Zitat

"Das Leben wird nicht gemessen an der Zahl der Atemzüge, sondern an den Orten und Momenten, die uns den Atem rauben."

Montag, 30. September 2013

Get outta Town - Tag 2 Fotos

Leider spinnt die Blogspot Internetseite etwas, deswegen muss ich die fehlenden Fotos vom letzten Blog hier posten. Viel Freude also beim Gucken der Kanu und Gondola Bilder :)











Get outta Town - Tag 2



Den zweiten Tag stand ein bisschen mehr Tourizeugs auf dem Programm. Feli und ich hatten im Hostel einen Flyer entdeckt mit einem super Angebot. Für 80$ würden wir einen Pferdeausritt am Fluss haben, ein Kanu für eine Stunde mieten und mit der Banff-Gondola einen traumhaften Blick auf den Ort und Umgebung von oben haben. Nach kurzer Überzeugung der männlichen Gesellschaft, konnten wir das Schnäppchen in Angriff nehmen und gleich am Morgen den Sattel spannen.

Mit einer überaus kommunikativen und freundlichen Pferdeflüsterin hatten wir eine schöne Reittour durch Wald und Wiese, stets das tolle Bergpanorama vor Augen. Mein Pferd Jessi hat jedoch einige Geschwindigkeitsprobleme. Vielleicht war er noch verschlafen oder hatte eine wilde Nacht hinter sich, aber jedenfalls ließ er sich immer wieder zurück fallen und ich musste ihn in regelmäßigen Abständen in Trab bringen, damit wir den Anschluss nicht verlieren würden. Schritt halten schien einfach unmöglich. Durch das ständige auf und ab wurde es zumindest nicht langweilig, aber das ist bei der gewaltigen Natur sowieso so gut wie ausgeschlossen.










Nach einer Stunde machte sich dann der Muskelkater von der Wanderung bemerkbar und es war Zeit sich von den sanften Pferdetierchen zu verabschieden und zur anderen Seite der Stadt zu fahren, um gemütlich am Bow River Mittag zu essen. Auf einem Parkplatz angekommen, sind wir ziellos in das kleine Wäldchen nebenan gegangen und haben die üblichen Touristenpfaden verlassen. Wie so oft, kommt man dadurch an die Besten Plätze. Direkt oberhalb der Bow Falls haben wir eine idyllische Stelle zum Essen gefunden und hatten den ganzen Aussichtspunkt für uns alleine, da auf der anderen Seite sich die offizielle Aussichtsplattform befand. Auf diese Weise konnten wir die in Bussen anreisenden Touristenscharren beobachten, wie sie sich gegenseitig den Platz wegtrampelten und ich könnte schwören, dass wir so einige neidische Blick empfangen haben.








Nach dem obligatorischen Butterbrot hieß die nächste Station Kanuverleih. Blöd nur, dass genau jetzt das sonnige Wetter gegen ein kalt regnerisches Wolkengemisch eingetauscht wurde und dummerweise gab es keine überdachten Kanus. (Sollte vielleicht Mal jemand erfinden?!) Also brauchten wir eine Alternative und was ist nahe liegender als bei Regen und Wind an den See zu fahren? Kind und Kegel oder auch Europäer und Bier eingepackt und ab zum Lake Minnewanka, welcher sich nicht unweit von Banff nördlich entlang des Highway One befindet. Mit der Hoffnung, dass der Regen aufhören würde nach der 20 Minuten Fahrt kamen wir etwas frustriert über die Wolkenlage am kühlen Nass an. Der Regen hielt sich zum Glück in Grenzen also kann man ruhig mal Spazieren gehen am Ufer. Das Positive: alle 0-8-15 Weicheitouristen haben sich in ihre Luxuswohnwagen und Tee-Apartments verzogen und somit viel Platz für uns gelassen – großartig um ein bisschen die wilde Sau raus zu lassen und ganz obsessiv den malerischen Blick übers Wasser nur für sich zu beanspruchen. Einige Regenbilder und durchnässte Klamotten später, als wir schon dabei waren umzukehren, tauchte plötzlich so ein hell leuchtendes rundes Ding am Himmel auf und erhellte die gesamte Gegend, so dass jeder Wassertropfen eine traumhafte Glitzer-Reflektion (Neologismus?!) ergab. Unter diesen leuchtenden Umständen verweilten wir doch etwas länger am See und alberten fröhlich herum.

