Zitat

"Das Leben wird nicht gemessen an der Zahl der Atemzüge, sondern an den Orten und Momenten, die uns den Atem rauben."

Donnerstag, 19. Dezember 2013

Es weihnachtet sehr


Wir schreiben den 6. Dezember, es ist Freitag und es herrscht aufgeregtes Gewusel im Hause Kamloops. Nicht weil Nikolaus ist – viel besser – es ist Weihnachten!! Ja genau, mit Weihnachtsbaum, Festessen, Christmassongs und Geschenken. Das volle Programm. Es ist die Pre-Christmas-Party meiner Gastfamilie, da es der einzige Tag vor Weinachten ist, wo wir alle noch Einmal zusammen kommen und einen gesamten Tag zusammen mit kochen, Spielen und Besinnlichkeit verbringen. An den eigentlichen Weihnachtstagen fährt meine Gastmutter nämlich zu ihren Eltern nach Vancouver und mein Gastvater und –Bruder müssen leider alle Festtage arbeiten und auch ich würde die Familie vorher verlassen, daher also heute das große Fest. Christine und Grant hatten den Tag frei, um alle nötigen und leckeren Vorbereitungen für den Abend zu treffen und pünktlich zum Abendessen kamen Kyle und Gail vorbei. Futter und Geschenke gab es reichlich, daher einigten wir uns zwischen jedem Essensgang eine Geschenk-Auspack-Pause einzulegen. Gesagt getan.
Wir starteten mit einem Guacamole-Snack als Appetitanreger und einer großen Box für Grant. Nachdem mein Gastvater Stück für Stück seine historischen Kostbarkeiten auspackte, gab es einen köstlichen Erdnuss-Rosenkohl-Salat mit frisch gebackenem Brot und homemade Cashewaufstrich. Zum Hautgang folgten Pullover, Hosen, sowie überbackene und mit Gemüse gefüllte Manicotti. Im Anschluss wurden die typischen Christmas Cracker gezündet, die wie große, bunte Bonbons aussehen und wenn man daran zieht einen Knall von sich geben und ihren Inhalt mit kleinen Geschenken und Zetteln überall im Raum verteilen. Als diese erfolgreich eingesammelt wurden, gesellten wir uns alle um den Weihnachtsbaum und öffneten die restlichen Geschenke. Popcornmaschinen, Decken, Alkohol und Musik wurden gegenseitig überreicht. Das Geschenk für meine Gastfamilie stellte für mich eine kleine Herausforderung dar. In all der Zeit, die ich hier verbringen durfte haben sie so viel für mich getan und mir ihr Land auf wunderbare Weise gezeigt und meine Zeit extrem versüßt. Was könnte ich da als angemessene Gegenleistung erbringen, um meine Dankbarkeit entsprechend zum Ausdruck zu bringen? Zwischen der Prüfungsvorbereitung habe ich mir tagelang den Kopf darüber zerbrochen und mich letztendlich für einen selbst gebastelten Jahreskalender entschieden. Die Idee ist mittlerweile zwar schon etwas ausgelutscht, aber doch immer wieder eine Freude. Fotos hatte ich mehr als genug und so schnipselte ich diese mehr oder weniger künstlerisch zusammen und wollte auf diese Weise meinen Aufenthalt hier dokumentieren und die tolle Zeit mit Erinnerungen würdigen. Wanderungen, Ausflüge, Picknicks, Spiele- und zahlreiche Filmabende wurden stets fleißig von mir fotographisch festgehalten und nun kam der Moment sie zu präsentieren. Zusammen mit einem Gesellschaftsspiel, einem Brief und einem kleinen Fotoalbum überreichte ich den Kalender und die Freude war groß. Als ich die strahlenden und staunenden Gesichter gesehen habe, kam Freude und Erleichterung in mir auf. Scheint so als hätte ich meinen Zweck erfüllt.
Im Anschluss durfte ich dann endlos viele kleine Päckchen auspacken. Ich wurde praktisch mit Geschenken überhäuft und hätte nie gedacht, dass meine Familie sich so viel Mühe und Gedanken darüber gemacht hat. Nun darf ich einen kuschelig weichen Schal mein neues Lieblingsaccessoire nennen, sowie mich über eine sportliche Laufjacke, Thermoleggins, eine  selbst gestrickte Mütze (yey Nummer 6), Reiselautsprecher, Skisocken, frisch gebackene vegane Erdnuss-Choclate-Chip-Cockies und, was wohl am Wichtigsten ist, einen langen Brief mit unglaublich herzlichen und schmeichelnden Worten freuen. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so viele Geschenke bekommen habe. Dementsprechend groß war meine Freude darüber. Um die ganze herzliche Zeremonie abzurunden gab es Gruppenkuscheln mit einer Gemeinschaftsumarmung.
Nachdem die Geschenkpapierüberreste beseitigt wurden, versammelten wir uns um das Kaminfeuer und sangen gemeinsam alle möglichen kitschigen Weihnachtslieder, die es auf diesem Planeten gibt. Begleitet von Grants Gitarrentalent verbrachten wir den restlichen Abend damit lustige Geschichten zu erzählen, zu singen und sorgfältig Kekskrümel auf dem Sofa zu verteilen.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Leider geht irgendwann auch das schönste Weihnachtsfest vorbei und so gingen wir alle überglücklich und müde ins Bett. Diesen tollen Tag werde ich noch lange in Erinnerung behalten und bestimmt auch im hohen Alter daran zurückdenken!

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