Zitat

"Das Leben wird nicht gemessen an der Zahl der Atemzüge, sondern an den Orten und Momenten, die uns den Atem rauben."

Mittwoch, 20. November 2013

The sweet Taste of Snow and Happiness

Mit der geschriebenen Prüfung am Mittwoch, war die Uniwoche damit so gut wie vorbei, zumindest der anstrengende Part. Also konnte man gemütlich am Donnerstag mit den Anderen in einen lokalen Pub auf ein, zwei Bier gehen und beim Chickenwing-Thursday die NHL Games am Bildschirm live mitverfolgen – Canadian feeling at it’s best.
 
Am Freitagabend hieß es dann wieder ein typisch kanadisches Sporterlebnis zu betrachten, diesmal jedoch mehr nach meinem Geschmack. Die Hähnchenflügel wurden gegen Popcorn, der Pub durch den Bio-Hörsaal und der Großbild-Fernseher gegen eine riesen Leinwand eingetauscht. Wo ich sonst immer nur Knochenstrukturen und Proteinkanäle mit Latein-Englisch-Begriffen bestaunen darf, haben wir uns diesmal hier versammelt um den neuen Snowboardfilm „Naturally“ von einem (natürlich) kanadischen Snowboardprofi Jake Blauvelt zu studieren. Falls ihr euch gerade an einem Ort befindet, wo man Schnee höchstens im Gefrierfach findet und ihr damit überhaupt kein Problem habt, dann könnte ihr euch den coolen Film bedenkenlos anschauen und damit die Langeweile vertreiben. Für alle anderen die schon seit Wochen totally stoked about snow and stuff sind und die Sehnsucht nach Bergen kaum aushalten können, schaut auf keinen Fall diesen Film! Jeder klick auf diesen Link der zum Trailer führt ist auf eigene Gefahr. Eltern haften für ihre Kinder und Studenten für ihre Kreditkarten. Beim Angucken des Films kann es schnell zu Schnee-Entzugserscheinungen kommen deren Symptome sich durch unkontrollierte Skireisebuchungen, exzessiven Speiseeiskonsum, sowie durch permanentes Schneebrillen- und Mützentragen äußeren. In extremen Fällen tragen betroffene Personen Wollmützen sogar in geschlossenen Räumen! Be aware.
In meinem Fall war das jedoch überhaupt kein Problem, da das Skigebiet direkt vor der Tür liegt und ich bei -16°C täglich meine Portion Schneeschaufel-Kratz-Geräusche erhalte. Der Film war super, um die ohnehin schon bis ins Unendliche reichende Vorfreude noch weiter zu steigern. Das dachten sich auch fast alle meine internationalen Freunde und so füllte sich der Hörsaal mit hundert bekannten Gesichtern. Wo aber blieben eigentlich die Kanadier? Die sind von dem frühen Schneefall anscheint etwas genervt während die Anderen aus der Welt seit Wochen Pläne für Studienfreiezeit schmieden. Bevor der Film begann wurden noch einige richtig gute Amateurvideos von den Locals gezeigt und Preise wie Mützen, Schalls, Handschuhe, Pullover in allen Farben von allen bekannten Marken verlost und quer durch den Saal zum Auffangen geworfen – meine Gruppe ging fast leer aus, weil wie aus einem Hörsaal gewohnt wir uns selbstverständlich ganz nach Hinten und damit zu weit weg von der Werfreichweite gesetzt haben. Spaß und den entsprechenden Vorgeschmack für die kommenden Wochen hatten wir trotzdem.
 
Am Samstag wurde das gute Wetter dann zum Grillen genutzt. Minusgrade und Schnee - genau die richtigen Wetterverhältnisse um den Grill anzufeuern und paar saftige Gemüsesteak auf den Rost zu werfen. Der Spaß hatte natürlich einen guten Grund: Johannes sein Geburtstag zusammen mit einer Abschieds-Party nach Neuseeland von seinem Mitbewohner waren geplant. Neben dem Grillen wurde auch ein Mäuserennen veranstaltet, das klassische Schiffe-Versenken wurde zum Schnaps-Versenken umtransferiert und eine ordentliche Musikanlage mit Lasern, sowie mehrere Runden Bierpong durften zu einer gelungenen Party natürlich auch nicht fehlen. Bei solch einer Party die schon um 14 Uhr!!! Angefangen hat, war die Nacht entsprechend lang und die Fotos nicht wirklich zur Veröffentlichung geeignet. Bis auf wenige Ausnahme, die ihr hier bewundern dürft.





