Liebe Leserschaft, dieser
Blogeintrag stellt eine sehr wichtige Eilmeldung aus Kamloops dar. Gravierende
Atmosphärenänderungen hatten Unfälle, Gemütszustandswechsel und überfordernde
Situationen zur Folge. Die gesamte Kleinstadt ist betroffen und verschiedenste
Reaktionen der Einwohner beeinflussen zukünftige Aktivitäten. Das gesamte Bild
der Stadt hat sich über Nacht verändert und stellt einen lang anhaltenden Wandel
dar. Die Aufregung ist groß!
Denn es hat GESCHNEIT!!!
Pünktlich zum Novemberbeginn hat
es den frühsten Schneefall seit Jahren hier gegeben. Die Skisaison wird offiziell
erst in 3 bis 4 Wochen eröffnet, aber meine weiße Vorfreude ließ sich
(wahrscheinlich extra für mich) schon jetzt in großen Flocken auf den trockenen
Boden nieder. Dank der kalten Temperaturen bleibt das kühle Gold oberhalb der
Schneegrenze von 900 Metern auch schön liegen und überdeckte die rotbraunen
Felsberge mit einer zarten Schneehaube. Der Blick aus dem Wohnzimmer- und
Küchenfenster sorgt wegen des Dauergrinsens für schmerzende Muskelkatergrübchen
und auch die anderen Studenten können ihre Freude kaum zurückhalten.
Überglücklich über diese
Wetteränderung, machten meine Gastmutter Christine, ihre Freundin Deb und ich
uns auf dem Weg zum Paul Lake. Oder wir haben es zumindest versucht, denn der
steile Berg hinauf zum See stellte für das Frontantriebauto eine
Herausforderung dar. Während wir noch gemütlich bergauf vor uns hin tuckerten
konnten wir beobachten wie die Schneeflocken im größer und der Schneefall immer
dichter wurde. Dementsprechend waren die Straßenverhältnisse eher suboptimal,
denn ein Räumungsfahrzeug war zu der Zeit noch nicht im Einsatz. Ca. 2Km vor
dem Ziel kam es natürlich so wie es kommen musste: unser Auto blieb am
Straßenrand stecken und wir konnten gerade so ein Wegrutschen in den Graben
verhindern. Für echte Kanadier aber kein Problem, sofort hieß es „Raus Mädels,
jetzt wird geschoben!“ Während Christine also versuchte das Auto wieder auf die
Straße zu lenken versuchten Deb und ich den Wagen anzuschieben, was aber eher
semigut geklappt hat. Unter den Rädern befand sich einfach zu viel Eis und
Schnee, weswegen keine Haftung mehr gegeben war. Die Lösung für dieses Dilemma
hieß jedoch Dreck! So schaufelten wir akribisch so viel braunes Gold wie
möglich, was wir unter dem Schnee finden konnten und platzierten es vor die
Räder, räumten etwas die Straße frei und dann auf ein Neues: Three, two, one
and Push!! Und es hat tatsächlich geklappt, gemeinsam haben wir Mädels das Auto
wieder auf die Straße bekommen – Gott segne den Dreck! Nach dieser Aktion haben
wir beschlossen das Auto stehen zu lassen und zu Fuß weiter zu gehen. Zum Paul
Lake würden wir es zwar nicht schaffen, aber so eine kleine Winterwanderung am
Straßenrand hat doch auch etwas für sich. Damit haben wir die Kanadier aber
wohl etwas überfordert, denn wenn drei Mädels alleine die Straße entlang
wandern hält natürlich jedes Auto an und fragt nach dem Wohlbefinden oder ob
man Hilfe bräuchte oder man uns irgendwohin mitnehmen könnte. „Oh no we’re just taking a nice walk in the
snow and enjoy the winter wonderland.“ Achso, dann denn schönen Tag noch. Unterwegs
trafen wir noch auf ein Auto, das nicht so viel Glück hatte wie wir und im
Graben seit über einer Stunde auf den Abschleppdienst wartete. Zudem machten
wir noch eine nette Bekanntschaft mit einem Bullen und umarmten Strommaste als
Zeichen unserer Dankbarkeit für die Zivilisation und als Zeichen für den
Rückweg.
Zurück Zuhause gab es warmen Tee
und abends noch einen netten Filmabend mit den Jungs. Was soviel bedeutet wie
einen Snowboardfilm und einen Quentin Tarantino Film mit Bier und Pizza zu
gucken. Den Sinn von Reservoir Dogs haben wir nicht wirklich
herausgefunden, aber immerhin festgestellt, dass es ein super Trinkspiel ist.
Bei jedem gesagten „Fuck“ muss man einen Schluck trinken und ist sicherlich schon
nach zwei Minuten lustig.
Den
Sonntag meines eher ruhigen Wochenendes ohne jeglichen Ausflug verbrachte ich
mit Filmen und Lernen im Bett. Abends jedoch stand eine kleine vegane
Dinner-Party auf dem Programm. Christine and Grant haben einige Freude zum
Essen und Rezepte austauschen eingeladen. 9 Personen, allesamt vegan, jeder hat
ein schmackhaftes Gericht mitgebracht und alle waren bis zum letzten Tofukrümel
abgefüllt und glücklich. Es war sehr amüsant und interessant die Hintergründe
für den tierfreundlichen Lebensstill zu erfahren: Einer stellte auf Gemüse und
Obst um, nachdem er einen Herzinfarkt erlitten hatte und vom Arzt die
Empfehlung erhalten hatte, die Anderen wurden von ihren umweltfreundlichen
Kindern inspiriert und eine andere Person hatte nach einer Dokumentation über
Tierproduktion den Entschluss gefasst.
Für mich
waren die Umweltfreundlichkeit und die Tierquälerei in der Massenproduktion ausschlaggebend,
doch seit meiner Gastfamilie habe ich noch viel mehr über Gesundheit und
Körperfunktionen erfahren, sodass auch dies nun einen Grund für mein tierloses
Essverhalten darstellt und um die erste Frage, die mir alle zu Anfang stellen,
gleich zu beantworten: Ja, ich nehme mehr als genug Eiweiße zu mir.
In
diesem gemüsigen Sinne verabschiede ich mich obstig von euch und berichte bald
wieder. J
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