Voller Vorfreude auf die Kanufahrt machten wir uns langsam auf den Weg zurück, als genau in dem Moment der Starkregen einsetzte – Neeeein, Mist! Wir haben das trockene Zeitfenster am See vertrödelt und nun müssen wir im Kanu ertrinken. Aber Gott sei Dank oder besser gesagt Baguette sei Dank, hatten die Franzosen eine geniale Idee. Während wir traurig die beschlagenen Fenster mit Sonnensymbolen bemalten und stets meckerten wie doof das doch alles ist, startete Stéphane den Wortwechsel:


Stéph: „We have to do the Sun dance!“

David: “Yeah agreed! Shall we do it now?”
Stéph: “Of course!”

David: “Okay, Feli stop the car!!”
Feli: “What?”
Stéph: “Stop the car!
Immediately!”

-         Starke Bremsung mit Reifenquietschen –

David: “Get all out of here!”
Feli: “What? We are in the middle of the road, we can’t stay here!”

Stéph: “Sure we can, it’s canada – nobodys is here”

-         und schon waren Stéph und David draußen und winkten uns hysterisch zu –

„Oh man, are you kidding?“ 


Etwas verwirrt folgten wir den Franzosen und stellten uns alle in den Regen hinter das Auto. Und nun? Klarer Fall, jetzt wird getanzt! Wir standen in einer Linie und Stéph gab den Ton an. Irgendwelche merkwürdigen Geräusche und Anleitung spezifische Bewegungen auszuführen leiteten den Tanzakt. Da standen wir also nun, mitten auf der Straße, durchnässt vom Regen, im Kreis hüpfend, mit den Armen wendelend und die Sonne rufend. Das muss unglaublich dämlich ausgesehen haben! Die verstörten Blicke des vorbeifahrenden Autos bestätigten das, aber wir durften nicht aufhören, wir mussten den gesamten Tanz zu Ende bringen, ansonsten wirkt er nicht. Weiter hüpfen, weiter wedeln und zum Schluss ein freudiges Brüllen und gemeinsamen High-Fiven und zurück ins Auto, als wenn nichts gewesen wäre. Gespannt schauten wir in den Himmel.

„Mhm… are you really sure this will work? I think I’m still seeing lots of grey over there.“

“No worries, give it some time and I promise you in 20 minutes there’ll be the sun – trust me!”

Naja uns blieb ja auch nichts anderes übrig. Als wir beim Kanuverleih waren hat es aufgehört zu regnen und als wir uns mit Schwimmwesten und Proviant versorgten kam doch tatsächlich die Sonne raus. „20 minutes, I told you so guys“ Dieser Tanz bewirkt also wirkliche Wunder und all die Jahre dachten wir, man muss den Teller aufessen, um gutes Wetter zu kriegen. Hätte das Mal jemand früher gesagt, dann hätten wir jetzt anstatt übergewichtiger Kinder, agile Tanzgurus.














Auf dem Wasser ließen wir es sanft angehen und schipperten locker vor uns hier und genossen die friedliche Stille und das beeindruckende Naturzimmer. Nach der sportlichen Wasseraktivität stand nun der letzte Tagesordnungspunkt auf dem Plan. Schön bei Sonnenuntergang wollten wir Banff von oben bestaunen, doch leider machten uns die Wolken einen Strich durch die Rechnung. Mal von der klirrenden Kälte und den stürmischen Windböen auf dem Gipfel abgesehen, konnten wir jedoch auch ohne Sonne den Blick aufs Tal genießen und die Seele hoch über den Bäumen und Gewässern baumeln lassen.

Zum Abschluss des tollen Tages suchten wir ein nettes Plätzchen zum Abendessen, was jedoch eine Herausforderung darstellte, da wir etwas durchgefroren und seeehr hungrig nicht wirklich fähig waren eine gescheite Entscheidung über das Restaurant zu treffen.

