Stadt, kein Wunder, dass hier die höchste Lebensqualität weltweit herrscht und die Leute sehen weit weniger gestresst aus als in anderen Großstädten. Überhaupt sind alle viel lockerer und freundlicher (ah fernab vom Flughafen ist Kanada also doch lieb und sympathisch). Hier vergeben die Busfahrer einfach so kostenlose Fahrscheine. „So you have no coins anymore? No worries, I give you a lift for free.“ Auch der nette Obststandverkäufer in North Vancouver konnte irgendwie nicht aufhören mir noch mehr Obst zu schenken. „Here try one of these and these!! It’s really good. Take one more!” Naaagut wenn’s unbedingt sein muss. Vollständig mit Pflaumen, Pfirsichen, Krischen und Nektarinen beladen, beobachtete ich die sportlichen Vancouverianer bei ihren täglichen Workouts. Die einmalige Metropole am Pazifik scheint wohl einer der aktivsten der Welt zu sein (Mal von Queenstown in Neuseeland abgesehen). Wenn nicht gerade eine Horde Fahrradfahrer an einem vorbei rast, dann joggen, slacklinen, segeln, inlinern und fliegen Massen von durchtrainierten Sportfreaks um einen herum. Zwischen 16.30 und 17.30 Uhr gibt es am Hafen sogar eine Yogastunde für Lau. Aber der wohl populärste Sport hier drüben scheint mit Abstand Skifahren und Skateboarden zu sein. Nahe zu jeder, also wirklich JEDER, watschelt mit einem Skateboard in Hand rum. Dabei spielt es keine Rolle, ob es der erfolgreiche Anzugmensch, der einfache Straßenarbeiter mit Feierabendbier, ein grasrauchender Hippie oder die schickmicky Tussie von neben an ist. Einfach alle rollen hier fröhlich rum – unglaublich beeindruckend. Scheint wohl so, als wenn ich das auch noch lernen muss...

Sonntag, 25. August 2013

Aller Anfang ist schwer und aufregend



Wir schreiben den 21. August 2013 um 6 Uhr am Hauptbahnhof in Berlin Gleis 8. Jane steht mit ihren besten Freunden Anne und Alex am Gleis und es kommt kein Zug. Super Start in den Tag. Nachdem Anne und ich die ganze Nacht nicht geschlafen haben, da ich natürlich auf den letzten Drücker noch Sachen packen musste, waren wir etwas übermüdet und genervt, als der komplette Bahnsteig menschenleer war. Wieso zum Teufel kommt jetzt bitte die blöde Bahn nach Frankfurt nicht? Selbstverständlich informiert keine einzige Anzeige über den Zugausfall und überhaupt wo sind alle Menschen hin? In voller Panik, dass wir am falschen Bahnsteig sind, rennen Anne, Alex und ich quer durch den ganzen Bahnhof in der Hoffnung den Zug doch noch irgendwie und irgendwo zu kriegen. Macht ein Riesenspaß mit ca. 20 Kilo Gepäck auf dem Rücken. Unwesentlich von der Anstrengung durchnässt, fanden wir dann doch einen Infoschalter und ich schnaufte dem Bahnfutzi total unkontrolliert entgegen wo mein Zug denn sei. „Der Zug 1091 nach Frankfurt? Ja der ist schon weg.“ Wie der ist schon weg? Der sollte um 6.08 Uhr erst los fahren. „Ja das wurde wegen dem Hochwasser geändert, der ist schon seit 4.30 Uhr auf dem Weg nach Frankfurt.“ Schön, dass auf die DB verlass ist, jetzt kommen die Züge nicht mehr zu spät, sondern zu früh – auch gut. Vielleicht sollte jemand den DB Leuten sagen, dass man mit verfrühten Zügen die Verspätungen der letzten Jahre nicht sinnvoll kompensieren kann, aber vielleicht kommen die ja auch noch selbst drauf… Wenigstens wurde schnell eine Lösung gefunden und mit 2 Stunden Verspätung kamen Alex und ich dann doch noch in Frankfurt an. Gut dass ich einen 3 Stunden Puffer eingeplant habe – werde ich jetzt immer machen! Btw. Ist das Hochwasser nicht schon 6 oder 8 Wochen her?

Total übermüdet, aber glücklich haben wir es dann doch noch rechtzeitig zum Flughafen geschafft. Also nur noch schnell in den Flieger und los geht’s. Soweit die Theorie… In Wirklichkeit sah es so aus, dass es gefühlt quer durch den gesamten Terminal eine Schlage zum Check-In gab. Geduldiges Warten änderte die Zeit leider auch nicht und so kam schon die Ansage zum Boarding. Super und ich steh noch in der Schlage, die eine Rekordgeschwindigkeit von 1cm/15 min aufweist. Glücklicherweise wurden alle Vancouverreisenden nun separat aufgerufen und einzeln abgefertigt. Juhu ich schaff meinen Flug vielleicht doch noch, wenn nicht die freundliche Dame am Schalter mir die letzte Hoffnung nimmt. „Oh du hast gar kein Rückflugticket von Kanada aus, ich glaub ich kann dich unter den Umständen nicht einreisen lassen.“ Die Holzfäller und Bärenjäger da drüben scheinen wohl sehr streng mit ihren Einreisebestimmungen zu sein, sodass man wirklich nur 6 Monate da sein darf und unbedingt ein Rückflugticket braucht. Mhm blöd ich hab nur eins aus New York, reicht das nicht? „Mhm eigentlich nicht“ Nach langem hin und her und überlegen und ständigem irgendwas in den Pc hacken, gab mir die Schalterdame dann doch endlich das Okay mit dem Hinweis, dass ich ganz lieb Lächeln soll in Vancouver und mich evtl. auf einen längeren Transitaufenthalt freuen darf. Abenteuerurlaub auf die besondere Art also, scheint ja auch irgendwie ein Trend zu sein, wenn man sich mal Snowdens Urlaubspläne so anguckt. Wie dem auch sei, auf dem letzten Drücker habe ich es dann doch noch in den Flieger geschafft – Kanada ich komme also doch!



Der 10 Stunden Flug war super, ungewöhnlich ruhig und neben mir saß ein 17jähriger Junge aus der Ukraine, nach kurzem Schnack auf russisch, stellte sich raus, dass er auch ein Auslandssemester in Kamloops unternimmt. Sehr cool, so hab ich schon mal den ersten Kontakt geknüpft. In Vancouver trennten sich jedoch unsere Wege, da er seinen nächsten Flug kriegen musste. Ich hingegen bereitete mich schon mental auf die bequemen Transitstühle zum Schlafen vor und befolgte den Tipp mit dem Lächeln. Bei der Passkontrolle wurde ich dann mit Fragen durchlöchert: Was willst du hier? Wie viel Geld hast du dabei? Warum studierst du nicht woanders? Wann haust du wieder ab? Scheint so als hätten die Kanadier nicht wirklich Bock auf Touristen. Nach dem mir noch kurz mit einem Gefängnisaufenthalt gedroht wurde, musste ich mit einem Fingercross versprechen, dass ich nach genau 6 Monaten Kanada auch wirklich verlassen würde und dann durfte ich passieren – Halleluja! Wer hätte gedacht, dass die Einreise so eine schwere Geburt werden würde und da dachte man die Kiwis wären streng.



Erschöpft aber total glücklich schnupperte ich die erste frische Vancouverluft. Ortszeit war 17 Uhr und strahlender Sonnenschein. Ich genoss die Fahrt zum Hostel und entschloss mich den aufregenden Tag im Bett ausklingen zu lassen.