Zitat

"Das Leben wird nicht gemessen an der Zahl der Atemzüge, sondern an den Orten und Momenten, die uns den Atem rauben."

Dienstag, 27. August 2013

Springen, streicheln und sprechen










Die folgenden Tage in der schönsten Stadt der Welt waren mindestens genauso schön und aufregend wie der Erste. Vancouver und ich – das ist Liebe auf den ersten Blick. Ich äußere meine Gefühl durch ein permanentes Lächeln, was mir schon etwas Muskelkater in der Mundgegend verschafft hat und die sonst so verregnete und in schaumige Wolken eingehüllte City strahlt – natürlich nur für mich – rund um die Uhr mit angenehmen 25°C (Oder auch 77° Fahrenheit). Vancouver und ich verstehen uns einfach.

Am zweiten Tag entschloss ich mich den Norden der Stadt zu erkunden und bin zum Lynn Valley Canyon gefahren. Hier gibt es eine lustige Seil-Hänge-Brücke, die so manchen nervösen Touristen ziemlich aus der Fassung bringen kann. So fies wie ich bin, lass ich mir den Spaß wegen Rücksichtnahme selbstverständlich nicht nehmen und hüpfe wie wild auf der 50m hohen Brücke rum, um dann der Gruppe kreischender Asiatinnen mit einem hämischen Grinsen zu entgegnen. Nach der todesmutigen Überquerung konnte man zur Entspannung zahlreiche kleinere und größere Wanderungen ins Hinterland unternehmen. U. a. zu den Rice Lakes und zu einem 30ft tiefen Pool. Wer also seinen Adrenalinspeicher auf der Brücke noch nicht ausreichend geleert hat, konnte noch locker lässig mit einem Backflip von den Klippen in den engen Spalt springen – so wie es einige Locals vormachten. Dummerweise befand sich meine Schwimm- und Springausrüstung im Hostel, so dass ich mich mit einer ca. 5Km Wanderungen am Wasser durch den Wald zufrieden geben musste.
Zurück in Downtown belohnte ich mich dann mit einem Quinoa-Burger in einem weiteren veganen Restaurant.

Der letzte Tag in Vancouver startete mit der Erledigung einiger organisatorischer Dinge, wie z. B. Unterlagen ausdrucken, Wörterbuch kaufen (meins liegt natürlich gemütlich in Berlin und hat Ferien) und eine kanadische Handynummer besorgen, damit ich meine Gastfamilie erreichen kann. Also ab in den nächsten Mobilephonshop und los geht’s:
Hier mein geliebtes Handy, hier haste Geld, meine ID und nen Lächeln gibt’s gratis dazu – los Telefonmensch mach mal was sinnvolles daraus. Nun ja mein strategisch vollkommen durchdachter Plan ging leider nicht auf, denn wer hätte es gedacht, aber mein wundervolles 17€ Handy aus Deutschland funktioniert in Kanada nicht. Ich hätte wohl doch einen Euro mehr investieren sollen, um eine höhere Frequenzreichweite zu haben, die auch für das Eskimoland genügt. Das heißt dann wohl neues Mobilephon kaufen… so ein Mist.
Na dann zeig mal was de so im Angebot hast… Mhm, ja, schön, sehr hübsch, aha. Und gibt’s auch etwas ohne Wisch- und Internetfunktion? Nein? Nur diese smarten Teile? Error!
Verdammt, da habe ich mich so lange gegen diese Touchdinger geweigert und ausgerechnet in Kanada muss ich mir jetzt doch so ein Grabbelteil zulegen. Ich bin natürlich nicht geizig und kaufe mir gleich den absoluten Newcomer unter den Smartphones - für umgerechnet 40€. Es heißt Samsung, mag gestreichelt werden und quiekt niedlich, wenn es vernachlässigt wird. Unter den Umständen freunde ich mich damit ja vielleicht doch noch an…

Nach dem actionreichen Vormittagsshoppen ging es wieder mit dem Seabus auf die anderen Küstenseite von Vancouver, um diesmal einen langen Spaziergang durch die Vororte zu unternehmen und dann über die Lions Gate Bridge, durch den Stanley Park zur English Bay zum Meet and Greet mit einer Falafel zum Relaxen zu gelangen. Als die Sonne sich dann wieder der anderen Seite der Welt widmete, machten der Kiwi aus dem Hostel und ich die Barszene unsicher und landeten in einem rustikalen Irish Pub. (Die gibt es auch überall auf dem Planeten, oder?) Neben grölenden Inselbewohnern quatschten der Neuseeländer und ich stundenlang über Neuseeland, Sport in Neuseeland, Reisen in Neuseeland, Filme in Neuseeland, Sehenswürdigkeiten in Neuseeland, die Leute in Neuseeland und natürlich Erdbeben. Gut möglich, dass wir auch kurz ein Wort über Kanada verloren haben, aber eigentlich orientierte sich unser Gespräch mehr in Richtung Südostpazifik. Auf dem Rückweg habe ich noch erfahren, dass ich einen leichten Kiwiakzent besitze (hihi), den auch der Wisch-Phon-Verkäufer bei mir entdeckte und mich daher versehentlich für eine Australierin oder einen Kiwi gehalten hat.
Das Grinsen darüber konnte ich mir natürlich nicht verkneifen und schlief damit ein.

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