Zitat

"Das Leben wird nicht gemessen an der Zahl der Atemzüge, sondern an den Orten und Momenten, die uns den Atem rauben."

Samstag, 7. September 2013

Canada and action! Teil 2



Der gemütliche Konzerttag fand seinen Ausklang bei einem Barbecue in der WG von einem Austauschstudenten aus Deutschland, der mit Neuseeländern zusammen wohnt. Mit Burger, Salat und Bier ließen wir den Abend gemütlich angehen, da die nächsten Tage für mich noch aufregend genug sein werden.
Gleich am nächsten Morgen stand erstmal eine weitere Joggingeinheit auf dem Programm und während ich fluchend die Hügel bezwang bereiteten Grant und Christina alles für unseren Tagesausflug vor. Das nächste Ziel heißt Little Shuswap Lake und liegt gut eine Autostunde in östlicher Richtung. Hier würden wir einige Spaziergänge unternehmen, baden gehen und was wohl das coolste ist: Jetski fahren. Grant ist im Besitz eines etwas älteren Modells der Kategorie Oldfashion, wo zwei (in schlanken Fällen auch drei) Personen nebeneinander sitzen können. Das Wassergefährt ist schon etwas in die Jahre gekommen, aber man soll sich von dem 90er Jahre Farbstil nicht täuschen lassen, da ein brandneuer Motor erst vor kurzem eingebaut wurde und wow hat das Ding einen Speed drauf. Da denkt man, man tuckert geschmeidig vor sich hin und guckt sich bisschen die Landschaft dabei an – nichts da, kaum ist der Motor gestartet geht das Ding ab wie Schmitz Katze und man rauscht mit knapp 70Km/h übers Wasser. Der einst als gemütlicher Sonntagsausflug getarnte Tagesausflug entpuppte sich als ein Adrenalin- und Sportevent. Zu dritt heizten wir den South Thompson River entlang und klapperten einen Strand nach dem anderen ab. In den Pausen am Festland ging es dann ruhiger und in gebückter Haltung zu, da wir auf der Suche nach Pfeilspitzen waren. Grant ist ein leidenschaftlicher Pfeilspitzensammler und besitzt praktisch ein eigenes Museum im Keller mit Steinen jeglicher Größen und Formen aus aller Welt und zu jeder Pfeilspitze hat er eine spannende Geschichte auf Lager. Die kleineren Pfeilspitzen verarbeitet Christina dann zu Schmuck oder beeindruckenden Bildern, die überall im Haus verteilt sind. Immer wenn die Beiden also Zeit und Muße haben, schwingen sie sich auf den Jetski und suchen nahe zu den gesamten Fluss und jede anderen nähere Umgebung nach den charakteristisch aus Stein geformten Jagd- und Kriegsinstrumenten aus vergangenen Jahrhunderten ab. Den Blick auf den Boden gerichtet schlenderten wir mehrere Strandabschnitte entlang. Anfangs total motiviert und entschlossen eine Pfeilspitze zu finden, trabte ich los und musterte jeden Stein ganz genau, wendete und drehte alles, was auch nur ansatzweise spitz war. Nach ca. 10 Minuten gab ich das haptische auf und suchte nur noch mit den Augen. Nach 30 Minuten fing ich an mich zu langweilen. Nach 45 Minuten tat mir der Nacken weh. Nach einer Stunde lief ich nur noch demotiviert vor mich hin und nach 90 Minuten hab ich’s aufgegeben und sonnte mich stattdessen. Gefunden hatte ich nichts, dafür aber Grant, der mir stolz seine zwei Fundstücke zeigte und erklärte worauf ich achten müsse. Ich entschloss mich dann aber doch die archäologische Karriere an den Nagel zu hängen und mich weiterhin auf das Schülerquälen zu konzentrieren. Wäre ja auch voll gemein, wenn ich Grant alle Fundstücke wegsuchen würde, dann bliebe ja nichts mehr für ihn übrig.

Als Belohnung für das spannende Steine Beobachten ging es zur Banana Island. Auch wenn der Name es vermuten lässt, gab es hier leider keine tropischen Früchte, dafür aber einen wundervollen Strand mit butterweichem Sand. Während Grant weiter nach steinzeitalterlichen Werkzeugen pilgerte, schwammen Christina und ich gegen den Strom – im wahrsten Sinne des Wortes. Direkt am Ufer herrschte so eine starke Strömung, dass man sich nicht vom Fleck bewegte, wenn man gegen sie ankämpfte. Eine super Möglichkeit sich total zu verausgaben, um anschließend dann ein wohl verdientes Nickerchen in der Sonne zu halten.

Als Grant von seiner Steinjagd zurück kam, machten wir uns langsam auf den Weg zurück zum See. Diesmal durfte ich ans Steuer und uns durch die engen Kurven manövrieren. Was für ein Spaß über die Wellen zu springen und durch das Wasser zu gleiten, leider war die Fahrt viel zu kurz, weil wir einfach viel zu schnell entlang düsten. Mental schon auf die Heimfahrt eingestellt, drückte mir Grant dann den Schlüssel in die Hand und meinte: „Der Tank ist noch halbvoll, mach den mal auf dem See da drüben leer.“ Wer mich kennt weiß, dass ich natürlich überall helfe wo ich nur kann, also übernehme ich selbstverständlich auch diese höchst verantwortungsvolle Aufgabe. Was für ein Riesenspaß!!! Ich konnte gar nicht aufhören vor lauter Entzückung zu quieken, wenn ich über große Wellen flog. Mit dem kleinen Tuffteil war ich teilweise schneller als die ganzen anderen Motorboote auf dem Wasser und verfolgte deren Wellen, um lustige Sprünge und spaßige Drehungen zu machen. Nach ca. einer halben Stunde kehrte ich zurück und freute mich wie ein Kleinkind über einen Schokokeks. Wenn ich also mal groß bin und Geld habe, dann hol ich mir definitiv ein Jetski und mach die Gewässer dieser Welt unsicher!









Am nächsten Tag war irgendein nationaler Feiertag, so dass wir alle den Montag frei hatten und uns entschlossen mit meinem Gastbruder Kyle nach Clearwater in den Wells Grey Park zum Wandern zu fahren. Dafür ging es zwei Stunden den North Thompson River Richtung Norden entlang. Angekommen in einem großen Naturschutzgebiet, unternahmen wir mehrere kleinere Wanderungen durch den Wald und die Hügel, um mehrere Wasserfälle, Seen und beeindruckende Täler zu betrachten. Wir erkundschafteten rund 5 Stunden lang alle Schönheiten der Natur aus diesem Gebiet und Picknickten mit Flussrauschen in der Nähe einer kleinen Hütte. Idylle in ihrer wunderschönsten Form für den letzten freien Tag, bevor der Ernst der Uni beginnen würde.









Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen