Mit der geschriebenen
Prüfung am Mittwoch, war die Uniwoche damit so gut wie vorbei, zumindest der
anstrengende Part. Also konnte man gemütlich am Donnerstag mit den Anderen in
einen lokalen Pub auf ein, zwei Bier gehen und beim Chickenwing-Thursday die
NHL Games am Bildschirm live mitverfolgen – Canadian feeling at it’s best.
Am
Freitagabend hieß es dann wieder ein typisch kanadisches Sporterlebnis zu
betrachten, diesmal jedoch mehr nach meinem Geschmack. Die Hähnchenflügel
wurden gegen Popcorn, der Pub durch den Bio-Hörsaal und der Großbild-Fernseher
gegen eine riesen Leinwand eingetauscht. Wo ich sonst immer nur Knochenstrukturen
und Proteinkanäle mit Latein-Englisch-Begriffen bestaunen darf, haben wir uns
diesmal hier versammelt um den neuen Snowboardfilm „Naturally“ von einem
(natürlich) kanadischen Snowboardprofi Jake Blauvelt zu studieren. Falls ihr
euch gerade an einem Ort befindet, wo man Schnee höchstens im Gefrierfach
findet und ihr damit überhaupt kein Problem habt, dann könnte ihr euch den
coolen Film bedenkenlos anschauen und damit die Langeweile vertreiben. Für alle
anderen die schon seit Wochen totally stoked about snow and stuff sind und die
Sehnsucht nach Bergen kaum aushalten können, schaut auf keinen Fall diesen
Film! Jeder klick auf diesen Link der zum Trailer führt ist auf eigene Gefahr.
Eltern haften für ihre Kinder und Studenten für ihre Kreditkarten. Beim
Angucken des Films kann es schnell zu Schnee-Entzugserscheinungen kommen deren
Symptome sich durch unkontrollierte Skireisebuchungen, exzessiven
Speiseeiskonsum, sowie durch permanentes Schneebrillen- und Mützentragen
äußeren. In extremen Fällen tragen betroffene Personen Wollmützen sogar in
geschlossenen Räumen! Be aware.
In
meinem Fall war das jedoch überhaupt kein Problem, da das Skigebiet direkt vor
der Tür liegt und ich bei -16°C
täglich meine Portion Schneeschaufel-Kratz-Geräusche erhalte. Der Film war
super, um die ohnehin schon bis ins Unendliche reichende Vorfreude noch weiter
zu steigern. Das dachten sich auch fast alle meine internationalen Freunde und
so füllte sich der Hörsaal mit hundert bekannten Gesichtern. Wo aber blieben
eigentlich die Kanadier? Die sind von dem frühen Schneefall anscheint etwas
genervt während die Anderen aus der Welt seit Wochen Pläne für Studienfreiezeit
schmieden. Bevor der Film begann wurden noch einige richtig gute Amateurvideos
von den Locals gezeigt und Preise wie Mützen, Schalls, Handschuhe, Pullover in
allen Farben von allen bekannten Marken verlost und quer durch den Saal zum
Auffangen geworfen – meine Gruppe ging fast leer aus, weil wie aus einem
Hörsaal gewohnt wir uns selbstverständlich ganz nach Hinten und damit zu weit
weg von der Werfreichweite gesetzt haben. Spaß und den entsprechenden
Vorgeschmack für die kommenden Wochen hatten wir trotzdem.
Am
Samstag wurde das gute Wetter dann zum Grillen genutzt. Minusgrade und Schnee -
genau die richtigen Wetterverhältnisse um den Grill anzufeuern und paar saftige
Gemüsesteak auf den Rost zu werfen. Der Spaß hatte natürlich einen guten
Grund: Johannes sein Geburtstag zusammen mit einer Abschieds-Party nach
Neuseeland von seinem Mitbewohner waren geplant. Neben dem Grillen wurde auch
ein Mäuserennen veranstaltet, das klassische Schiffe-Versenken wurde zum
Schnaps-Versenken umtransferiert und eine ordentliche Musikanlage mit Lasern,
sowie mehrere Runden Bierpong durften zu einer gelungenen Party natürlich auch
nicht fehlen. Bei solch einer Party die schon um 14 Uhr!!! Angefangen hat, war
die Nacht entsprechend lang und die Fotos nicht wirklich zur Veröffentlichung
geeignet. Bis auf wenige Ausnahme, die ihr hier bewundern dürft.
