Den zweiten Tag stand ein bisschen mehr Tourizeugs auf dem
Programm. Feli und ich hatten im Hostel einen Flyer entdeckt mit einem super
Angebot. Für 80$ würden wir einen Pferdeausritt am Fluss haben, ein Kanu für
eine Stunde mieten und mit der Banff-Gondola einen traumhaften Blick auf den
Ort und Umgebung von oben haben. Nach kurzer Überzeugung der männlichen
Gesellschaft, konnten wir das Schnäppchen in Angriff nehmen und gleich am
Morgen den Sattel spannen.
Mit einer überaus kommunikativen und freundlichen
Pferdeflüsterin hatten wir eine schöne Reittour durch Wald und Wiese, stets das
tolle Bergpanorama vor Augen. Mein Pferd Jessi hat jedoch einige
Geschwindigkeitsprobleme. Vielleicht war er noch verschlafen oder hatte eine
wilde Nacht hinter sich, aber jedenfalls ließ er sich immer wieder zurück
fallen und ich musste ihn in regelmäßigen Abständen in Trab bringen, damit wir
den Anschluss nicht verlieren würden. Schritt halten schien einfach unmöglich. Durch
das ständige auf und ab wurde es zumindest nicht langweilig, aber das ist bei
der gewaltigen Natur sowieso so gut wie ausgeschlossen.
Nach einer Stunde machte sich dann der Muskelkater von der
Wanderung bemerkbar und es war Zeit sich von den sanften Pferdetierchen zu
verabschieden und zur anderen Seite der Stadt zu fahren, um gemütlich am Bow
River Mittag zu essen. Auf einem Parkplatz angekommen, sind wir ziellos in das
kleine Wäldchen nebenan gegangen und haben die üblichen Touristenpfaden
verlassen. Wie so oft, kommt man dadurch an die Besten Plätze. Direkt oberhalb
der Bow Falls haben wir eine idyllische Stelle zum Essen gefunden und hatten
den ganzen Aussichtspunkt für uns alleine, da auf der anderen Seite sich die
offizielle Aussichtsplattform befand. Auf diese Weise konnten wir die in Bussen
anreisenden Touristenscharren beobachten, wie sie sich gegenseitig den Platz
wegtrampelten und ich könnte schwören, dass wir so einige neidische Blick
empfangen haben.
Nach dem obligatorischen Butterbrot hieß die nächste Station
Kanuverleih. Blöd nur, dass genau jetzt das sonnige Wetter gegen ein kalt
regnerisches Wolkengemisch eingetauscht wurde und dummerweise gab es keine
überdachten Kanus. (Sollte vielleicht Mal jemand erfinden?!) Also brauchten wir
eine Alternative und was ist nahe liegender als bei Regen und Wind an den See
zu fahren? Kind und Kegel oder auch Europäer und Bier eingepackt und ab zum
Lake Minnewanka, welcher sich nicht unweit von Banff nördlich entlang des
Highway One befindet. Mit der Hoffnung, dass der Regen aufhören würde nach der
20 Minuten Fahrt kamen wir etwas frustriert über die Wolkenlage am kühlen Nass
an. Der Regen hielt sich zum Glück in Grenzen also kann man ruhig mal Spazieren
gehen am Ufer. Das Positive: alle 0-8-15 Weicheitouristen haben sich in ihre
Luxuswohnwagen und Tee-Apartments verzogen und somit viel Platz für uns
gelassen – großartig um ein bisschen die wilde Sau raus zu lassen und ganz
obsessiv den malerischen Blick übers Wasser nur für sich zu beanspruchen.
Einige Regenbilder und durchnässte Klamotten später, als wir schon dabei waren
umzukehren, tauchte plötzlich so ein hell leuchtendes rundes Ding am Himmel auf
und erhellte die gesamte Gegend, so dass jeder Wassertropfen eine traumhafte
Glitzer-Reflektion (Neologismus?!) ergab. Unter diesen leuchtenden Umständen
verweilten wir doch etwas länger am See und alberten fröhlich herum.
Voller Vorfreude auf die Kanufahrt machten wir uns langsam
auf den Weg zurück, als genau in dem Moment der Starkregen einsetzte – Neeeein,
Mist! Wir haben das trockene Zeitfenster am See vertrödelt und nun müssen wir
im Kanu ertrinken. Aber Gott sei Dank oder besser gesagt Baguette sei Dank,
hatten die Franzosen eine geniale Idee. Während wir traurig die beschlagenen
Fenster mit Sonnensymbolen bemalten und stets meckerten wie doof das doch alles
ist, startete Stéphane den Wortwechsel:
Stéph: „We
have to do the Sun dance!“
David:
“Yeah agreed! Shall we do it now?”
Stéph: “Of course!”
Stéph: “Of course!”
David:
“Okay, Feli stop the car!!”
Feli: “What?”
