Leider spinnt die Blogspot Internetseite etwas, deswegen muss ich die fehlenden Fotos vom letzten Blog hier posten. Viel Freude also beim Gucken der Kanu und Gondola Bilder :)
Zitat
"Das Leben wird nicht gemessen an der Zahl der Atemzüge, sondern an den Orten und Momenten, die uns den Atem rauben."
Montag, 30. September 2013
Get outta Town - Tag 2
Den zweiten Tag stand ein bisschen mehr Tourizeugs auf dem
Programm. Feli und ich hatten im Hostel einen Flyer entdeckt mit einem super
Angebot. Für 80$ würden wir einen Pferdeausritt am Fluss haben, ein Kanu für
eine Stunde mieten und mit der Banff-Gondola einen traumhaften Blick auf den
Ort und Umgebung von oben haben. Nach kurzer Überzeugung der männlichen
Gesellschaft, konnten wir das Schnäppchen in Angriff nehmen und gleich am
Morgen den Sattel spannen.
Mit einer überaus kommunikativen und freundlichen
Pferdeflüsterin hatten wir eine schöne Reittour durch Wald und Wiese, stets das
tolle Bergpanorama vor Augen. Mein Pferd Jessi hat jedoch einige
Geschwindigkeitsprobleme. Vielleicht war er noch verschlafen oder hatte eine
wilde Nacht hinter sich, aber jedenfalls ließ er sich immer wieder zurück
fallen und ich musste ihn in regelmäßigen Abständen in Trab bringen, damit wir
den Anschluss nicht verlieren würden. Schritt halten schien einfach unmöglich. Durch
das ständige auf und ab wurde es zumindest nicht langweilig, aber das ist bei
der gewaltigen Natur sowieso so gut wie ausgeschlossen.
Nach einer Stunde machte sich dann der Muskelkater von der
Wanderung bemerkbar und es war Zeit sich von den sanften Pferdetierchen zu
verabschieden und zur anderen Seite der Stadt zu fahren, um gemütlich am Bow
River Mittag zu essen. Auf einem Parkplatz angekommen, sind wir ziellos in das
kleine Wäldchen nebenan gegangen und haben die üblichen Touristenpfaden
verlassen. Wie so oft, kommt man dadurch an die Besten Plätze. Direkt oberhalb
der Bow Falls haben wir eine idyllische Stelle zum Essen gefunden und hatten
den ganzen Aussichtspunkt für uns alleine, da auf der anderen Seite sich die
offizielle Aussichtsplattform befand. Auf diese Weise konnten wir die in Bussen
anreisenden Touristenscharren beobachten, wie sie sich gegenseitig den Platz
wegtrampelten und ich könnte schwören, dass wir so einige neidische Blick
empfangen haben.
Nach dem obligatorischen Butterbrot hieß die nächste Station
Kanuverleih. Blöd nur, dass genau jetzt das sonnige Wetter gegen ein kalt
regnerisches Wolkengemisch eingetauscht wurde und dummerweise gab es keine
überdachten Kanus. (Sollte vielleicht Mal jemand erfinden?!) Also brauchten wir
eine Alternative und was ist nahe liegender als bei Regen und Wind an den See
zu fahren? Kind und Kegel oder auch Europäer und Bier eingepackt und ab zum
Lake Minnewanka, welcher sich nicht unweit von Banff nördlich entlang des
Highway One befindet. Mit der Hoffnung, dass der Regen aufhören würde nach der
20 Minuten Fahrt kamen wir etwas frustriert über die Wolkenlage am kühlen Nass
an. Der Regen hielt sich zum Glück in Grenzen also kann man ruhig mal Spazieren
gehen am Ufer. Das Positive: alle 0-8-15 Weicheitouristen haben sich in ihre
Luxuswohnwagen und Tee-Apartments verzogen und somit viel Platz für uns
gelassen – großartig um ein bisschen die wilde Sau raus zu lassen und ganz
obsessiv den malerischen Blick übers Wasser nur für sich zu beanspruchen.
Einige Regenbilder und durchnässte Klamotten später, als wir schon dabei waren
umzukehren, tauchte plötzlich so ein hell leuchtendes rundes Ding am Himmel auf
und erhellte die gesamte Gegend, so dass jeder Wassertropfen eine traumhafte
Glitzer-Reflektion (Neologismus?!) ergab. Unter diesen leuchtenden Umständen
verweilten wir doch etwas länger am See und alberten fröhlich herum.
