5 Tage, 200 gerannte Höhenmeter, 150 neue
Bio-Englisch-Vokabeln und zwei Hausaufgaben später war die erste richtige
Uniwoche vorbei und ein Wochenende stand wieder vor der Tür. D.h. dann also
faul auf der Couch liegen und Fernsehen gucken – Nope, nicht so in Kanada.
Sachen gepackt und los geht’s zum nächsten See. Im näheren Umkreis warten ja
schließlich nur noch um die 196 auf mich die ich noch nicht gesehen habe.
Zusammen mit Gail, einer Freundin von Christine, machten wir drei Mädels uns
auf den Weg zum Lac le Jeune. Fernab vom Highway ging es ins Hinterland
Richtung Süden, wo sich wie immer hinter einem kleinen Wald ein See versteckt.
Insgesamt machten wir bei drei Seen einen Zwischenstopp. Da es noch recht früh
am Morgen war, sollte eine kleine Wanderung unseren Kreislauf in Schwung
bringen und jeglichen Kaffee als Wachmacher ersetzen. Gesagt, getan. Der 90-minütige
Spaziergang um den gesamten See herum, verlief die ganze Zeit entlang am Ufer und
bot somit zahlreiche eindrucksvolle Aussichtspunkte und viele Gelegenheit ein
malerisches Foto für die Erinnerung zu schießen. Für einen kurzen Moment sollte
man hier innehalten und einfach den Augenblick ohne jegliche Gedanken in vollen
Zügen genießen. Dieses Gebiet muss wohl auch dem Vieh sehr gut gefallen, da wir
auf einige muhende Besucher trafen, die uns wiederkäuend musterten, nach kurzer
Zeit aber dann doch wieder ihren Blick Richtung Wasser schweifen ließen.
Nach dem die Umrundung erfolgreich gelungen war, ging es zum
nächsten See, wo wir den Rest des heißen Tages gammelig verbringen würden. Zur
Stärkung gab es ein, wie immer, leckeres veganes Picknick und nach einer kurzen
Spielpause hieß es dann ab ins kühle Nass. Während Christine und Gail sich auf
den Luftmatratzen treiben ließen, widmete ich mich meiner sportlichen
Schwimmeinheit. Im doch recht ziemlich kalten - nein eiskalten - Wasser fingen
jedoch nach kurzer Zeit meine Finger an steif zu werden und die Fußzehen habe
ich auch nicht mehr wirklich gespürt. Das war dann wohl das Zeichen den Rest
des Nachmittags faul am Strand zu liegen und in der Sonne zu brutzeln. Mit der
idyllischen Landschaft und der friedvollen Stille, konnte man ausgezeichnet
entspannen und mit einem erholenden Nickerchen wertvolle Kräfte für den
nächsten Tag tanken. Da stand nämlich eine etwas längere Wanderung auf dem
Programm.
Ein Schweizer, ein Ukrainer, eine Norwegerin und eine
Deutsche machten sich zusammen auf in die Berge. Nein dies ist nicht der Anfang
eines ausgelutschten Klischeewitzes, sondern der Beginn einer überraschenden Tageswanderung.
Mathias, Ihor, Signe und ich haben beschlossen uns ein Auto für einen Tag zu
mieten und damit nach Sun Peaks zum – uh Mal zur Abwechslung was anderes - Wandern
zu fahren. Sonnenbrille aufgesetzt, Musik laut aufgedreht und let’s go! Voller
Motivation und Elan wollten wir die 400 Höhenmeter bezwingen, um u. a. an den
McGillivray Lake zu gelangen.
Die ersten Stunden waren super, die Streifenhörnchen
zutraulich, der Himmel blau, die Laune gut, die Bäume grün und der Wald dicht.
Am See gab es eine kleine Verschnaufpause, wo wir bei Sandwich und Obstsalat
einen halbnackten Kerl beim Duschen im See beobachteten. (Nein es war nicht so
erotisch wie es klingt.) Nach einiger Zeit des Bespannens kamen wir nett mit
ihm ins Gespräch und wir stellten unsere kleine europäische Gruppe vor. Auf
neugierige Nachfrage zeigte sich, dass der tätowierte und vollbärtige Kanadier
schon seit knapp einer Woche am See in einem Zelt haust und sich auf eine
verrückte 50km lange Laufveranstaltung vorbereitet. Ganz klar, dafür zieht man
sich aus der Zivilisation zurück und verbringt mehr als drei Wochen allein in
der Wildnis! Vielleicht ist das ja das Erfolgsrezept, um eine neue Bestzeit im
Halbmarathon zu erreichen? Ob es wohl das Gleiche ist, wenn ich anstatt im Wald
die 21 Tage auf dem Campus hause? Das ein oder andere Zeltlager wurde an der
Hamburger Uni ja schon des Öfteren gesichtet. Auf merkwürdige Geschöpfe würde
ich dabei definitiv auch treffen, aber evtl. überlege ich mir das doch noch mal
genauer…
Nach der doch beeindruckenden Begegnung ging es weiter ins
Grün. Zielsicher und ortskundig marschierten wir immer tiefer ins Hinterland.