Stéph: “Stop the car! Immediately!”
Feli: “What?”
Stéph: “Stop the car! Immediately!”
-
Starke Bremsung mit Reifenquietschen –
David:
“Get all out of here!”
Feli: “What? We are in the middle of the road, we can’t stay here!”
Feli: “What? We are in the middle of the road, we can’t stay here!”
Stéph:
“Sure we can, it’s canada – nobodys is here”
-
und schon waren Stéph und David
draußen und winkten uns hysterisch zu –
„Oh man, are you kidding?“
Etwas verwirrt folgten wir den Franzosen und
stellten uns alle in den Regen hinter das Auto. Und nun? Klarer Fall, jetzt
wird getanzt! Wir standen in einer Linie und Stéph gab den Ton an. Irgendwelche
merkwürdigen Geräusche und Anleitung spezifische Bewegungen auszuführen
leiteten den Tanzakt. Da standen wir also nun, mitten auf der Straße,
durchnässt vom Regen, im Kreis hüpfend, mit den Armen wendelend und die Sonne
rufend. Das muss unglaublich dämlich ausgesehen haben! Die verstörten Blicke
des vorbeifahrenden Autos bestätigten das, aber wir durften nicht aufhören, wir
mussten den gesamten Tanz zu Ende bringen, ansonsten wirkt er nicht. Weiter
hüpfen, weiter wedeln und zum Schluss ein freudiges Brüllen und gemeinsamen
High-Fiven und zurück ins Auto, als wenn nichts gewesen wäre. Gespannt schauten
wir in den Himmel.
„Mhm… are you really sure this will work? I think I’m still seeing lots
of grey over there.“
“No worries, give it some time and I promise you in 20 minutes there’ll
be the sun – trust me!”
Naja uns blieb ja auch nichts anderes übrig.
Als wir beim Kanuverleih waren hat es aufgehört zu regnen und als wir uns mit
Schwimmwesten und Proviant versorgten kam doch tatsächlich die Sonne raus. „20
minutes, I told you so guys“ Dieser Tanz bewirkt also wirkliche Wunder und all
die Jahre dachten wir, man muss den Teller aufessen, um gutes Wetter zu
kriegen. Hätte das Mal jemand früher gesagt, dann hätten wir jetzt anstatt
übergewichtiger Kinder, agile Tanzgurus.
Auf dem Wasser ließen wir es sanft angehen
und schipperten locker vor uns hier und genossen die friedliche Stille und das
beeindruckende Naturzimmer. Nach der sportlichen Wasseraktivität stand nun der
letzte Tagesordnungspunkt auf dem Plan. Schön bei Sonnenuntergang wollten wir
Banff von oben bestaunen, doch leider machten uns die Wolken einen Strich durch
die Rechnung. Mal von der klirrenden Kälte und den stürmischen Windböen auf dem
Gipfel abgesehen, konnten wir jedoch auch ohne Sonne den Blick aufs Tal
genießen und die Seele hoch über den Bäumen und Gewässern baumeln lassen.
Zum Abschluss des tollen Tages suchten wir
ein nettes Plätzchen zum Abendessen, was jedoch eine Herausforderung
darstellte, da wir etwas durchgefroren und seeehr hungrig nicht wirklich fähig
waren eine gescheite Entscheidung über das Restaurant zu treffen.
„Wie wär’s mit der Kneipe dort und einigen
Burgern?“ „Oh nein nicht schon wieder Fast Food.“
„Uh da ist ein toller Mexikaner!“ „Och nöö..
ich hab gerade nicht so Appetit auf scharfes Essen.“
„Let’s go ins Steak House.“ „Mhm… klingt nicht wirklich veganer
freundlich…“
Nach endlosem Hin und Her und dem schweren
Weg einen Kompromiss für alle zu finden, hatten wir endlich einen netten
Italiener gefunden – juhu Essen! Pustekuchen… Die Wartezeit für einen freien
Tisch betrug 40 Minuten, bis dahin wären wir alle verhungert! Also weiter
suchen und auch in der nächsten Location mussten wir ganze 30 Minuten warten
bevor wir einen Tisch kriegen würden. Mit zunehmender Lauferei und Absagen
reduzierten sich die Ansprüche proportional. Aber weder in der Fast Food
Kneipe, beim Mexikaner oder im Steak House, haben wir einen Platz bekommen.
Letzte Notlösung: Flüssignahrung! Und so machten wir unseren Weg zum guten Tommy’s
Neigborhoods Pub, um den Hunger in Bier zu ertränken, aber
glücklicherweise konnten wir auch leckere Bürger, Pasta und Salat bestellen.
Danke Tommy.
Mit gefüllten Mägen und zufriedenen
Gesichtern trafen wir noch Callnna im nächsten Pub und ließen den Abend mit ihm
und seinem anderen Kiwi Freund ausklingen, bevor es zum Träumen ins Auto ging.
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