„Wie wär’s mit der Kneipe dort und einigen Burgern?“ „Oh nein nicht schon wieder Fast Food.“

„Uh da ist ein toller Mexikaner!“ „Och nöö.. ich hab gerade nicht so Appetit auf scharfes Essen.“

„Let’s go ins Steak House.“ „Mhm… klingt nicht wirklich veganer freundlich…“

Nach endlosem Hin und Her und dem schweren Weg einen Kompromiss für alle zu finden, hatten wir endlich einen netten Italiener gefunden – juhu Essen! Pustekuchen… Die Wartezeit für einen freien Tisch betrug 40 Minuten, bis dahin wären wir alle verhungert! Also weiter suchen und auch in der nächsten Location mussten wir ganze 30 Minuten warten bevor wir einen Tisch kriegen würden. Mit zunehmender Lauferei und Absagen reduzierten sich die Ansprüche proportional. Aber weder in der Fast Food Kneipe, beim Mexikaner oder im Steak House, haben wir einen Platz bekommen. Letzte Notlösung: Flüssignahrung! Und so machten wir unseren Weg zum guten Tommy’s Neigborhoods Pub, um den Hunger in Bier zu ertränken, aber glücklicherweise konnten wir auch leckere Bürger, Pasta und Salat bestellen. Danke Tommy.




Mit gefüllten Mägen und zufriedenen Gesichtern trafen wir noch Callnna im nächsten Pub und ließen den Abend mit ihm und seinem anderen Kiwi Freund ausklingen, bevor es zum Träumen ins Auto ging.

Donnerstag, 26. September 2013

Get outta Town - Tag 1



Wie versprochen gibt es jetzt den Bericht über unseren Wochenendtrip nach Banff. Weil ihr natürlich alle fleißig recherchiert habt, könnt ihr euch sicher vorstellen, dass es eine Menge vorort zu sehen gab und daher stellt euch am Besten einen Pipi-Eimer neben den Stuhl, holt etwas Proviant und setzt die Lesebrille auf – dies wird ein laaaaaanger Blogeintrag.



Wir schreiben Donnerstag den 19. September 2013, wo eine europäische Gruppe ihren Weg zum ältesten Nationalpark Kanadas startete. Diesmal waren jedoch nur drei Nationen vertreten. Zum einen die Franzosen David und Stéphane, der bekannte Schweizer Mathias und die Kartoffelfraktion Felizitas und Jane. Zu fünft ging es mit einem Mietwagen durch insgesamt 4 Nationalparks direkt am Highway One ins Herz der Rocky Mountains, wo ein faszinierendes Wunderwerk der Natur auf uns wartete. Stets begleitet vom sonnigen Wetter, war allein schon die Autofahrt ein einzige landschaftliche Augenweide und jeder einzelne von uns klebte förmlich an der Fensterscheibe und gab in regelmäßigen Abständen ein begeistertes „Ahhh“, „Ooooh“ und „Wow“ von sich.
Zahlreiche Blödeleien und Autospiele, 100 unscharfe Fotos von der Fensterscheibe, 6 Stunden Fahrt und eine Zeitzone später, sind wir Abends um 9 Uhr endlich im Naturschutzgebiet mit dem beschaulichen, leider aber auch sehr touristischen Örtchen „Banff Town“ angekommen. Umgeben von majestätischen Bergketten und zahllosen tiefblauen Gewässern gehört Banff Town wohl zu einer der schönsten Städtchen in ganz Kanada. Da wir jedoch in der Nacht erst anreisten ließ uns die Wolkendecke in Kombination mit der Dunkelheit nicht viele Möglichkeiten zum Bestaunen. Unterschiede zu Kamloops sind uns aber trotzdem mehr als aufgefallen, nicht nur dass wir um eine Stunde älter wurden, wir haben auch einen rekordverdächtigen Temperatursturz erlebt. Während wir in der Mittagssonne in der Kamloops-Wüste bei ca. 27°C in Shorts und T-Shirt die Bedienungsanleitung der Klimaanlage des Autos studierten, erlebte ich in Banff mein blau-frostiges Wunder als ich meine nackten Beinchen und Ärmchen in die 1°C kalte Nacht streckte. Uh das nenne ich Mal einen schnellen Jahreszeitenwechsel! Das ist dann wohl der berühmte kanadische Aha- oder auch Brrr-Effekt. Also schnell in die nächste Kneipe zum Aufwärmen und Abendessen. Jedoch war unser Aufwärm-Tee Bier, unsere Suppe Pommes und die sorgsame Mutter mit der Wolldecke der Kiwi Callman, welchen ich in Vancouver kennengelernt hatte. Da er seit ca. zwei Wochen in Banff arbeitet, kennt er sich mittlerweile gut mit dem Leben in den Bergen aus. So klärte er uns auf, dass zwei Tage zuvor der erste Schnee gefallen ist und nachts Minusgrade nicht unwahrscheinlich sind. Okaaaay… Memo an mich: nie wieder Sachen für einen Kanadatrip packen, wenn man nebenbei aus dem Fenster auf den sonnigen Strand guckt und dabei den Schal und die Handschuhe ohne schlechtes Gewissen wieder zurück in den Schrank packt. „Aaach immer diese Übertreibung, hier ist es doch gar nicht so kalt wie immer alle sagen!“ Naja wenigstens hatte ich meine Mütze dabei und die kam auch reichlich zum Einsatz.



