Wochenrückblick
Montag: lernen, essen, schlafen
Montag: lernen, essen, schlafen
Dienstag:
schlafen, lernen, essen
Mittwoch: last-minute lernen, Labor-Prüfung schreiben, ‚The Race’ mit Familie gucken
Donnerstag: Uni, Abschieds-Dinner und –Party von Signe und Ayda aus Norwegen
Freitag: Mit exakt 0% Schlaf um 7.30 Uhr von John abgeholt werden und dank flüssigem Hopfen deutlich angeheitert nach Whistler fahren.
Mittwoch: last-minute lernen, Labor-Prüfung schreiben, ‚The Race’ mit Familie gucken
Donnerstag: Uni, Abschieds-Dinner und –Party von Signe und Ayda aus Norwegen
Freitag: Mit exakt 0% Schlaf um 7.30 Uhr von John abgeholt werden und dank flüssigem Hopfen deutlich angeheitert nach Whistler fahren.
Nun war
es also endlich soweit, mit Conny, Flo, Lukas aus der Schweiz, John aus Taiwan
und Louise und Peter aus Dänemark machten wir uns mit guter Laune zum größten,
berühmtesten und besten Skigebiet in Kanada. Die vierstündige Fahrt nach
Vancouver, unserem Zwischenstopp, verging wie im Flug, was wohl den gemütlichen
Autositzen und meinem Nachholbedarf an Sandmännchensand (tolles Wort) zu
verdanken ist. Der Plan war es zunächst nach Vancouver zu fahren, um die
heimischen Bergen, die sich immer malerisch auf allen Fotos in den Hintergrund
der Metropole schmiegen, nun persönlich zu erkunden. Skifahrend versteht sich.
Auf Grouse Mountain gibt es die Möglichkeit des Nacht-Skifahrens, was so viel
bedeutet, dass alle Strecken beleuchtet sind und man somit bis 10 Uhr nachts
wortwörtlich auf Piste ist. Damit wir nicht wie die letzten Assis unsere sexy
Unterwäsche auf dem Parkplatz beim Wechsel in die Skiklamotten präsentieren
müssen, entschlossen wir uns eine Freundin von John zu besuchen, wo wir neben
einem netten Plausch bei Kaffee und Tee auch den Komfort von geschlossenen
Räumen nutzen konnten. Nach dieser kurzen Stärkung sollte es dann weiter gehen
nach Nord-Vancouver, wo die Berge uns schon sehnsüchtig erwarteten. Doch bevor
es wieder ins Auto ging, machten wir noch eine unterhaltsame Entdeckung. Wie
wir aus Erfahrung mittlerweile alle wissen, machen lange Autofahrten auf Dauer
blöd und Spaß-erfinderisch. Im Kofferraum unseres Mietwagens entdeckten wir
nämlich eine ausgefallen Funktion, die es wohl nur in Nordamerika gibt und hier
anscheint auch einen gewissen Sinn erfüllt. Keine Ahnung ob das neonleuchtende
Zieh-Ding einen gesonderten Namen besitzt, falls nicht taufe ich es hiermit „Hangover-Rettung“.
Mit diesem Teil kann man sich als eingesperrte Person mühelos selbst befreien.
Wer kennt diese klassische Situation nicht: eines Morgens wacht man total
ahnungslos im Kofferraum eines fremden Wagens auf und weiß nicht was zu tun
ist. Normalerweise würde man jetzt hysterische Panikattacken mit Schnappatmung bekommen,
aber Dank der wunderbaren Erfindung kann man einfach daran ziehen und der
Kofferraum öffnet sich kinderleicht von selbst und man kann ganz einfach
rausspringen und ist wieder in der Freiheit. (Siehe Hangover Teil 1) Nun dürft
ihr dreimal raten was wir gemacht haben… nein wir haben niemanden gekidnappt,
das wäre zu viel Aufwand, dafür haben wir uns gegenseitig im Kofferraum
eingesperrt und jeder durfte sich einmal befreien. Das Ziehding ist
unglaublich, es leuchtet sogar im Dunkeln und da der Kofferraum recht groß ist
und sich darin viele kuschelige Skijacken befanden, war es sogar recht
gemütlich und einladend. Nächstes Mal schlaf ich dort anstatt auf den
Vordersitzen.
