Nach entspannten 8 Stunden Schlaf starte ich um 7 Uhr in den
sonnigen Tag. Memo an mich: schlaflose Partynächte vor dem Abflug helfen gegen
Jetlag. Hätte mir das mal jemand früher gesagt, dann hätte ich mich damals die
erste Woche in Neuseeland nicht so gequält. Beim zweiten Mal ist man halt doch
immer schlauer.
Zum Frühstück gab es meine geliebten Haferflocken und einen
netten Plausch mit einer Kanadierin, einem Kiwi und natürlich einem Deutschen.
Auch hier im Land der Elche und Streifenhörnchen sprießt die Lederhosen- und
Bratwurstgesellschaft wie Pilze aus dem Boden, man entkommt den Deutschen
einfach nicht, egal wie viele tausende Kilometer man reist. Ein kurzer
Traveler-Smalltalk verschaffte einen guten Überblick über die Leute und die
Stadt und dann ging es auch schon los zur großen Sightseeing-Tour. Die
Programmpunkte Lookout, Hafenspaziergang, Fahrradtour durch den Stanleypark,
Chinatown, Planschen am Strand im Sonnenuntergang und Vancouver bei Nacht
wurden erfolgreich und mit einem Dauergrinsen abgearbeitet. Unglaublich wie
wunderschön diese Stadt ist! Beim knapp 170 Meter hohen Lookout konnte man
die einmalige Kulisse mit den majestätischen Bergen, dem endlosen Pazifikozean
sowie dem saftig grünem Stanleypark genießen. Zwischen den Naturschönheiten
erstreckt sich ein Meer aus gigantischen Glas- und Betonfassaden. Diese konnte
man besonders gut beim Spaziergang entlang der Hafenpromenade begutachten. Das
Zusammenspiel von luxuriösen Wolkenkratzern und niedlich bunten Hausbooten ist
eine Mischung für sich, die den Charme der Stadt ausmacht. Man merkt hier sofort
die enge Naturverbundenheit. Wie sollte es auch anders sein, wenn man
unberührte und vielfältige Natur direkt vor der Haustür hat? Bestes Beispiel
ist der naturbelassene und wunderschöne Stanleypark in dem man sich super
verlaufen kann und mitten im Zentrum einer Millionenstadt einfach mal komplett
alleine ist und vergeblich einen Gleichgesinnten sucht. Da der Park riesig ist,
entschloss ich mich ein Fahrrad auszuleihen und auf diese Weise die Stadt zu
erkunden. Im Vergleich zu sämtlichen Großstädten in Deutschland, ist es ein
Traum hier Fahrrad zu fahren. Es gibt überall Fahrradwege und sollte es mal
keine geben, sind die Straßen breit genug, um beim Fahren keine hysterischen
Panikanfälle zu bekommen, dass man von einem Auto überrollt wird. Als Belohnung
für die sportliche Erkundschaftung ging es zum Lunch in ein veganes Restaurant,
wo ich mir eine 14 schichtige Gemüselasagne mit Wallnusstopping und einem
Sauerampfersalat mit Avocadodressing und Sojakeimlingen gegönnt habe. In
Chinatown bummelte ich dann etwas umher, es ist zwar der Größte in ganz
Nordamerika, aber letztendlich sind alle Chinatowns irgendwie gleich. Es ist
laut, bunt, dreckig und überall gibt es asiatische Läden, Restaurants und
seltsame asiatische Gestalten. Dann also doch lieber zum Sunset Beach, der
seinem Namen mit dem glitzernden Wasser gerecht wird. Nach einem erfischenden
Plansch ging es wieder zurück zum Lookout, um die Dämmerung von oben zu beobachten.
Geprägt von den vielen tollen Eindrücken machte ich mich auf den Weg zurück zum
Hostel.
Es ist eine wirklich unglaubliche Stadt, kein Wunder, dass
hier die höchste Lebensqualität weltweit herrscht und die Leute sehen weit
weniger gestresst aus als in anderen Großstädten. Überhaupt sind alle viel
lockerer und freundlicher (ah fernab vom Flughafen ist Kanada also doch lieb
und sympathisch). Hier vergeben die Busfahrer einfach so kostenlose
Fahrscheine. „So you have no coins anymore? No worries, I give you a lift for
free.“ Auch der nette Obststandverkäufer in North Vancouver konnte irgendwie
nicht aufhören mir noch mehr Obst zu schenken. „Here try one of these and these!! It’s really
good. Take one more!” Naaagut wenn’s unbedingt sein muss. Vollständig
mit Pflaumen, Pfirsichen, Krischen und Nektarinen beladen, beobachtete ich die
sportlichen Vancouverianer bei ihren täglichen Workouts. Die einmalige
Metropole am Pazifik scheint wohl einer der aktivsten der Welt zu sein (Mal von
Queenstown in Neuseeland abgesehen). Wenn nicht gerade eine Horde Fahrradfahrer
an einem vorbei rast, dann joggen, slacklinen, segeln, inlinern und fliegen
Massen von durchtrainierten Sportfreaks um einen herum. Zwischen 16.30 und
17.30 Uhr gibt es am Hafen sogar eine Yogastunde für Lau. Aber der wohl
populärste Sport hier drüben scheint mit Abstand Skifahren und Skateboarden zu
sein. Nahe zu jeder, also wirklich JEDER, watschelt mit einem Skateboard in
Hand rum. Dabei spielt es keine Rolle, ob es der erfolgreiche Anzugmensch, der
einfache Straßenarbeiter mit Feierabendbier, ein grasrauchender Hippie oder die
schickmicky Tussie von neben an ist. Einfach alle rollen hier fröhlich rum –
unglaublich beeindruckend. Scheint wohl so, als wenn ich das auch noch lernen
muss...
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