Nach dem gemütlichen Ankomm-Abend in Tommy’s Neigborhoods Pub, verabschiedeten wir uns vom lustigen Kiwi und hüpften in unser warmes Hostelzimmer oder in meinem Fall ins nette Auto mit muckeliger Außentemperatur. Ja im Gegensatz zu den Anderen tauschte ich das obligatorische Doppelstockbett aus dem Buget-Hotel gegen den gemütlichen Autositz und einen Schlafsack ein. Das hatte zwei Gründe:
Zum Einen wollte ich etwas Geld einsparen, da die Preise für die Schulbücher hier extrem sind - für drei Bücher musste ich insgesamt schon 400$ ausgeben!!! Bei 35$ pro Nacht im Hostel, macht das bei drei Nächten im Auto eine Ersparnis von 105$.
Zum Anderen liebe ich das Abenteuer und da ich fast den gesamten Neuseelandaufenthalt im Auto genächtigt habe, bin ich mehr als gut vorbereitet.
Aber ja, vielleicht hat in dem Fall der finanzielle Aspekt eine höhere Gewichtung für diese Entscheidung gehabt. Wie auch immer: ab ins Auto, Schlafsack zu, Mütze auf und gute Nacht.

Der nächste Morgen begann frostig, aber sonnig. Mühsam quälte ich mich aus dem warm-lauschigen Schlafsack, um mich anzuziehen und fertig zu machen für den Tag. Das unglaubliche Bergpanorama und die frische Luft, welche mich beim Aufwachen fröhlich begrüßten, machten das Aufstehen jedoch zu einem angenehmen Erlebnis. Mein Badezimmer befand sich nur wenige Schritte entfernt. Direkt am Bow River konnte ich mich waschen und beim Zähneputzen die Vögel und Streifenhörnchen bei der Nahrungssuche beobachten. Viel besser als ein fensterloses, kleines Badezimmer mit 9 fremden Personen im Mehrbettzimmer zu teilen. Und die Kälte? Die wurde einfach ignoriert.





