Zitat

"Das Leben wird nicht gemessen an der Zahl der Atemzüge, sondern an den Orten und Momenten, die uns den Atem rauben."

Sonntag, 25. August 2013

Aller Anfang ist schwer und aufregend



Wir schreiben den 21. August 2013 um 6 Uhr am Hauptbahnhof in Berlin Gleis 8. Jane steht mit ihren besten Freunden Anne und Alex am Gleis und es kommt kein Zug. Super Start in den Tag. Nachdem Anne und ich die ganze Nacht nicht geschlafen haben, da ich natürlich auf den letzten Drücker noch Sachen packen musste, waren wir etwas übermüdet und genervt, als der komplette Bahnsteig menschenleer war. Wieso zum Teufel kommt jetzt bitte die blöde Bahn nach Frankfurt nicht? Selbstverständlich informiert keine einzige Anzeige über den Zugausfall und überhaupt wo sind alle Menschen hin? In voller Panik, dass wir am falschen Bahnsteig sind, rennen Anne, Alex und ich quer durch den ganzen Bahnhof in der Hoffnung den Zug doch noch irgendwie und irgendwo zu kriegen. Macht ein Riesenspaß mit ca. 20 Kilo Gepäck auf dem Rücken. Unwesentlich von der Anstrengung durchnässt, fanden wir dann doch einen Infoschalter und ich schnaufte dem Bahnfutzi total unkontrolliert entgegen wo mein Zug denn sei. „Der Zug 1091 nach Frankfurt? Ja der ist schon weg.“ Wie der ist schon weg? Der sollte um 6.08 Uhr erst los fahren. „Ja das wurde wegen dem Hochwasser geändert, der ist schon seit 4.30 Uhr auf dem Weg nach Frankfurt.“ Schön, dass auf die DB verlass ist, jetzt kommen die Züge nicht mehr zu spät, sondern zu früh – auch gut. Vielleicht sollte jemand den DB Leuten sagen, dass man mit verfrühten Zügen die Verspätungen der letzten Jahre nicht sinnvoll kompensieren kann, aber vielleicht kommen die ja auch noch selbst drauf… Wenigstens wurde schnell eine Lösung gefunden und mit 2 Stunden Verspätung kamen Alex und ich dann doch noch in Frankfurt an. Gut dass ich einen 3 Stunden Puffer eingeplant habe – werde ich jetzt immer machen! Btw. Ist das Hochwasser nicht schon 6 oder 8 Wochen her?

Total übermüdet, aber glücklich haben wir es dann doch noch rechtzeitig zum Flughafen geschafft. Also nur noch schnell in den Flieger und los geht’s. Soweit die Theorie… In Wirklichkeit sah es so aus, dass es gefühlt quer durch den gesamten Terminal eine Schlage zum Check-In gab. Geduldiges Warten änderte die Zeit leider auch nicht und so kam schon die Ansage zum Boarding. Super und ich steh noch in der Schlage, die eine Rekordgeschwindigkeit von 1cm/15 min aufweist. Glücklicherweise wurden alle Vancouverreisenden nun separat aufgerufen und einzeln abgefertigt. Juhu ich schaff meinen Flug vielleicht doch noch, wenn nicht die freundliche Dame am Schalter mir die letzte Hoffnung nimmt. „Oh du hast gar kein Rückflugticket von Kanada aus, ich glaub ich kann dich unter den Umständen nicht einreisen lassen.“ Die Holzfäller und Bärenjäger da drüben scheinen wohl sehr streng mit ihren Einreisebestimmungen zu sein, sodass man wirklich nur 6 Monate da sein darf und unbedingt ein Rückflugticket braucht. Mhm blöd ich hab nur eins aus New York, reicht das nicht? „Mhm eigentlich nicht“ Nach langem hin und her und überlegen und ständigem irgendwas in den Pc hacken, gab mir die Schalterdame dann doch endlich das Okay mit dem Hinweis, dass ich ganz lieb Lächeln soll in Vancouver und mich evtl. auf einen längeren Transitaufenthalt freuen darf. Abenteuerurlaub auf die besondere Art also, scheint ja auch irgendwie ein Trend zu sein, wenn man sich mal Snowdens Urlaubspläne so anguckt. Wie dem auch sei, auf dem letzten Drücker habe ich es dann doch noch in den Flieger geschafft – Kanada ich komme also doch!



Der 10 Stunden Flug war super, ungewöhnlich ruhig und neben mir saß ein 17jähriger Junge aus der Ukraine, nach kurzem Schnack auf russisch, stellte sich raus, dass er auch ein Auslandssemester in Kamloops unternimmt. Sehr cool, so hab ich schon mal den ersten Kontakt geknüpft. In Vancouver trennten sich jedoch unsere Wege, da er seinen nächsten Flug kriegen musste. Ich hingegen bereitete mich schon mental auf die bequemen Transitstühle zum Schlafen vor und befolgte den Tipp mit dem Lächeln. Bei der Passkontrolle wurde ich dann mit Fragen durchlöchert: Was willst du hier? Wie viel Geld hast du dabei? Warum studierst du nicht woanders? Wann haust du wieder ab? Scheint so als hätten die Kanadier nicht wirklich Bock auf Touristen. Nach dem mir noch kurz mit einem Gefängnisaufenthalt gedroht wurde, musste ich mit einem Fingercross versprechen, dass ich nach genau 6 Monaten Kanada auch wirklich verlassen würde und dann durfte ich passieren – Halleluja! Wer hätte gedacht, dass die Einreise so eine schwere Geburt werden würde und da dachte man die Kiwis wären streng.



Erschöpft aber total glücklich schnupperte ich die erste frische Vancouverluft. Ortszeit war 17 Uhr und strahlender Sonnenschein. Ich genoss die Fahrt zum Hostel und entschloss mich den aufregenden Tag im Bett ausklingen zu lassen.

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