Echt schön hier, bisschen viel Wald vielleicht, aber doch recht idyllisch. Mhm
na ja mal eine Art Ausblick aufs Tal oder umliegende Berge wäre eigentlich auch
ganz nett. Die Wanderschilder geben doch immer super Auskunft über den nächsten
Lookout, vielleicht sollten wir mal einen Blick darauf werfen. Apropos
Schilder, wo war eigentlich das Letzte? Überhaupt hat jemand eine Ahnung wo wir
sind? Oops. Na zum Glück haben wir eine detaillierte Wanderkarte bei uns und
zur Not immer noch ein Navi auf dem schlauen Telefon. Ja blöd nur, wenn wir uns
auf einem Pfad befinden der außerhalb des Wandergebiets liegt und das smarte
Phon ohne jegliches Netz oder Internetempfang sämtliche Intelligenz verliert.
Da standen wir nun. Mitten auf einer Straße im Nirgendwo oder um es
dramatischer auszudrücken: in Kanada und da ist bekanntlich Keiner-Da. (super
Wortwitz!)
Es gab zwei Optionen: entweder den gesamten Weg zurück laufen und den badenden Marathon-Ureinwohner um Hilfe bitten oder wie zu Beginn eines jeden guten Horrorfilms der Straße weiter folgen bis ein Auto kommt und uns hilft. Risikobewusst und Vernünftig wie wir sind, entschieden wir uns natürlich für die Horrorfilm-Version. Es dauerte auch nicht zu lange bis dann endlich Hilfe auf vier Rädern angefahren kam und glücklicherweise waren gut gelaunte Kanadier die Insassen und schlitzen uns freundlicherweise nicht als Wolfsfutter am Waldrand auf. Ausführlich beschrieben sie uns den weiteren Weg und winkten fröhlich zum Abschied. Dank der Hilfe konnten wir uns wieder auf der Wanderkarte lokalisieren und unsere ursprüngliche Route verfolgen. Es ging immer tiefer in den Wald hinein bis wir den nächsten Wanderpfad namens „Holy Cow“ erreichten. Kühe haben wir zwar nicht gesehen, dafür aber jede Menge stinkende und Gullideckel große Fladen, die als eindeutiges Indiz für ihre Existenz fungierten. Zielsicher marschierten wir den Pfad entlang bis zu einer Gabelung die nicht auf der Karte aufgezeichnet war. Was machen? Klarer Fall: „Eene meene muh und raus bist du!“ Oke wir gehen nach links! „Sicher?“ Nö, aber das Eene-meene-muh-Prinzip ist idiotensicher und klappt immer! Okay, bleibt ja auch nichts anderes übrig. Also liefen, wanderten und gingen wir den steilen Pfad immer weiter bergauf. Irgendwie wurde er immer wilder und es wurde immer schwieriger den Weg zu finden, aber egal, jetzt sind wir schon so weit gegangen, der wird schon richtig sein und schließlich sind Wege dafür da, um an ein Ziel zu gelangen. Also aufhören zu jammern und weiter geht’s!
Es gab zwei Optionen: entweder den gesamten Weg zurück laufen und den badenden Marathon-Ureinwohner um Hilfe bitten oder wie zu Beginn eines jeden guten Horrorfilms der Straße weiter folgen bis ein Auto kommt und uns hilft. Risikobewusst und Vernünftig wie wir sind, entschieden wir uns natürlich für die Horrorfilm-Version. Es dauerte auch nicht zu lange bis dann endlich Hilfe auf vier Rädern angefahren kam und glücklicherweise waren gut gelaunte Kanadier die Insassen und schlitzen uns freundlicherweise nicht als Wolfsfutter am Waldrand auf. Ausführlich beschrieben sie uns den weiteren Weg und winkten fröhlich zum Abschied. Dank der Hilfe konnten wir uns wieder auf der Wanderkarte lokalisieren und unsere ursprüngliche Route verfolgen. Es ging immer tiefer in den Wald hinein bis wir den nächsten Wanderpfad namens „Holy Cow“ erreichten. Kühe haben wir zwar nicht gesehen, dafür aber jede Menge stinkende und Gullideckel große Fladen, die als eindeutiges Indiz für ihre Existenz fungierten. Zielsicher marschierten wir den Pfad entlang bis zu einer Gabelung die nicht auf der Karte aufgezeichnet war. Was machen? Klarer Fall: „Eene meene muh und raus bist du!“ Oke wir gehen nach links! „Sicher?“ Nö, aber das Eene-meene-muh-Prinzip ist idiotensicher und klappt immer! Okay, bleibt ja auch nichts anderes übrig. Also liefen, wanderten und gingen wir den steilen Pfad immer weiter bergauf. Irgendwie wurde er immer wilder und es wurde immer schwieriger den Weg zu finden, aber egal, jetzt sind wir schon so weit gegangen, der wird schon richtig sein und schließlich sind Wege dafür da, um an ein Ziel zu gelangen. Also aufhören zu jammern und weiter geht’s!