Als die Anderen zum Auto kamen ging es gemeinsam zum ca. eine halbe Stunde entfernten Lake Louise. Hier würden wir den gesamten sonnigen Tag mit einer landschaftlich eindrucksvollen Wanderung verbringen.
Angefangen beim Moraine Lake im Ten Peaks Valley sollte ein ca. 19 Kilometer langer Wanderweg uns über den Bergpass „Sentinel Pass“ durchs Paradise Valley zum Lake Louise führen. Und so startete unser Marsch beim eindrucksvollen See, dessen Wasseroberfläche glatt wie ein Spiegel war und wo die Sonne langsam ihre wärmenden Strahlen zwischen den zehn Berggipfeln hindurch schlängelte. Motiviert durch dieses eindrucksvolle Bild gingen wir durch einen dichten Wald immer bergauf, bis wir zur Vegetationsgrenze bei ca. 2200 Meter angelangt waren und einen Teil der ersten Etappe mit einem atemberaubenden Ausblick auf das Ten Peaks Valley (Zehn Gipfel Tal) belohnt wurden. Wolkenloser Himmel, vereinzelte kleine Bergseen und die allmählich ins Gelb färbenden Baumblätter ergaben mit den schneebedeckten Bergspitzen und Gletschern ein unvergleichbares Bild. Bei diesem Panorama wundert es nicht, dass wir diverse Pinkel-, Ess- und selbstverständlich Fotopausen einlegten. So gern wir hier den Rest unseren Lebens verbringen wollten, wollten und mussten wir auch weiter gehen, denn die nächste Etappe war schon zu sehen: Der Sentinel Pass. Den Weg dorthin bespaßten wir uns mit einer kleinen Schneeballschlacht und netten Unterhaltungen mit kanadischen Hardcore-Wanderern, die anscheint den ganzen Tag nichts anderes tun, als die umliegende Natur zu Fuß zu erkunden.
Der Aufstieg war wesentlich steiler und wurde zudem durch rutschiges Geröll erschwert, aber mit dem Ziel fest vor Augen schnauften wir uns alle erfolgreich zum höchsten Punkt des Wanderweges hinauf und die Mühe war es alle Mal wert. Für diesen grandiosen Ausblick gibt es nicht genügend Worte um es angemessen zu beschreiben, auch ein Foto kann diese Schönheit nicht wirklich einfangen. Daher verweilten wir fast eine gesamte Stunde oben, um uns zu stärken und so viel wie möglich des unglaublichen Panoramas einzusaugen. Aber eins kann euch sagen, das Lunchpaket auf der Mitte einer Gesteinsformation mit dem Paradise Valley zur linken und dem Ten Peaks Valley zur rechten Seite zu verspeisen, macht die kalte Stulle zu einem ganz besonderen Geschmackserlebnis!














Nichtsdestotrotz musste es weiter gehen. An dieser Stelle trennten sich jedoch die Wege unserer europäischen Gruppe. Da Stéphane einige Knieprobleme beklagte, entschiedenen er und David zurück zum Ausgangspunkt zu gehen, weil der Weg dorthin wesentlich kürzer war. Also blieben nur noch Feli, Mathias und ich übrig. Ungewohnterweise stellte dies jedoch ein Problem dar, da laut Visitor Center man zumindest eine Gruppe aus vier Personen sein sollte, um durchs Paradiese Valley zu gehen. Nicht dass es auf 2600 Höhenmeter irgend eine Art Kontrolle geben würde, aber der Grunde für diese Mindestzahl an Personen war die hohe Bärenaktivität zu dieser Jahreszeit im Tal und laut mehrerer Studien ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Bär eine große Gruppe angreift, geringer als eine kleine Wandergruppe – vor allem wenn diese aus zwei Mädchen besteht. (zwei X Chromosome schmecken halt einfach besser) So schön der Ort zum Sterben auch ist, so richtig scharf auf die Innenperspektive eines Bärenmagens waren wir dann doch nicht. Glücklicherweise trafen wir auf die zuvor getroffenen kanadischen Wanderer und so kanadisch wie ihr Blut war, nahmen sie uns gerne in ihre heitere Wandergruppe auf. Mit nun insgesamt sieben Personen und dem beruhigten Gewissen, dass sich jeder Bär in die Hose machen würde, machten wir uns auf den weiteren Weg.
Die Kanadier waren ein lustiges Gemisch aus einem hyperaktiven Mike, einem mit doppelter Staatsbürgerschaft besitzenden Neuseeländer (war ja klar… wieder ein Kiwi und ich dachte immer die können nicht fliegen?!), dem Extremsportler Chuck, der ganze !!!9!!! Mal einen Ironman gelaufen ist (einen davon sogar in Deutschland) und dem Arzt Curtis, der für jeden Notfall vorbereitet war. Auf dem langen restlichen Weg erzählten sie uns unterhaltsame Geschichten von Begegnungen mit Bären, spannenden Wanderausflügen, großen Reiseerlebnissen und nahezu unmöglichen Sportwettkämpfen. Auf diese Weise vergingen die restlichen 3, 5 oder 8 Stunden (ich hab jegliches Zeitgefühl verloren) laufen wie im Flug.
Kurz vor dem Ziel hielten wir eine kleine Pause bei einem weiteren Gletschersee. Die bis ans Wasser reichende schneebedeckte Nordseite des Berges, spiegelte sich glitzernd im azurblauen Wasser und lud förmlich zum Baden ein. Die Kanadier scherzten über ein gemütliches Plantschen im 5°C kalten Wasser und schreckten schnell zurück, als sie ihre Hand zum Testen hinein tunkten. Währenddessen tauschten Feli und ich grinsende Blicke aus. Mhm naja, so eine Erfrischung nach dem schweißtreibenden Aufstieg wäre eigentlich schon ganz nett. Mit einer gewissen Vorahnung, hatten wir unsere Bikinis dabei und fingen an uns umzuziehen. „Ey ihr! Was macht ihr da?“ Na wir gehen baden, was sonst. „Waaas? Seid ihr bekloppt? Habt ihr Mal das Wasser getestet?“ Nö noch nicht, aber genau das machen wir jetzt! Während wir uns weiter vorbereiteten, versuchten die Kanadier uns davon abzuhalten, aber nicht wegen möglichen Gesundheitsrisiken, sondern weil die knallharten Jungs ganz genau wussten, dass sie das nicht auf ihrem Stolz sitzen lassen konnten. Wenn zwei Mädels aus Deutschland ins Wasser springen würden, dann war die logische Konsequenz, dass sie das auch machen mussten. Aber natürlich hieß die Divise: Ladies first.
Okay… auf Drei! 1… 2……. 2 einhalb …. 2 dreiviertel…. 2 siebenachtel… 3!!!
Naja, es war nicht wirklich kalt. ES WAR SCHWEINEARSCHFROSTBEULENKALT!! Aber man gewöhnt sich dran, immerhin konnten wir eine kleine (sehr sehr kleine) Schwimmrunde drehen. Schön im Handtuch eingemurmelt und in der Sonne aufwärmend beobachteten wir wie die Jungs nun an der Reihe waren und niedliche Quiekgeräusche von sich gaben. Soviel zum Thema harte Kerle also.















