Zitat

"Das Leben wird nicht gemessen an der Zahl der Atemzüge, sondern an den Orten und Momenten, die uns den Atem rauben."

Mittwoch, 25. Dezember 2013

Inselabenteuer Part One

Weihnachten und Prüfungen waren nun also vorbei und für viele meiner Mitstudenten die Tage in Kanada gezählt. Allmählich verkümmelten sich alle in ein Flugzeug und flogen in alle Erdteile der Welt. Diese traurigen Ereignisse muss man natürlich irgendwie verkraften und wie sollte es besser gehen als mit Abschiedsparties? Also lud Johannes wieder einmal die gesamte Stadt zu sich nach Hause ein, später ging es dann in eine Bar und danach in den einzigen Nightclub in Kamloops, der mit allen internationalen Studenten aus der Stadt gefüllt war. Im Studentenwohnheim wurden dann alle lustigen Geschichten und Ereignisse noch mal zum Besten gegeben und kaum hat man seinen Lachflash bändigen können, war es auch schon 6:30 Uhr. Wann geht eigentlich noch mal mein Bus nach Victoria? 7:50? Oh verdammt. Jedoch Dank meiner zahlreichen spontanen Ausflüge war ich mittlerweile ein Profi in Last-Minute-Packen und schaffte es in weniger als 90 Minuten nach Hause zu laufen, Sachen zu packen, zu duschen, ein Lunchpaket vorzubereiten und bei der 20 Laufminuten entfernten Bushaltestellen pünktlich anzukommen. Früher oder später würde ich daraus ein Geschäft machen und man kann mich für Improvisationsmanagement und Timelogistics in der Tourismusbranche mieten.
Jetzt hieß es aber erstmal in den Bus steigen, Sachen verstauen und schlafen! Schlaflose Nächte sind meiner Meinung nach immer noch die beste Art Jetlag und lange Reisezeiten zu verhindern. Die fünf Stunden im Bus wurden dank merkwürdiger Träume auf fünf Minuten reduziert und so fand ich mich in kürzester Zeit auf der Fähre von Vancouver nach Victoria auf Vancouver Island wieder. Das war also der Start meines lang geplanten Reiseabenteuers zusammen mit meinem französischen Freund David. Mit ihm hatte ich schon mehrere Roadtrips nach Banff und Jasper erlebt, doch da Mathias, Stéphane, Feli, Andi, Lenita. Christine und alle anderen üblichen Verdächtigen schon längst wieder in der Schweiz, Amerika, Neuseeland, Hawaii oder sonst wo sich Rumtreiben, blieben nur wir zwei übrig. Unser 9 Tage Trip begann mit einem der schönsten Sonnenuntergänge in Kanada. Die besagte Fähre zur Hauptinsel fuhr durch mehrere kleine idyllische Schären und die untergehende Abendsonne färbte die unterbrochene Wolkendecke in alle warmen Farben, die der Regenbogen zu bieten hat und tauchte die Inselchen und den Himmel in eine paradiesische Atmosphäre. Trotz der kalten Temperaturen verlieh mir dieses Naturschauspiel das Gefühl irgendwo in den Tropen unterwegs zu sein.
 
 
 
 
 
 
 
 

Angekommen in Victoria, der Provinzhauptstadt von Vancouver Island, wurde ich von den überall in der Stadt verteilten rot-weißen Ahornflaggen in meinen Gedanken schnell wieder in die kanadische Realität zurückgebracht. Die überschauliche Innenstadt erinnerte nicht nur mit dem Namen an eine englische Stadt, sondern auch mit ihren lebendigen und bunten Restaurants, Kaffeehäusern und den irischen Kneipen in alten Gebäuden mit künstlerischen Fassaden. Der unaufhörliche Regen trug ebenfalls zum Tea-Time-Charme bei. Am zweiten Tag unserer Reise erkundeten David und ich die Stadt zu Fuß und hatten Frühstück auf einem privaten Steg (psst nicht an die Eigentümer petzen) am Wasser gegenüber vom Hafen, besuchten den Public Market im Herzen der Stadt, schlenderten durch die schmale Fan-Tan-Alley in Chinatown und statteten dem Beacon Hill Park mit seinen tausenden Enten einen Besuch ab. Hier fanden wir auch den Meilenstein des Trans Canada Highway #1 vor. Die mit rund 7000Km lange Schnellstraße, welche quer durch Kanada von Ost nach West reicht, stellt die drittlängste Straßenverbindung in der Welt dar. (Russland und Australien nehmen die ersten Plätze ein) Ein Foto von dieser mehr oder weniger unglaublich faszinierenden Touristenattraktion darf natürlich im Sammelalbum nicht fehlen.
Abgeschlossen wurde die Tageswanderung in einem quirlig bunten Restaurant mit veganer Lasagne.
 
 
 
 
 
 

Nach der zweiten Nacht in der gemütlichen und Schildkrötenliebenden Budgetunterkunft namens „Turtle Hostel“ hieß es Goodbye in der Veganerfreundlichsten Stadt, die ich bisher Besucht hatte. Viele weitere Reisekilometer standen auf dem Zettel und diese würden mit unserem neuen komfortablen Freund „Black Jake“ (nein nicht Black Jack) absolvieren. Ein fahrbarer Untersatz in welchem wir die nächsten fünf Tage leben würden. Darfs dafür ein bisschen Luxus sein? Na aber klar doch! Wie wärs mit einem Dodge Grand Caravan in black metallic, Siebensitzer, Klimaanlage, Tempomat, Leichtmetallfelgen (keine Ahnung ob so was wichtig ist, aber klingt in der Werbung immer cool) und Fernstartfunktion? Mhm jaaa klingt ganz gut, aber wie siehts denn so mit Musik aus? Passend dazu hätten wir natürlich ein komplettes Multimediasystem mit Monitor, Radio, USB- und Audiojackanschluss. Ja okay, nehmen wir. Zum hier fahren oder mitnehmen? Mitnehmen! Und schon ging es los.
Supi aber wohin eigentlich? Joaaa gute Frage, einen richtigen Plan haben wir nicht gemacht, aber immerhin im Hostel und den Restaurants die Locals nach Tipps gefragt und alle waren sich einig, dass wir nach Tofino sollen. Das kleine Surferparadies liegt auf einer Halbinsel im Südwesten der Hauptinsel. Doch ehe wir dahin kommen, liegen noch viele andere kleine Örtchen und Schönheiten auf dem Weg. Zum Beispiel Sooke, Lake Cowichan, Port Alberni und vor allem viel, viel Wald. In Lake Cowichan haben wir am größten See der Insel eine Übernachtung eingelegt und sind nach einem Frühstück am Ufer dem Tipp eines Anwohners in einer Kneipe gefolgt und haben anstelle des Highways die unbefestigte Schotterstraße durch die Pampa genommen. Hier draußen war auch wirklich niemand zu finden und die Wetterverhältnisse änderten sich im Minutentakt. Regen, Schnee, Wind, Nebel. Alles worüber sich das Meterologenherz erfreut, außer Sonne. Aber auf diese Weise verwandelte sich der dichte Urwald in ein mystisches Szenario mit seiner ganz eigenen Schönheit. Der Weg auf der Schotterstraße zog sich ziemlich lange hin und so waren wir nach zwei Stunden doch recht froh wieder festen Asphalt unter den Rädern zu haben.
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Was uns dann in Port Alberni erwartete, berichte ich im zweiten Teil.

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