Mhm… vielleicht spätestens als wir über einen Zaun klettern
mussten und die Kuhscheiße nicht mehr als Wegweiser vorhanden war, hätte man
stutzig werden können. Aber wir – oder zumindest einige von uns – waren
ziemlich sicher dass der Weg uns irgendwo hinführen würde.
Nunja, in Kanada gelten wohl andere Regeln, denn hier gibt
es kilometerlange Pfade die einfach im Nichts enden bzw. vor einer Wand aus
Dickicht, die man ohne Hilfsmittel unmöglich durchqueren konnte. Na zum Glück
haben wir Mathias den Schweizer dabei, in seinem Schweizer Taschenmesser
befindet sich doch bestimmt eine Kettensäge. Nein? Wirklich nicht? Hast du auch
wirklich ganz gründlich nachgeguckt? Verdammt. Okay… also die ganzen 45minuten
die wir bis hierher gelaufen sind wieder zurück. Endlich wieder an der Gabelung
angekommen bemerkten wir ein buntes Etwas an einem Baum, direkt neben dem Weg.
Hach Mensch guckt Mal, da ist ein Pfeil und der zeigt genau in die andere
Richtung. Was lernen wir daraus? Genau, kaufe nie ein Schweizer Taschenmesser
ohne integrierter Kettensäge!!!
Nach der Tortour durch den Wald und dem Orientierungslauf
ohne Happy-End waren wir doch recht erschöpft und hatten immer noch keinerlei
schöne Aussicht. Ganze 6 Stunden später erreichten wir dann endlich die
Gipfelkante, wo sich die Endstation eines Sessellifts für die Skipisten befand.
Hier hatten wir dann eine wohlverdiente Pause und so was ähnliches wie einen
schönen Ausblick. Ausgeruht und kurz eingeredet, dass es trotz der vielen
Misthaufen und eintönigen Wanderwege es Wert war, machten wir uns entlang der
steilen Skipisten auf den Weg zurück ins Tal. Diejenigen die bisher immer dachten
eine schwarze Piste mit Skiern runter zu fahren sei aufregend, die sind noch nie
eine schwarze Piste ohne Skier mit kniehohem Gras und einer gefährlichen
Mischung aus Geröll und rutschigem Dreck runter gelaufen – das ist vielleicht
ein Spaß. Aber immerhin war es der kürzeste Weg und so waren wir in
Null-Komma-Nichts fast am Ziel.
An der Liftstation im Tal resümierten wir den Tag und
stellten fest, dass wir zwar nicht viel gesehen haben, aber immerhin einen
aktiven Tag bei Sonne an der frischen Luft verbracht haben und das bisschen
Methan von den Kuhhaufen stört ja nun wirklich nicht. Deprimierend, wir haben
nicht Mal eine einzige Kuh gesehen. Weiterhin auf dem Rückweg, schaute ich dann
noch mal den Hügel hinauf und erblickte etwas Schwarzes direkt auf der Piste.
„Hey guckt Mal, da haben wir endlich unseren muhenden Übeltäter mit den
Verdauungsproblemen.“ Kurz bevor ich mich mit einem sarkastischen Statement wieder
abwenden wollte: „Uuuh wow… ne Kuh, Mensch super, ich wollte schon immer Mal
eine sehen, yey, High Five…“ Sagte Mathias: „Moment Mal, das ist keine Kuh… das
sieht eher aus… wie… ein BÄR!“
Was??? Oh Holy Cow, das ist wirklich ein Bär! Signe ist
total ausgeflippt und konnte vor Freude nicht aufhören wild umherzuhüpfen und
auch ich konnte mir einen quietschenden Freudenschrei nicht verkneifen. Das
erste Mal in unserem Leben haben wir vier einen echten, wilden Bären gesehen
und sicher von der Ferne aus beobachten können, wie er gemütlich durchs Gras
lief und sich von nichts stören ließ.
Ein unglaublicher Moment, den wir nach diesem Tag ganz
sicher nicht vergessen würden. Die Wanderung hat sich also doch alle Mal
ausgezahlt.

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