Wie im
letzten Beitrag ausführlich dargestellt, ist der Winter mit allen seinen
Vorzügen vollkommen in Kanada angekommen und die relativ ruhige Woche wurde zum
Entspannen und planen weiterer Trips genutzt. Für den Dezember und die nächsten
Wochenenden sind somit schon die nächsten spannenden Ereignisse organisiert und
eins davon war der lang ersehnte Skisaisonstart.
Pünktlich um 8 Uhr morgens am Samstag versammelten sich Conny, Flo, Lukas und ich um Johns Auto. Bepackt mit Skiern, Snowboards und unglaublich guter Laune und einem Dauergrinsen sollte es nach Sun Peaks gehen, das drittbeste Skigebiet in Kanada. 45 Minuten geballte Vorfreude, exzessiver Kaffeegenuss und zu laute Musik später sind wir dann endlich auf dem überfüllten Parkplatz angekommen. Fröhlich wurden schnell die Tickets gekauft und kurze Zeit später saßen wir auch schon lustig im Skilift. Oben angekommen, musste erst ein Gute-Laune-Gipfel-Tanz ausgeführt werden, was auch gleichzeitig als Erwärmung fungierte. Wer in Skischuhen mal versucht hat zu hüpfen, der weiß wovon ich rede… Dann aber genug Zeit verschwendet, Ausblick aufs Tal und den Smalltalk mit den Anderen kann man auch später noch machen, also ab die Post und runter die Piste – Yippiejayeahi! Schon das ganze Jahr, den ganzen Aufenthalt und jede einzelne Sekunde der letzten Wochen habe ich mich so sehr auf diesen Moment gefreut und endlich ist er da. Gleiten, Carven, Kurzschwünge, Hügelhüpfen und Drehungen – der erste Tag war perfekt. Zu meinem Erstaunen bin ich nicht Hingefallen, was ziemlich untypisch für mich ist. Wer mich kennt, weiß dass ich bei sämtlichen sportlichen Aktivitäten mindestens einmal den Boden knutsche. Unterwegs im recht großen Skigebiet mit einer guten Auswahl an verschiedenen Pistenschwierigkeiten trafen wir auf nahezu die gesamte internationale Gemeinschaft. Mit insgesamt 6 großen Autos stürmte unsere Studentengruppe das Skigebiet. Im Skilift, beim Lunch, auf dem Parkplatz, auf der Piste, überall sah man bekannte Gesichter und wie jeder mehr oder weniger glücklich seinen Weg nach unten machte. Während einige die Pisten im positiven Sinne hinunter flogen, traf es einige leider im negativen Sinne. Manche hatten spontanen Körperkontakt mit anderen Fahrern, andere umarmten unplanmäßig Bäume und einige übten Purzelbäume auf einer schwarzen Piste und so hörte man am Abend als man den nächsten Skitag planen wollte, körperliche Beschwerden aus jeder Ecke. Knie verdreht hier, Knöchel verstaucht da, Arm angeschwollen dort und leider auch ein Krankenhausbesuch. Glücklicherweise beschränkt sich der Schaden nur auf kleinere Wehwehchen, die bis auf etwas Ruhestellung und Kühlungen keinen Gips oder Krücken benötigen. Die meisten Klagen kamen hauptsächlich bezüglich des Muskelkaters und auch ich habe das charakteristische Ziehen in den Oberschenkeln vernommen, aber es gab schon schlimmere Schmerzen und der Muskelkater wird einfach weggefahren. Außerdem überwiegt der Spaß am Berg als das Jammern. Als wir beim gemeinsamen Abendessen in einem mongolischen All-you-can-eat-Restaurant (ein Paradies aus gegrilltem Gemüse und Nüssen) den Tag resümierten und die nächste Fahrt planen wollten, sprang plötzlich einer nach dem anderen ab. Man müsse noch lernen, man wolle es nicht übertreiben, man hätte noch viel zu erledigen und man wolle fit sein für das nächste Wochenende. Tage und Stunden zuvor war sich jeder noch einig beide Tage zu fahren und nun bekam man diese und ähnliche Ausreden zu hören. Die Skigebietbewohner Conny aus Österreich, Flo aus Bayern, Lukas aus der Schweiz, Daniel aus Finnland, Marius, Henrik und Christian aus Norwegen und alle anderen Österreicher, Schweizer und Gebirgseinheimnischen – keiner wollte mehr in den Genuss des Schneebrettfahrens kommen. Doch für mich stand fest den nächsten Tag definitiv auch wieder am Berg zu verbringen und zum Glück war wenigstens Mic derselben Meinung und glücklicherweise hatte er auch ein Auto und damit war mein Tag gerettet. Zu zweit machten wir also das Skigebiet unsicher und flitzen eine Route nach der anderen in einer großartigen Intensität hinunter, sodass die Skiliftbetreiber uns schon beim Namen kannten. Gemeinsam rauschten wir durch unpräparierte Waldhänge, nahmen jeden Schneehügel zum Springen mit und traten im Rennen gegeneinander an. Wer hätte gedacht, dass ausgerecht ein Australier, der aus einem kleinen Dörfchen am Strand in der Nähe von Brisbane kommt, wo man den kalten Aggregatzustand von Wasser nur als Eiswürfel und Vanilleeis kennt und der vor drei Jahren das erste Mal Schnee gesehen hat so viel Spaß und Freude beim Skifahren bringt. Im Lift wurden dann jegliche Vorurteile gegenüber Deutschland und Australien ausdiskutiert und natürlich die typisch spaßige Kiwi-Aussie-Auseinandersetzung geführt. Stellvertretend für Neuseeland (mit meinem Kiwi am Fuß fühl ich mich einfach verantwortlich) verteidigte ich die nationale Rugby-Mannschaft und stritt mich im spaßigen Sinne über die letzte Weltmeisterschaft. Zwischendurch forderten wir uns gegenseitig im Pistenrennen heraus und beleuchteten dann im Gespräch wieder die typischen Weihnachtsrituale aus unseren Ländern. Zum Abschluss des Tages warf ich im spektakulären Purzelbaum beide Skier durch die Luft und Mic blieb mit seinem Snowboard im harten Tiefschnee stecken. Verletzungen blieben zum Glück aus bis auf Banff. Mein rechter Ski verzeichnet jetzt leider eine riesige Schramme und wird mich wohl zukünftig immer an diesen verrückten Tag erinnern. Mit einem breiten Lächeln verließen wir wohlauf wieder gemeinsam das Skigebiet.