Voller Vorfreude auf die Kanufahrt machten wir uns langsam
auf den Weg zurück, als genau in dem Moment der Starkregen einsetzte – Neeeein,
Mist! Wir haben das trockene Zeitfenster am See vertrödelt und nun müssen wir
im Kanu ertrinken. Aber Gott sei Dank oder besser gesagt Baguette sei Dank,
hatten die Franzosen eine geniale Idee. Während wir traurig die beschlagenen
Fenster mit Sonnensymbolen bemalten und stets meckerten wie doof das doch alles
ist, startete Stéphane den Wortwechsel:
Stéph: „We
have to do the Sun dance!“
David:
“Yeah agreed! Shall we do it now?”
Stéph: “Of course!”
Stéph: “Of course!”
David:
“Okay, Feli stop the car!!”
Feli: “What?”
Stéph: “Stop the car! Immediately!”
Feli: “What?”
Stéph: “Stop the car! Immediately!”
-
Starke Bremsung mit Reifenquietschen –
David:
“Get all out of here!”
Feli: “What? We are in the middle of the road, we can’t stay here!”
Feli: “What? We are in the middle of the road, we can’t stay here!”
Stéph:
“Sure we can, it’s canada – nobodys is here”
-
und schon waren Stéph und David
draußen und winkten uns hysterisch zu –
„Oh man, are you kidding?“
Etwas verwirrt folgten wir den Franzosen und
stellten uns alle in den Regen hinter das Auto. Und nun? Klarer Fall, jetzt
wird getanzt! Wir standen in einer Linie und Stéph gab den Ton an. Irgendwelche
merkwürdigen Geräusche und Anleitung spezifische Bewegungen auszuführen
leiteten den Tanzakt. Da standen wir also nun, mitten auf der Straße,
durchnässt vom Regen, im Kreis hüpfend, mit den Armen wendelend und die Sonne
rufend. Das muss unglaublich dämlich ausgesehen haben! Die verstörten Blicke
des vorbeifahrenden Autos bestätigten das, aber wir durften nicht aufhören, wir
mussten den gesamten Tanz zu Ende bringen, ansonsten wirkt er nicht. Weiter
hüpfen, weiter wedeln und zum Schluss ein freudiges Brüllen und gemeinsamen
High-Fiven und zurück ins Auto, als wenn nichts gewesen wäre. Gespannt schauten
wir in den Himmel.
„Mhm… are you really sure this will work? I think I’m still seeing lots
of grey over there.“
“No worries, give it some time and I promise you in 20 minutes there’ll
be the sun – trust me!”
Naja uns blieb ja auch nichts anderes übrig.
Als wir beim Kanuverleih waren hat es aufgehört zu regnen und als wir uns mit
Schwimmwesten und Proviant versorgten kam doch tatsächlich die Sonne raus. „20
minutes, I told you so guys“ Dieser Tanz bewirkt also wirkliche Wunder und all
die Jahre dachten wir, man muss den Teller aufessen, um gutes Wetter zu
kriegen. Hätte das Mal jemand früher gesagt, dann hätten wir jetzt anstatt
übergewichtiger Kinder, agile Tanzgurus.
Auf dem Wasser ließen wir es sanft angehen
und schipperten locker vor uns hier und genossen die friedliche Stille und das
beeindruckende Naturzimmer. Nach der sportlichen Wasseraktivität stand nun der
letzte Tagesordnungspunkt auf dem Plan. Schön bei Sonnenuntergang wollten wir
Banff von oben bestaunen, doch leider machten uns die Wolken einen Strich durch
die Rechnung. Mal von der klirrenden Kälte und den stürmischen Windböen auf dem
Gipfel abgesehen, konnten wir jedoch auch ohne Sonne den Blick aufs Tal
genießen und die Seele hoch über den Bäumen und Gewässern baumeln lassen.
Zum Abschluss des tollen Tages suchten wir
ein nettes Plätzchen zum Abendessen, was jedoch eine Herausforderung
darstellte, da wir etwas durchgefroren und seeehr hungrig nicht wirklich fähig
waren eine gescheite Entscheidung über das Restaurant zu treffen.