 
"This cristall-natural lager is clear as a mountain lake and at 5.6% it's burly as a BC bushman. One sip and you're the grizzly whisperer. The mud man. The longbeard. The Bushwhacking backwoods sasquatch wrangler. So enjoy, becuase out here only the strong survive."

Da weiß man was man trinkt...



 
 
Am Sonntag musste dann der ganze Alkoholkonsum durch körperliche Betätigung kompensiert werden und wo geht das besser als auf einem Berg? Belanden mit Skiern, ungehemmten Spaß und meiner Gastfamilie, machten wir uns auf den Weg zum Harper-Mountain, um das erste Mal Ski zu fahren. Die Skilifte waren zwar noch nicht geöffnet, aber wozu hat man Beine, wenn man sie nicht zum Wandern nutzt? Nach dem Film am Freitag konnte ich eh kaum eine Minute still halten und bin deswegen bewaffnet mit Banff und Jasper den Hügel hinaufgekraxelt. Anstrengung in einer neuen Dimension: Schwere Klamotten, schwere Schuhe, schwere Ausrüstung und Bergauf – heiliger Mist. Wieso tu ich mir das eigentlich an, ich hätte auch einfach zu Hause bleiben können, vor dem Fernseher und mir die Gemütlichkeit aus der Nase popeln können. Stattdessen zählt man aber die Schweißperlen auf der Haut, wenn man hinauf stampft. Wenn man dann aber endlich oben steht, den Ausblick hat und die Skier unter den Füßen befestigt sind, dann genießt man einfach nur das Gefühl. Das Gefühl von Natur, Leben und den Moment. Der Moment, wo man dann auf dem Gipfel steht und die kalte Luft tief einatmet, das ist der Moment wo man sich lebendig fühlt. Fühlen ist hierbei das richtige Wort: die Beine schmerzen, die Lunge brennt, die Finger frieren und man spürt jedes einzelne Körperteil in sich. Hier oben, fernab jeglicher Zivilisation, interessiert es keinen wie du aussiehst, spielt es keine Rolle was für ein Auto du fährst oder wie groß die Zahlen auf deinem Bildschirmkonto sind. Und mal ganz ehrlich, ist das wirklich so wichtig im Leben? Hier ist man einfach nur man selbst und lebt intensiv mit jeder Faser im Körper. Es ist genau dieser Moment, der zählt und sonst nichts. Der Einklang von Körper und Natur und die Verbundenheit zu den Ursprüngen seiner selbst.
Jetzt noch kurz die teuren Skipässe würdigen und ihren Wert schätzen und dann ist auch genug der Sentimentalität, denn nun heißt es: Runter die Piste!
Was man zuvor in einer gefühlten Ewigkeit hinauf gewandert ist, ist man nun in nullkommanichts hinunter gefahren. 3 Minuten des Lächelns und Gleitens. War es die Anstrengung wert? JA!! Und noch mal der Spaß? Ähm… nein. Sehen wir es als leckere Kostprobe und Einweihungsfahrt an und halten noch die eine Woche bevor die Skilifte und -pisten offiziell öffnen aus.
 
 
 
 
 
 

Zum Abschluss ging es noch auf einen kleinen Spaziergang am Paul Lake mit Chris und Grant. Gemeinsam haben wir den sonnigen Tag mit Gesprächen am Wasser ausklingen lassen und uns gegenseitig den Mund wässrig geredet. Zurück im warmen Haus angekommen, wurde nämlich Pizza und !!!Schokolade!!! selbst gemacht. Kyle kam auch und bewaffnet mit Nüssen, Kokosstreuseln, Mandelmilch und Espressobohnen wurde die rohe Bio-Kakaomasse zunächst erwärmt und dann mit den Zutaten zu hübschen und kreativen Pralinen geformt. Sauerei und Spaß zugleich.
 





 
So und nicht anders scheint wohl ein perfekter Sonntag auszusehen. Lecker, aktiv und landschaftlich schön.

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