So
Kinder, nur aber genug des Schwachsinns, jetzt hieß es wieder ernst sein und ab
zum Berg. Mit Vorfreude dort angekommen, hat es natürlich angefangen zu regnen
und als wir uns am Ticketschalter über die Wetterverhältnissen auf dem Gipfel
erkundigten, stellte sich heraus, dass nur zwei recht kleine Pisten geöffnet
sind und der Schnee auch recht matschig sei. Mhm klingt nicht wirklich nach dem
super Schneeerlebnis und die 40$ sollten wir vielleicht doch schlauer
investieren. Z. B. in Glühwein, Bratwurst und gebrannte Mandeln, denn eine
Alternative war schnell gefunden: ein deutscher Weihnachtsmarkt der sich
Downtown befindet. Es ist natürlich nichts nahe liegender, als in Kanada auf
einen heimischen Weihnachtsmarkt zu gehen, wozu fliegt man denn sonst 10
Stunden quer über den ganzen Atlantik? Doch bevor wir die Karussell- und
Kartoffel-Atmosphäre genießen konnten, wollten wir uns aus den
schweißtreibenden Skiklamotten befreien und angemessen kleiden. Was dann also so
viel heißt, wie die letzten Assis unsere Unterwäsche auf dem Parkplatz zu
präsentieren.
Nachdem
wir uns an Brezeln und veganen Keksen satt gegessen und am deutschen Akzent von
den Standbetreibern satt gehört haben, war es auch schon recht spät und wir
fuhren die letzten zwei Stunden nach Whistler. Dort angekommen gab es neben dem
aufgeweckten Check-In-Menschen nichts Spannendes und wir verkrümelten uns
allesamt zum Schlafen. Bis morgen früh.
Der
folgende Tag war dann sehr aufregend für mich, da ich endlich mein Traum-Skigebiet
kennenlernen würde. Meine Erwartungen waren hoch, aber gleichzeitig wusste ich
auch, dass ich nicht enttäuscht werden würde. Bevor aber der Spaß beginnen kann
muss man sich erstmal in die ewig langen Warteschlagen einreihen und geduldig
darauf warten seinen Saisonpass abzuholen. Stellt mit guter Laune und
freundlichen Kanadiern kein Problem dar. Anders ist es jedoch wenn der Tag
etwas stressiger anfängt. Lukas z. B. unser möchtegern-Schweizer (mag keinen
Käse, isst nicht gerne Schokolade, besitzt kein Schweizer-Taschenmesser und
kennt keine Germknödel – ich glaub er ist ein Spion der sich nur als Schweizer
ausgibt…) hat diesen Tag das Pech etwas verfolgt. Es fing damit an, dass er
seine Skihose nicht finden konnte und beide Autos durchgesucht hat, als er dann
noch mal gründlich im Hostelzimmer nachschauen wollte, hat er sich aus dem
Zimmer ausgesperrt und ließ uns alle vorfahren, damit er es in Ruhe klären
kann. Als wir ihn später beim Skiverleih trafen, teilte er uns mit, dass er
nicht genug Kleingeld für den Skibus hatte, aber glücklicherweise der Busfahrer
ein Auge zugedrückt hat. Der Skiverleih zog sich ewig hin, sodass wir uns
einigen ihn auf der Bergstation zu treffen. Während wir anderen also schon
unseren Weg durch den Schnee machten, ging der Warte-Alptraum für Lukas weiter.
Das Wetter war mit schlechter Sicht und vielen Schneeflocken eher suboptimal,
aber so war wenigstens nicht so viel los auf den Pisten und man konnte den
gesamten Platz für sich beanspruchen. Als wir uns zwei Stunden später dann mit
Lukas an der Bergstation treffen wollten und ihn total verwundert überall
vergeblich gesucht haben, stellte sich raus, dass Lukas den falschen Berg
hinaufgefahren ist. Während wir also in Whistler auf ihn warteten, befand er
sich in Blackcomb. Ja ist schon verwirrend wenn sich an der Talstation gleich
zwei Gondeln befinden, aber zum Glück gibt es die berühmte Peak-to-Peak-Gondola
mit welcher Lukas mühelos die 4,4Km zum benachbarten Berg schweben konnte, ohne
erst wieder zurück zum Tal zu müssen. Die sich auf 2181m und 2436m befindlichen
Bergstationen sind die größten Seilbahnstationen der Welt mit den
28Mann-Gondeln kann man die wunderschöne Landschaft über dem Tal des
Fitzsimmons Creek gemütlich bewundern. Lukas konnte
also diese einmalige Attraktion genießen und wir anderen waren in der Zeit
voller Freude mit der Pistenerkundung beschäftigt und fuhren Ski was das Zeug
hält. Lukas hingegen musste am letzten Lift ganze 10 Minuten in eisiger Höhe
verharren, da der Sessellift für kurze Zeit außer Betrieb war. Macht bestimmt
Riesenspaß, wenn der Lift kein Verdeck hat und Schneesturm herrscht. Armer
Kerl. Als wir ihn dann halb eins endlich getroffen hatten, war seine Laune
entsprechend unerfreut. Bis dahin ist er praktisch noch keine einzige Piste und
nur von Lift zu Lift gefahren, also haben wir ihn gleich eingepackt und sind
mit ihm einige Runden runtergebrettert, bevor es dann zum verdienten
Mittagessen ging. Was für Lukas bisher ein Alptraum war, war für mich ein
Paradies. Es waren zwar nur wenige Pisten und Lifte geöffnet und das Wetter
nicht gerade karibisch traumhaft, aber es war ja auch gerade Mal der erste Tag
und trotzdem genug Pisten um ordentlich Skizufahren. Als absolute Krönung habe
ich in der Skihütte als Saisonpass-Besitzer nicht nur 25% aufs Essen bekommen,
es gab auch noch mehrere verschiedene vegane Gerichte. Extra ausgeschildert,
verhältnismäßig günstig und verdammt lecker! Und während ich mich durch meine
marokkanische Erdnuss-Süßkartoffel-Suppe löffelte, beschloss ich den gesamten
Januar hier zu verbringen.