„Wie wär’s mit der Kneipe dort und einigen
Burgern?“ „Oh nein nicht schon wieder Fast Food.“
„Uh da ist ein toller Mexikaner!“ „Och nöö..
ich hab gerade nicht so Appetit auf scharfes Essen.“
„Let’s go ins Steak House.“ „Mhm… klingt nicht wirklich veganer
freundlich…“
Nach endlosem Hin und Her und dem schweren
Weg einen Kompromiss für alle zu finden, hatten wir endlich einen netten
Italiener gefunden – juhu Essen! Pustekuchen… Die Wartezeit für einen freien
Tisch betrug 40 Minuten, bis dahin wären wir alle verhungert! Also weiter
suchen und auch in der nächsten Location mussten wir ganze 30 Minuten warten
bevor wir einen Tisch kriegen würden. Mit zunehmender Lauferei und Absagen
reduzierten sich die Ansprüche proportional. Aber weder in der Fast Food
Kneipe, beim Mexikaner oder im Steak House, haben wir einen Platz bekommen.
Letzte Notlösung: Flüssignahrung! Und so machten wir unseren Weg zum guten Tommy’s
Neigborhoods Pub, um den Hunger in Bier zu ertränken, aber
glücklicherweise konnten wir auch leckere Bürger, Pasta und Salat bestellen.
Danke Tommy.
Mit gefüllten Mägen und zufriedenen
Gesichtern trafen wir noch Callnna im nächsten Pub und ließen den Abend mit ihm
und seinem anderen Kiwi Freund ausklingen, bevor es zum Träumen ins Auto ging.
Donnerstag, 26. September 2013
Get outta Town - Tag 1
Wie versprochen gibt es jetzt den Bericht über unseren
Wochenendtrip nach Banff. Weil ihr natürlich alle fleißig recherchiert habt,
könnt ihr euch sicher vorstellen, dass es eine Menge vorort zu sehen gab und
daher stellt euch am Besten einen Pipi-Eimer neben den Stuhl, holt etwas
Proviant und setzt die Lesebrille auf – dies wird ein laaaaaanger Blogeintrag.
Wir schreiben Donnerstag den 19. September 2013, wo eine
europäische Gruppe ihren Weg zum ältesten Nationalpark Kanadas startete. Diesmal
waren jedoch nur drei Nationen vertreten. Zum einen die Franzosen David und
Stéphane, der bekannte Schweizer Mathias und die Kartoffelfraktion Felizitas
und Jane. Zu fünft ging es mit einem Mietwagen durch insgesamt 4 Nationalparks
direkt am Highway One ins Herz der Rocky Mountains, wo ein faszinierendes
Wunderwerk der Natur auf uns wartete. Stets begleitet vom sonnigen Wetter, war
allein schon die Autofahrt ein einzige landschaftliche Augenweide und jeder
einzelne von uns klebte förmlich an der Fensterscheibe und gab in regelmäßigen
Abständen ein begeistertes „Ahhh“, „Ooooh“ und „Wow“ von sich.
Zahlreiche Blödeleien und Autospiele, 100 unscharfe Fotos
von der Fensterscheibe, 6 Stunden Fahrt und eine Zeitzone später, sind wir
Abends um 9 Uhr endlich im Naturschutzgebiet mit dem beschaulichen, leider aber
auch sehr touristischen Örtchen „Banff Town“ angekommen. Umgeben von
majestätischen Bergketten und zahllosen tiefblauen Gewässern gehört Banff Town
wohl zu einer der schönsten Städtchen in ganz Kanada. Da wir jedoch in der
Nacht erst anreisten ließ uns die Wolkendecke in Kombination mit der Dunkelheit
nicht viele Möglichkeiten zum Bestaunen. Unterschiede zu Kamloops sind uns aber
trotzdem mehr als aufgefallen, nicht nur dass wir um eine Stunde älter wurden,
wir haben auch einen rekordverdächtigen Temperatursturz erlebt. Während wir in
der Mittagssonne in der Kamloops-Wüste bei ca. 27°C in Shorts und T-Shirt die Bedienungsanleitung
der Klimaanlage des Autos studierten, erlebte ich in Banff mein blau-frostiges
Wunder als ich meine nackten Beinchen und Ärmchen in die 1°C kalte Nacht streckte. Uh das nenne
ich Mal einen schnellen Jahreszeitenwechsel! Das ist dann wohl der berühmte
kanadische Aha- oder auch Brrr-Effekt. Also schnell in die nächste Kneipe zum
Aufwärmen und Abendessen. Jedoch war unser Aufwärm-Tee Bier, unsere Suppe
Pommes und die sorgsame Mutter mit der Wolldecke der Kiwi Callman, welchen ich
in Vancouver kennengelernt hatte. Da er seit ca. zwei Wochen in Banff arbeitet,
kennt er sich mittlerweile gut mit dem Leben in den Bergen aus. So klärte er
uns auf, dass zwei Tage zuvor der erste Schnee gefallen ist und nachts
Minusgrade nicht unwahrscheinlich sind. Okaaaay… Memo an mich: nie wieder
Sachen für einen Kanadatrip packen, wenn man nebenbei aus dem Fenster auf den
sonnigen Strand guckt und dabei den Schal und die Handschuhe ohne schlechtes
Gewissen wieder zurück in den Schrank packt. „Aaach immer diese Übertreibung,
hier ist es doch gar nicht so kalt wie immer alle sagen!“ Naja wenigstens hatte
ich meine Mütze dabei und die kam auch reichlich zum Einsatz.