Als Resümee
sei gesagt, dass das Wochenende genau meinen Vorstellungen und Erwartungen
entsprach. Ich bin glücklicher denn je und habe in voller Freude darüber mir
auch schon einen Saisonpass für Whistler besorgt. Wer mit diesem weltberühmten
Skigebiet nichts anfangen kann und neugierig ist, sollte es unbedingt Mal bei
Google Bilder eingeben und sich vom Pistenplan umhauen lassen. Zu Sun Peaks ist
zu sagen, dass es definitiv viele gute, schöne und herausfordernde Pisten
besitzt, jedoch es nicht wirklich mit Österreich zu vergleichen ist. Wir
Europäer sind in diesem Zusammenhang etwas verwöhnt und wer aus dem Alpenland
hierher kommt wird die urigen Almhütten und typischen Holzbuden mit Musik und
Skiwasser vermissen. Auch Aprés Ski sucht man hier vergebens und die Klapper-Lifte
können mit den Hightech-Sechssitzern mit Sitzheizung nicht mithalten.
Käsespätzle, Schnitzel und moonbedeckte Germknödel die in Vanillesoße ertrinken
sind im Speiseplan auch nicht aufzufinden, aber dafür hat man hier auch keine
unangenehmen Menschenmassen und nahezu jede Piste nur für sich allein und kann
über die gesamte Länge neue Techniken ausprobieren ohne Angst zu haben in
jemanden hineinzurasen. Whistler soll aber größer, voller und besser als Sun
Peaks sein. Das werde ich dann am nächsten Wochenende in Erfahrung bringen. Bis
dahin erfreue ich mich über meinen Muskelkater und die Fotos.
Als ich
Sonntag nach dem langen Tag wieder zuhause an kam traf mich der
Weihnachtsschlag. Das ganze Haus war von oben bis unten und ins kleinste Detail
dekoriert. Lichterketten, Weihnachtssocken, Weihnachtsbaum und sonstige
Schneemann-Utensilien waren im gesamten Haus verteilt und machten mir deutlich,
dass Weihnachten vor der Tür steht. Weihnachtsstimmung? Fehlanzeige. Im ganzen
Lernstress und der Skivorfreude habe ich das Fest total aus den Augen verloren
und auch noch keinen einzige Weihnachtssong oder sonstiges zur Kenntnis
genommen. Da habe ich wohl einiges nachzuholen. Alle anderen um mich herum
scheinen jedoch schon voll und ganz vom Weihnachtsfiber gepackt zu sein und so
hatten Conny und Flo die hervorragende Idee einen Glühweinabend zu
veranstalten. Vielleicht würde mich ja der süße Geruch von Zimtsternen und
Nelken in die passende Stimmung bringen. Zusammen mit dem schmackhaften
Zimt-Spekulatius, die Flo original aus Deutschland von ihren Eltern geschickt
bekommen hat schlemmten wir uns durch den warmen Wein und ertränkten unseren
Muskelkater darin. In bester Gesellschaft summten wir Weihnachtslieder und tauschten
die wildesten Skigeschichten aus. Spätestens jetzt müsste ich auch total in
Christkindstimmung sein. Naja irgendwie immer noch nicht so richtig, aus
welchem Grund auch immer. Ist aber auch nicht weiter schlimm, da ich hier eh
nicht so viel Wert darauf lege und auch ohne großen Weihnachtsbraten glücklich
bin, zumal ich die Feiertage wahrscheinlich sowieso auf dem Berg verbringen
werde und mir damit das schönste Geschenk überhaupt machen kann.