Nach der
Talabfahrt führte uns dann der Weg direkt zur gegenüberliegenden Kneipe, wo
sich bei lauter Gutelaune-Musik schon sämtliche Skischuh-Tänzer und
Rollkragenpullis beim Biertrinken feucht fröhlich versammelt hatten. Das Aprés-Ski-Bier
konnten wir natürlich nicht auslassen. Noch ein Pluspunkt für Whistler, denn in
Sun Peaks hatten wir vergeblich nach so einer Örtlichkeit gesucht. Lukas
Unglück sollte auch in der Bar weiter seinen Lauf nehmen und so bestellte er
sich Bier und bekam alkoholisierte Brause, als er anschließend dann die Brause
bestellte bekam er Bier. Der arme Kerl muss das Universum ganz schön verärgert
haben.
Später
im Hostel machten wir uns alle fertig, um gemeinsam Abendessen zu gehen. Lukas
hat es unterdessen wieder geschafft das Unglück herauszufordern, denn seine
Schlüsselkarte zum Zimmer funktionierte nach dem Duschen nicht mehr und so
musste er halbnackt zur Rezeption laufen und das Problem klären. Die Lacher
waren definitiv auf seiner Seite. Beim gemütlichen Abendessen war er der
hungrigste von uns und durfte natürlich als Letztes auf sein Essen warten, aber
danach war dann der Spuck endlich vorbei und damit auch der Tag. Zum Abschluss unternahmen wir noch einen kleinen Spaziergang durch das rustikale Dörfchen, wo wir auf zahlreiche verrückte Menschen trafen, die sich in den Straßen zum Rappen, Tanzen und Spaß haben versammelten. Da mischten wir natürlich mit und okkupierten unter anderem einen gebrauchten Bob vor einem Restaurant. Danach gingen wir jedoch müde und die
einen glücklicher als die anderen ins Bettchen.
Der
nächste Morgen war genauso regnerisch im Tal wie am Tag zuvor, aber
entschlossen nun die andere Bergseite zu erkunden, ließen wir uns davon
natürlich nicht abschrecken und fuhren zur Talstation, wo wir mehrere Touristen
auffanden, die wegen des Wetters verzweifelt versuchten ihre Tagestickets zu
verkaufen. Wir wollten zumindest Mal einen Blick auf das Gebiet werfen und
fuhren daher hoch motiviert hinauf. Zunächst war es ziemlich nebelig und ein
kalter Wind wirbelte Schnee auf, was die Sicht etwas einschränkte, aber gleichzeitig
entdeckten wir blaue Hoffnung am Himmel. Die ersten zwei Abfahrten waren von
den Schneeverhältnissen perfekt, da der Schneefall der letzten Nacht die Pisten
puderweich und fluffig gemacht hat. Bei unserer dritten Abfahrt kam dann das
große Aufatmen, der starke Wind hat die Wolkendecke so weit weggepustet, dass
wir die Sonne zu Gesicht bekamen und den klassischen „über-den-Wolken-Blick“
hatten. Die Leute im Tal quälten sich mit Regenschauern und
schlecht-Wetter-Laune, doch wir standen über der Sache und bruzelten uns mit
der Panorama-Aussicht im Sonnenschein. Dieser Nachmittag sollte perfekt werden.
Aufgrund der schlechten Aussicht blieben die Weichei-Skifahrer im Tal und wir
konnten die zahlreichen Pisten, die warmen Sonnenstrahlen, den frischen Tiefschnee
und freien Sitzplätze in der Berghütte nur für uns ausnutzen – herrlich! Probieren
geht halt über Studieren und in dem Sinne meisterten wir auch schwarze
unpräparierte Tiefschneepisten und legten beeindruckende Sprünge über extra
angelegte Schanzen im Funpark hin. Traumhaft! Ich war überglücklich und kann
den Januar nun kaum erwaten.
Leider
geht auch der schönste und aufregendste Tag vorbei und als die Skilifte
geschlossen waren machten wir uns auf dem Sea to Sky Highway mit einer
wundervollen Fjordlandschaft beim Sonnenuntergang zurück nach Kamloops. Vorher
wurde jedoch Lukas Skihose bei der Freundin von John abholt, die der Hans dort
vergessen hat.
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