Vollkommen erfrischt und mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht, machten wir uns auf den letzten Etappenabschnitt. Neben weiteren interessanten Gesprächen hatten wir noch ein kleines Meeting mit einem Stachelschwein. Die erhofften Elche und Bären hielten sich jedoch weiterhin versteckt.
Nach ca. 7 oder 8 Stunden kamen wir alle glücklich am Ziel an und verabschiedeten uns wehleidig voneinander. Noch kurz E-Mailadressen ausgetauscht und dann traten wir zusammen mit Stéphane und David unseren Heimweg zum Hostel an. Als ich während der Fahrt die Landschaft aus dem Fenster bestaunte, riss mich Mathias aus meiner Tagträumerei heraus und fragte unerwartet, wo ich denn diese Nacht verbringen würde.
Hä? Ich verstehe die Frage nicht, im Auto natürlich, weißt du doch!
„Nein, ich glaube diesmal nicht!“ und zückte 40$ für eine Hostelübernachtung aus seiner Tasche.
Bitte was? Selbstverständlich nehme ich dein Geld nicht an!
Es stellt sich jedoch heraus, dass es nicht das Geld von Mathias, sondern von Chuck, dem Ironman war, mit dem ich viel über Sport, Reisen und Studium gequatscht hatte. Mit den Worten, dass er sich ganz genau erinnert wie man im Studium immer knapp bei Kasse war, gab er Mathias das Geld, damit ich mir eine warme Nacht im Hostel leisten konnte – Oh man, unglaublich diese Kanadier! Wer in Deutschland würde einer wildfremden Person einfach Mal 40€ schenken?
Da ich jedoch vollkommen zufrieden mit meinem Beifahrersitz war, entschloss ich das Geld unter uns fünf aufzuteilen und ursprünglich jedem ein Bier auszugeben. Nach einer kurzen Überlegung, stellten wir jedoch fest, dass ein Extremsportler, welcher seit 15 Jahren keinen Tropfen Alkohol mehr zu sich genommen hat, mir das Geld gegeben hat und unter diesem Gesichtspunkt wäre Bier wohl nicht wirklich angebracht. Also beschlossen wir es mit der Tankrechnung zu verrechnen.
Danke Chuck, an dieser Stelle und herzliche Grüße!