"This cristall-natural lager is clear as a mountain lake and at 5.6% it's burly as a BC bushman. One sip and you're the grizzly whisperer. The mud man. The longbeard. The Bushwhacking backwoods sasquatch wrangler. So enjoy, becuase out here only the strong survive."
Da weiß man was man trinkt...
Da weiß man was man trinkt...
Am
Sonntag musste dann der ganze Alkoholkonsum durch körperliche Betätigung
kompensiert werden und wo geht das besser als auf einem Berg? Belanden mit
Skiern, ungehemmten Spaß und meiner Gastfamilie, machten wir uns auf den Weg
zum Harper-Mountain, um das erste Mal Ski zu fahren. Die Skilifte waren zwar
noch nicht geöffnet, aber wozu hat man Beine, wenn man sie nicht zum Wandern
nutzt? Nach dem Film am Freitag konnte ich eh kaum eine Minute still halten und
bin deswegen bewaffnet mit Banff und Jasper den Hügel hinaufgekraxelt. Anstrengung
in einer neuen Dimension: Schwere Klamotten, schwere Schuhe, schwere Ausrüstung
und Bergauf – heiliger Mist. Wieso tu ich mir das eigentlich an, ich hätte auch
einfach zu Hause bleiben können, vor dem Fernseher und mir die Gemütlichkeit
aus der Nase popeln können. Stattdessen zählt man aber die Schweißperlen auf
der Haut, wenn man hinauf stampft. Wenn man dann aber endlich oben steht, den
Ausblick hat und die Skier unter den Füßen befestigt sind, dann genießt man
einfach nur das Gefühl. Das Gefühl von Natur, Leben und den Moment. Der
Moment, wo man dann auf dem Gipfel steht und die kalte Luft tief einatmet, das
ist der Moment wo man sich lebendig fühlt. Fühlen ist hierbei das richtige
Wort: die Beine schmerzen, die Lunge brennt, die Finger frieren und man spürt jedes
einzelne Körperteil in sich. Hier oben, fernab jeglicher Zivilisation,
interessiert es keinen wie du aussiehst, spielt es keine Rolle was für ein Auto
du fährst oder wie groß die Zahlen auf deinem Bildschirmkonto sind. Und mal
ganz ehrlich, ist das wirklich so wichtig im Leben? Hier ist man einfach nur
man selbst und lebt intensiv mit jeder Faser im Körper. Es ist genau dieser
Moment, der zählt und sonst nichts. Der Einklang von Körper und Natur und die
Verbundenheit zu den Ursprüngen seiner selbst.
Jetzt noch kurz die teuren
Skipässe würdigen und ihren Wert schätzen und dann ist auch genug der
Sentimentalität, denn nun heißt es: Runter die Piste!
Was man zuvor in einer gefühlten Ewigkeit hinauf gewandert ist, ist man nun in nullkommanichts hinunter gefahren. 3 Minuten des Lächelns und Gleitens. War es die Anstrengung wert? JA!! Und noch mal der Spaß? Ähm… nein. Sehen wir es als leckere Kostprobe und Einweihungsfahrt an und halten noch die eine Woche bevor die Skilifte und -pisten offiziell öffnen aus.
Was man zuvor in einer gefühlten Ewigkeit hinauf gewandert ist, ist man nun in nullkommanichts hinunter gefahren. 3 Minuten des Lächelns und Gleitens. War es die Anstrengung wert? JA!! Und noch mal der Spaß? Ähm… nein. Sehen wir es als leckere Kostprobe und Einweihungsfahrt an und halten noch die eine Woche bevor die Skilifte und -pisten offiziell öffnen aus.
Zum
Abschluss ging es noch auf einen kleinen Spaziergang am Paul Lake mit Chris und
Grant. Gemeinsam haben wir den sonnigen Tag mit Gesprächen am Wasser ausklingen
lassen und uns gegenseitig den Mund wässrig geredet. Zurück im warmen Haus
angekommen, wurde nämlich Pizza und !!!Schokolade!!! selbst gemacht. Kyle kam
auch und bewaffnet mit Nüssen, Kokosstreuseln, Mandelmilch und Espressobohnen
wurde die rohe Bio-Kakaomasse zunächst erwärmt und dann mit den Zutaten zu
hübschen und kreativen Pralinen geformt. Sauerei und Spaß zugleich.
So und nicht anders scheint wohl ein perfekter Sonntag
auszusehen. Lecker, aktiv und landschaftlich schön.



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