Der gemütliche Konzerttag fand seinen Ausklang bei einem
Barbecue in der WG von einem Austauschstudenten aus Deutschland, der mit Neuseeländern
zusammen wohnt. Mit Burger, Salat und Bier ließen wir den Abend gemütlich
angehen, da die nächsten Tage für mich noch aufregend genug sein werden.
Gleich am nächsten Morgen stand erstmal eine weitere
Joggingeinheit auf dem Programm und während ich fluchend die Hügel bezwang
bereiteten Grant und Christina alles für unseren Tagesausflug vor. Das nächste
Ziel heißt Little Shuswap Lake und liegt gut eine Autostunde in östlicher
Richtung. Hier würden wir einige Spaziergänge unternehmen, baden gehen und was
wohl das coolste ist: Jetski fahren. Grant ist im Besitz eines etwas älteren
Modells der Kategorie Oldfashion, wo zwei (in schlanken Fällen auch drei)
Personen nebeneinander sitzen können. Das Wassergefährt ist schon etwas in die
Jahre gekommen, aber man soll sich von dem 90er Jahre Farbstil nicht täuschen
lassen, da ein brandneuer Motor erst vor kurzem eingebaut wurde und wow hat das
Ding einen Speed drauf. Da denkt man, man tuckert geschmeidig vor sich hin und
guckt sich bisschen die Landschaft dabei an – nichts da, kaum ist der Motor
gestartet geht das Ding ab wie Schmitz Katze und man rauscht mit knapp 70Km/h
übers Wasser. Der einst als gemütlicher Sonntagsausflug getarnte Tagesausflug
entpuppte sich als ein Adrenalin- und Sportevent. Zu dritt heizten wir den
South Thompson River entlang und klapperten einen Strand nach dem anderen ab.
In den Pausen am Festland ging es dann ruhiger und in gebückter Haltung zu, da
wir auf der Suche nach Pfeilspitzen waren. Grant ist ein leidenschaftlicher
Pfeilspitzensammler und besitzt praktisch ein eigenes Museum im Keller mit
Steinen jeglicher Größen und Formen aus aller Welt und zu jeder Pfeilspitze hat
er eine spannende Geschichte auf Lager. Die kleineren Pfeilspitzen verarbeitet
Christina dann zu Schmuck oder beeindruckenden Bildern, die überall im Haus
verteilt sind. Immer wenn die Beiden also Zeit und Muße haben, schwingen sie
sich auf den Jetski und suchen nahe zu den gesamten Fluss und jede anderen
nähere Umgebung nach den charakteristisch aus Stein geformten Jagd- und
Kriegsinstrumenten aus vergangenen Jahrhunderten ab. Den Blick auf den Boden
gerichtet schlenderten wir mehrere Strandabschnitte entlang. Anfangs total
motiviert und entschlossen eine Pfeilspitze zu finden, trabte ich los und
musterte jeden Stein ganz genau, wendete und drehte alles, was auch nur
ansatzweise spitz war. Nach ca. 10 Minuten gab ich das haptische auf und suchte
nur noch mit den Augen. Nach 30 Minuten fing ich an mich zu langweilen. Nach 45
Minuten tat mir der Nacken weh. Nach einer Stunde lief ich nur noch demotiviert
vor mich hin und nach 90 Minuten hab ich’s aufgegeben und sonnte mich
stattdessen. Gefunden hatte ich nichts, dafür aber Grant, der mir stolz seine
zwei Fundstücke zeigte und erklärte worauf ich achten müsse. Ich entschloss mich
dann aber doch die archäologische Karriere an den Nagel zu hängen und mich
weiterhin auf das Schülerquälen zu konzentrieren. Wäre ja auch voll gemein,
wenn ich Grant alle Fundstücke wegsuchen würde, dann bliebe ja nichts mehr für
ihn übrig.
Als Belohnung für das spannende Steine Beobachten ging es
zur Banana Island. Auch wenn der Name es vermuten lässt, gab es hier leider
keine tropischen Früchte, dafür aber einen wundervollen Strand mit
butterweichem Sand. Während Grant weiter nach steinzeitalterlichen Werkzeugen
pilgerte, schwammen Christina und ich gegen den Strom – im wahrsten Sinne des
Wortes. Direkt am Ufer herrschte so eine starke Strömung, dass man sich nicht
vom Fleck bewegte, wenn man gegen sie ankämpfte. Eine super Möglichkeit sich
total zu verausgaben, um anschließend dann ein wohl verdientes Nickerchen in
der Sonne zu halten.
Als Grant von seiner Steinjagd zurück kam, machten wir uns
langsam auf den Weg zurück zum See. Diesmal durfte ich ans Steuer und uns durch
die engen Kurven manövrieren. Was für ein Spaß über die Wellen zu springen und
durch das Wasser zu gleiten, leider war die Fahrt viel zu kurz, weil wir
einfach viel zu schnell entlang düsten. Mental schon auf die Heimfahrt
eingestellt, drückte mir Grant dann den Schlüssel in die Hand und meinte: „Der
Tank ist noch halbvoll, mach den mal auf dem See da drüben leer.“ Wer mich
kennt weiß, dass ich natürlich überall helfe wo ich nur kann, also übernehme
ich selbstverständlich auch diese höchst verantwortungsvolle Aufgabe. Was für
ein Riesenspaß!!! Ich konnte gar nicht aufhören vor lauter Entzückung zu
quieken, wenn ich über große Wellen flog. Mit dem kleinen Tuffteil war ich
teilweise schneller als die ganzen anderen Motorboote auf dem Wasser und
verfolgte deren Wellen, um lustige Sprünge und spaßige Drehungen zu machen. Nach
ca. einer halben Stunde kehrte ich zurück und freute mich wie ein Kleinkind
über einen Schokokeks. Wenn ich also mal groß bin und Geld habe, dann hol ich
mir definitiv ein Jetski und mach die Gewässer dieser Welt unsicher!
Am nächsten Tag war irgendein nationaler Feiertag, so dass
wir alle den Montag frei hatten und uns entschlossen mit meinem Gastbruder Kyle
nach Clearwater in den Wells Grey Park zum Wandern zu fahren. Dafür ging es
zwei Stunden den North Thompson River Richtung Norden entlang. Angekommen in
einem großen Naturschutzgebiet, unternahmen wir mehrere kleinere Wanderungen
durch den Wald und die Hügel, um mehrere Wasserfälle, Seen und beeindruckende
Täler zu betrachten. Wir erkundschafteten rund 5 Stunden lang alle Schönheiten
der Natur aus diesem Gebiet und Picknickten mit Flussrauschen in der Nähe einer
kleinen Hütte. Idylle in ihrer wunderschönsten Form für den letzten freien Tag,
bevor der Ernst der Uni beginnen würde.
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