Nach dem gemütlichen Ankomm-Abend in Tommy’s Neigborhoods
Pub, verabschiedeten wir uns vom lustigen Kiwi und hüpften in unser warmes
Hostelzimmer oder in meinem Fall ins nette Auto mit muckeliger Außentemperatur.
Ja im Gegensatz zu den Anderen tauschte ich das obligatorische Doppelstockbett
aus dem Buget-Hotel gegen den gemütlichen Autositz und einen Schlafsack ein.
Das hatte zwei Gründe:
Zum Einen wollte ich etwas Geld einsparen, da die Preise für
die Schulbücher hier extrem sind - für drei Bücher musste ich insgesamt schon
400$ ausgeben!!! Bei 35$ pro Nacht im Hostel, macht das bei drei Nächten im
Auto eine Ersparnis von 105$.
Zum Anderen liebe ich das Abenteuer und da ich fast den
gesamten Neuseelandaufenthalt im Auto genächtigt habe, bin ich mehr als gut
vorbereitet.
Aber ja, vielleicht hat in dem Fall der finanzielle Aspekt
eine höhere Gewichtung für diese Entscheidung gehabt. Wie auch immer: ab ins
Auto, Schlafsack zu, Mütze auf und gute Nacht.
Der nächste Morgen begann frostig, aber sonnig. Mühsam
quälte ich mich aus dem warm-lauschigen Schlafsack, um mich anzuziehen und
fertig zu machen für den Tag. Das unglaubliche Bergpanorama und die frische
Luft, welche mich beim Aufwachen fröhlich begrüßten, machten das Aufstehen
jedoch zu einem angenehmen Erlebnis. Mein Badezimmer befand sich nur wenige
Schritte entfernt. Direkt am Bow River konnte ich mich waschen und beim
Zähneputzen die Vögel und Streifenhörnchen bei der Nahrungssuche beobachten.
Viel besser als ein fensterloses, kleines Badezimmer mit 9 fremden Personen im
Mehrbettzimmer zu teilen. Und die Kälte? Die wurde einfach ignoriert.
Als die Anderen zum Auto kamen ging es gemeinsam zum ca.
eine halbe Stunde entfernten Lake Louise. Hier würden wir den gesamten sonnigen
Tag mit einer landschaftlich eindrucksvollen Wanderung verbringen.
Angefangen beim Moraine Lake im Ten Peaks Valley sollte ein ca.
19 Kilometer
langer Wanderweg uns über den Bergpass „Sentinel Pass“ durchs Paradise Valley
zum Lake Louise führen. Und so startete unser Marsch beim eindrucksvollen See,
dessen Wasseroberfläche glatt wie ein Spiegel war und wo die Sonne langsam ihre
wärmenden Strahlen zwischen den zehn Berggipfeln hindurch schlängelte.
