Zitat

"Das Leben wird nicht gemessen an der Zahl der Atemzüge, sondern an den Orten und Momenten, die uns den Atem rauben."

Dienstag, 5. November 2013

!!! Breaking News !!!


Liebe Leserschaft, dieser Blogeintrag stellt eine sehr wichtige Eilmeldung aus Kamloops dar. Gravierende Atmosphärenänderungen hatten Unfälle, Gemütszustandswechsel und überfordernde Situationen zur Folge. Die gesamte Kleinstadt ist betroffen und verschiedenste Reaktionen der Einwohner beeinflussen zukünftige Aktivitäten. Das gesamte Bild der Stadt hat sich über Nacht verändert und stellt einen lang anhaltenden Wandel dar. Die Aufregung ist groß!
Denn es hat GESCHNEIT!!!
 
 

Pünktlich zum Novemberbeginn hat es den frühsten Schneefall seit Jahren hier gegeben. Die Skisaison wird offiziell erst in 3 bis 4 Wochen eröffnet, aber meine weiße Vorfreude ließ sich (wahrscheinlich extra für mich) schon jetzt in großen Flocken auf den trockenen Boden nieder. Dank der kalten Temperaturen bleibt das kühle Gold oberhalb der Schneegrenze von 900 Metern auch schön liegen und überdeckte die rotbraunen Felsberge mit einer zarten Schneehaube. Der Blick aus dem Wohnzimmer- und Küchenfenster sorgt wegen des Dauergrinsens für schmerzende Muskelkatergrübchen und auch die anderen Studenten können ihre Freude kaum zurückhalten.
Überglücklich über diese Wetteränderung, machten meine Gastmutter Christine, ihre Freundin Deb und ich uns auf dem Weg zum Paul Lake. Oder wir haben es zumindest versucht, denn der steile Berg hinauf zum See stellte für das Frontantriebauto eine Herausforderung dar. Während wir noch gemütlich bergauf vor uns hin tuckerten konnten wir beobachten wie die Schneeflocken im größer und der Schneefall immer dichter wurde. Dementsprechend waren die Straßenverhältnisse eher suboptimal, denn ein Räumungsfahrzeug war zu der Zeit noch nicht im Einsatz. Ca. 2Km vor dem Ziel kam es natürlich so wie es kommen musste: unser Auto blieb am Straßenrand stecken und wir konnten gerade so ein Wegrutschen in den Graben verhindern. Für echte Kanadier aber kein Problem, sofort hieß es „Raus Mädels, jetzt wird geschoben!“ Während Christine also versuchte das Auto wieder auf die Straße zu lenken versuchten Deb und ich den Wagen anzuschieben, was aber eher semigut geklappt hat. Unter den Rädern befand sich einfach zu viel Eis und Schnee, weswegen keine Haftung mehr gegeben war. Die Lösung für dieses Dilemma hieß jedoch Dreck! So schaufelten wir akribisch so viel braunes Gold wie möglich, was wir unter dem Schnee finden konnten und platzierten es vor die Räder, räumten etwas die Straße frei und dann auf ein Neues: Three, two, one and Push!! Und es hat tatsächlich geklappt, gemeinsam haben wir Mädels das Auto wieder auf die Straße bekommen – Gott segne den Dreck! Nach dieser Aktion haben wir beschlossen das Auto stehen zu lassen und zu Fuß weiter zu gehen. Zum Paul Lake würden wir es zwar nicht schaffen, aber so eine kleine Winterwanderung am Straßenrand hat doch auch etwas für sich. Damit haben wir die Kanadier aber wohl etwas überfordert, denn wenn drei Mädels alleine die Straße entlang wandern hält natürlich jedes Auto an und fragt nach dem Wohlbefinden oder ob man Hilfe bräuchte oder man uns irgendwohin mitnehmen könnte. „Oh no we’re just taking a nice walk in the snow and enjoy the winter wonderland.“ Achso, dann denn schönen Tag noch. Unterwegs trafen wir noch auf ein Auto, das nicht so viel Glück hatte wie wir und im Graben seit über einer Stunde auf den Abschleppdienst wartete. Zudem machten wir noch eine nette Bekanntschaft mit einem Bullen und umarmten Strommaste als Zeichen unserer Dankbarkeit für die Zivilisation und als Zeichen für den Rückweg.
Zurück Zuhause gab es warmen Tee und abends noch einen netten Filmabend mit den Jungs. Was soviel bedeutet wie einen Snowboardfilm und einen Quentin Tarantino Film mit Bier und Pizza zu gucken. Den Sinn von Reservoir Dogs haben wir nicht wirklich herausgefunden, aber immerhin festgestellt, dass es ein super Trinkspiel ist. Bei jedem gesagten „Fuck“ muss man einen Schluck trinken und ist sicherlich schon nach zwei Minuten lustig.
 
 
 
 
 
 
 
 

Den Sonntag meines eher ruhigen Wochenendes ohne jeglichen Ausflug verbrachte ich mit Filmen und Lernen im Bett. Abends jedoch stand eine kleine vegane Dinner-Party auf dem Programm. Christine and Grant haben einige Freude zum Essen und Rezepte austauschen eingeladen. 9 Personen, allesamt vegan, jeder hat ein schmackhaftes Gericht mitgebracht und alle waren bis zum letzten Tofukrümel abgefüllt und glücklich. Es war sehr amüsant und interessant die Hintergründe für den tierfreundlichen Lebensstill zu erfahren: Einer stellte auf Gemüse und Obst um, nachdem er einen Herzinfarkt erlitten hatte und vom Arzt die Empfehlung erhalten hatte, die Anderen wurden von ihren umweltfreundlichen Kindern inspiriert und eine andere Person hatte nach einer Dokumentation über Tierproduktion den Entschluss gefasst.
Für mich waren die Umweltfreundlichkeit und die Tierquälerei in der Massenproduktion ausschlaggebend, doch seit meiner Gastfamilie habe ich noch viel mehr über Gesundheit und Körperfunktionen erfahren, sodass auch dies nun einen Grund für mein tierloses Essverhalten darstellt und um die erste Frage, die mir alle zu Anfang stellen, gleich zu beantworten: Ja, ich nehme mehr als genug Eiweiße zu mir.
 
In diesem gemüsigen Sinne verabschiede ich mich obstig von euch und berichte bald wieder. J

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