Motiviert durch dieses eindrucksvolle Bild gingen wir durch einen dichten Wald
immer bergauf, bis wir zur Vegetationsgrenze bei ca. 2200 Meter angelangt waren und einen
Teil der ersten Etappe mit einem atemberaubenden Ausblick auf das Ten Peaks
Valley (Zehn Gipfel Tal) belohnt wurden. Wolkenloser Himmel, vereinzelte kleine
Bergseen und die allmählich ins Gelb färbenden Baumblätter ergaben mit den
schneebedeckten Bergspitzen und Gletschern ein unvergleichbares Bild. Bei
diesem Panorama wundert es nicht, dass wir diverse Pinkel-, Ess- und
selbstverständlich Fotopausen einlegten. So gern wir hier den Rest unseren
Lebens verbringen wollten, wollten und mussten wir auch weiter gehen, denn die
nächste Etappe war schon zu sehen: Der Sentinel Pass. Den Weg dorthin bespaßten
wir uns mit einer kleinen Schneeballschlacht und netten Unterhaltungen mit
kanadischen Hardcore-Wanderern, die anscheint den ganzen Tag nichts anderes
tun, als die umliegende Natur zu Fuß zu erkunden.
Der Aufstieg war wesentlich steiler und wurde zudem durch
rutschiges Geröll erschwert, aber mit dem Ziel fest vor Augen schnauften wir
uns alle erfolgreich zum höchsten Punkt des Wanderweges hinauf und die Mühe war
es alle Mal wert. Für diesen grandiosen Ausblick gibt es nicht genügend Worte
um es angemessen zu beschreiben, auch ein Foto kann diese Schönheit nicht wirklich
einfangen. Daher verweilten wir fast eine gesamte Stunde oben, um uns zu
stärken und so viel wie möglich des unglaublichen Panoramas einzusaugen. Aber
eins kann euch sagen, das Lunchpaket auf der Mitte einer Gesteinsformation mit
dem Paradise Valley zur linken und dem Ten Peaks Valley zur rechten Seite zu
verspeisen, macht die kalte Stulle zu einem ganz besonderen Geschmackserlebnis!
Nichtsdestotrotz musste es weiter gehen. An dieser Stelle
trennten sich jedoch die Wege unserer europäischen Gruppe. Da Stéphane einige
Knieprobleme beklagte, entschiedenen er und David zurück zum Ausgangspunkt zu
gehen, weil der Weg dorthin wesentlich kürzer war. Also blieben nur noch Feli,
Mathias und ich übrig. Ungewohnterweise stellte dies jedoch ein Problem dar, da
laut Visitor Center man zumindest eine Gruppe aus vier Personen sein sollte, um
durchs Paradiese Valley zu gehen. Nicht dass es auf 2600 Höhenmeter irgend eine
Art Kontrolle geben würde, aber der Grunde für diese Mindestzahl an Personen
war die hohe Bärenaktivität zu dieser Jahreszeit im Tal und laut mehrerer
Studien ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Bär eine große Gruppe angreift,
geringer als eine kleine Wandergruppe – vor allem wenn diese aus zwei Mädchen
besteht. (zwei X Chromosome schmecken halt einfach besser) So schön der Ort zum
Sterben auch ist, so richtig scharf auf die Innenperspektive eines Bärenmagens
waren wir dann doch nicht. Glücklicherweise trafen wir auf die zuvor
getroffenen kanadischen Wanderer und so kanadisch wie ihr Blut war, nahmen sie
uns gerne in ihre heitere Wandergruppe auf. Mit nun insgesamt sieben Personen
und dem beruhigten Gewissen, dass sich jeder Bär in die Hose machen würde,
machten wir uns auf den weiteren Weg.
Die Kanadier waren ein lustiges Gemisch aus einem hyperaktiven
Mike, einem mit doppelter Staatsbürgerschaft besitzenden Neuseeländer (war ja
klar… wieder ein Kiwi und ich dachte immer die können nicht fliegen?!), dem
Extremsportler Chuck, der ganze !!!9!!! Mal einen Ironman gelaufen ist (einen
davon sogar in Deutschland) und dem Arzt Curtis, der für jeden Notfall
vorbereitet war. Auf dem langen restlichen Weg erzählten sie uns unterhaltsame
Geschichten von Begegnungen mit Bären, spannenden Wanderausflügen, großen
Reiseerlebnissen und nahezu unmöglichen Sportwettkämpfen. Auf diese Weise vergingen
die restlichen 3, 5 oder 8 Stunden (ich hab jegliches Zeitgefühl verloren)
laufen wie im Flug.
Kurz vor dem Ziel hielten wir eine kleine Pause bei einem
weiteren Gletschersee. Die bis ans Wasser reichende schneebedeckte Nordseite
des Berges, spiegelte sich glitzernd im azurblauen Wasser und lud förmlich zum
Baden ein. Die Kanadier scherzten über ein gemütliches Plantschen im 5°C kalten Wasser und schreckten schnell
zurück, als sie ihre Hand zum Testen hinein tunkten. Währenddessen tauschten
Feli und ich grinsende Blicke aus. Mhm naja, so eine Erfrischung nach dem schweißtreibenden
Aufstieg wäre eigentlich schon ganz nett. Mit einer gewissen Vorahnung, hatten
wir unsere Bikinis dabei und fingen an uns umzuziehen. „Ey ihr! Was macht ihr
da?“ Na wir gehen baden, was sonst. „Waaas? Seid ihr bekloppt? Habt ihr Mal das
Wasser getestet?“ Nö noch nicht, aber genau das machen wir jetzt! Während wir
uns weiter vorbereiteten, versuchten die Kanadier uns davon abzuhalten, aber
nicht wegen möglichen Gesundheitsrisiken, sondern weil die knallharten Jungs
ganz genau wussten, dass sie das nicht auf ihrem Stolz sitzen lassen konnten.
Wenn zwei Mädels aus Deutschland ins Wasser springen würden, dann war die
logische Konsequenz, dass sie das auch machen mussten. Aber natürlich hieß die
Divise: Ladies first.
Okay… auf Drei! 1… 2……. 2 einhalb …. 2 dreiviertel…. 2
siebenachtel… 3!!!
Naja, es war nicht wirklich kalt. ES WAR
SCHWEINEARSCHFROSTBEULENKALT!! Aber man gewöhnt sich dran, immerhin konnten wir
eine kleine (sehr sehr kleine) Schwimmrunde drehen. Schön im Handtuch
eingemurmelt und in der Sonne aufwärmend beobachteten wir wie die Jungs nun an
der Reihe waren und niedliche Quiekgeräusche von sich gaben. Soviel zum Thema
harte Kerle also.
Vollkommen erfrischt und mit einem breiten Grinsen auf dem
Gesicht, machten wir uns auf den letzten Etappenabschnitt. Neben weiteren
interessanten Gesprächen hatten wir noch ein kleines Meeting mit einem
Stachelschwein. Die erhofften Elche und Bären hielten sich jedoch weiterhin
versteckt.
Nach ca. 7 oder 8 Stunden kamen wir alle glücklich am Ziel
an und verabschiedeten uns wehleidig voneinander. Noch kurz E-Mailadressen
ausgetauscht und dann traten wir zusammen mit Stéphane und David unseren
Heimweg zum Hostel an. Als ich während der Fahrt die Landschaft aus dem Fenster
bestaunte, riss mich Mathias aus meiner Tagträumerei heraus und fragte
unerwartet, wo ich denn diese Nacht verbringen würde.
Hä? Ich verstehe die Frage nicht, im Auto natürlich, weißt
du doch!
„Nein, ich glaube diesmal nicht!“ und zückte 40$ für eine
Hostelübernachtung aus seiner Tasche.
Bitte was? Selbstverständlich nehme ich dein Geld nicht an!
Es stellt sich jedoch heraus, dass es nicht das Geld von
Mathias, sondern von Chuck, dem Ironman war, mit dem ich viel über Sport, Reisen
und Studium gequatscht hatte. Mit den Worten, dass er sich ganz genau erinnert
wie man im Studium immer knapp bei Kasse war, gab er Mathias das Geld, damit
ich mir eine warme Nacht im Hostel leisten konnte – Oh man, unglaublich diese
Kanadier! Wer in Deutschland würde einer wildfremden Person einfach Mal 40€
schenken?
Da ich jedoch vollkommen zufrieden mit meinem Beifahrersitz
war, entschloss ich das Geld unter uns fünf aufzuteilen und ursprünglich jedem
ein Bier auszugeben. Nach einer kurzen Überlegung, stellten wir jedoch fest,
dass ein Extremsportler, welcher seit 15 Jahren keinen Tropfen Alkohol mehr zu
sich genommen hat, mir das Geld gegeben hat und unter diesem Gesichtspunkt wäre
Bier wohl nicht wirklich angebracht. Also beschlossen wir es mit der
Tankrechnung zu verrechnen.
Danke Chuck, an dieser Stelle und herzliche Grüße!
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