Nun war es so weit. Am Morgen des
sonnigen Donnerstags wurde hektische umher gewuselt, Sachen gesucht und
gefunden. Letzte Gepäckstücke verstaut und sonstige Vorbereitungen getroffen,
wozu auch ein ausgiebiges Frühstück mit Dan und Tom zählte. Diese zwei
Australier habe ich im Hostel, einige Tage vor meiner Abreise, kennen gelernt
und wie es so ist kommt man bei zwei, drei Bier auf spontane Ideen. Zum
Beispiel gemeinsam auf eine Autoreise zu gehen, zumindest zum Teil. Die beiden
hatten zwar schon einen Bus nach Banff gebucht, aber ich konnte ihnen
erfolgreich mein Auto aufschwatzen, sodass sie kurzerhand bei mir und Cassie
eingestiegen sind.
Dies hat mich besonders gefreut,
nicht nur weil sie den Sprit bezahlt haben (hihi) sondern mir auch tolle
Gesellschaft geleistet haben und damit die langen Wege einem viel kürzer vor
kamen. Achja und Tom war Mechaniker, was natürlich für eine bevorstehende
Kontinentdurchquerung mir auch ganz gut in den Kram passte.
Tank aufgefüllt, Reifen
aufgepumpt, Scheiben frei gekratzt, Taschen verstaut, Passagiere platziert und
Knabberproviant griffbereit. Na dann: Let’s hit the road!
Erste Station hieß Banff, da wir
aber recht spät gestartet sind und 800km doch ne weite Strecke für ein Land mit
Bergen und ohne Autobahn ist, beschlossen wir einen Übernachtungstopp in
Revelstoke zu haben. Zunächst mussten aber die Whistler-Gegend verlassen
werden. „Do you know which way
to go Jane?“ Fragte mich Dan. Was? Ich verstehe die
Frage nicht, natürlich. Ist doch nicht so schwer, hier gibt es nur eine Straße
und die führt Richtung Osten und da wollen wir ja schließlich hin. „Does it mean
you don’t even have a map? What
about google maps on your phone?“ Well… ich und Smartphones sind uns nicht
wirklich nah. Mein Streichelphone und ich sind mehr so platonisch
befreundet. Immerhin nutze ich es zum Musik abspielen und Karten sind überbewertet,
wie gesagt Richtung ist Osten und mehr braucht man als Orientierung nicht. „Alright Jane, guess I’ve to trust
you.“ Als alle Zweifel dann beseitigt waren, kamen wir nach knapp zwei Stunden
an einem wunderschönen See an. Geeigneter Platz, um eine kurze Fotopause
einzulegen und die windige Atmosphäre zu genießen, doch dann sollte es schnell
weiter gehen. Stellte sich nur die Frage auf welcher Straße. Hmm hier geht es
nicht weiter, es sei denn Cassie ist ein Amphibienfahrzeug und wir schwimmen
durch den See. „Ich glaub wir haben uns verfahren.“ Kam es zaghaft von Dan und
sein schämiges Grinsen wartete schon startbereit im Mundwinkel. Neeeein wir
können gar nicht falsch sein, es gibt hier nur eine Straße und die führte immer
geradeaus. Ein Stück zurück gab es zum Glück in dem verlassen Sommerörtchen
einen offenen Imbiss, wo die Mitarbeiterinnen nur mit einem großen Lachen sagt
„Tja Schätzchen, ihr seid vor ca. 40 Minuten in die falsche Straße eingebogen.“
Oh sind wir? Verdammt. Spätestens jetzt und für den gesamten restlichen Trip,
würde Dan mich auslachen und mir meine „wir brauchen keine Karte“-Einstellung
vor die Nase halten. Zum Glück sind Australier ziemlich entspannte Gesellen und
so konnte ich sie mit meinem „Ich wollte euch doch nur die schöne Landschaft
mal zeigen“-Ausweichmanöver besänftigen. Okay vielleicht haben auch meine Kekse
ebenfalls dazu beigetragen.
wir am Umweg-See
(v.l.) dirty Cassie, Dan & Tom
Zurück auf der richtigen Straße
passierten wir eine atemberaubende Landschaft mit weiteren glitzernden Seen,
majestätischen Bergen und steilen Schluchten. Mit dem GPS auf den Smartphones
der Jungs ging es dann auch direkt ohne Panorama-Umwege (wie langweilig…) nach
Kamloops, wo unsere knurrenden Mägen eine Esspause einforderten. Einmal in
meiner alten Heimat wieder angekommen, kam ich aus den Erinnerungen nicht mehr
raus und kaute den Jungs ein Ohr nach dem anderen ab:
„Und hier bin ich immer zu Uni
gelaufen. Bei der Post habe ich immer meine Briefmarken gekauft und hier haben
wir auf den Bus gewartet, wenn wir Downtown was trinken gehen wollten und
dort…“ „Ist ja alles hübsch und nett Jane, aber sag uns Mal lieber wo wir was
Essbares finden!“ entgegneten Tom und Dan geduldig. Bei einem schmackhaften
Falafelsandwich kapselte sich meine geistige Präsenz vom Gesprächsthema der
Jungs ab und ich schaute verträumt aus dem Fenster und rief alle vertrauten
Bilder der alten Zeiten wieder auf. All die bekannten Straßen, Häuser und
Hintergrundlandschaften hätten mich fast wieder in eine sentimentale Stimmung
gebracht, aber zum Glück erinnerten mich die Jungs wieder daran, dass eine
weitere und aufregende Reise mir noch bevor stand. Damit hieß es dann auch
keine Zeit zu verlieren und das Sonnenlicht noch so gut wie möglich
auszunutzen, um nicht in Dunkelheit in Revelstoke anzukommen.
Nach 6 Stunden Autofahrt war ich
doch ziemlich müde und kaputt und hoffte, dass einer der Jungs vielleicht Lust
hätte die letzten 200km zu fahren. Etwas unsicher, aber sichtlich neugierig
wollte Tom es Mal ausprobieren. Als eingefleischter Linksfahrer aus Australien,
würde es sein erstes Mal auf der rechten Straßenseite sein. „No worries! I’m
with you and gonna tell ya where to drive!“ versicherte ich Tom und nahm
entspannt meinen Beifahrerplatz ein. Nach einer kurzen Einweisung und wenigen
Erklärungen im Feierabendverkehr der Stadt erreichten wir auch schon den
Highway, welcher recht einfach zu befahren ist. Kurz noch die Erinnerung, dass
langsamere Fahrzeuge auf der rechten und nicht linken Spur ihren Platz haben
und schon habe ich einem Australier das Rechtsfahren beigebracht. Sichtlich
erfreut darüber, hörte Tom gar nicht mehr auf zu grinsen und selbstverständlich
musste ein Beweisfoto gemacht werden. Danach mutzelte ich mich gemütlich in den
Beifahrerschlaf.
Happy Tom on the right side
In Revelstoke dirigierte ich die
Jungs in ein Hostel und parkte Cassie direkt davor. Die Nacht würde ich
natürlich im Auto verbringen und somit mein Campingabendteuer starten, aber das
kostenlose Internet und den Komfort der Dusche des Hostels natürlich dreist
ausnutzen. Im Gemeinschaftsraum machte ich noch Bekanntschaft mit der zweit
meist verbreiteten Nation in den Skigebieten – den Deutschen. Bei
Unterhaltungen über Auslandssemester, Skifahren und Reiseabenteuer, stellte
sich auch heraus, dass die Beiden die Zimmergenossen von Tom sind und es sei
wohl noch ein Bett bei denen frei. „Schlaf doch bei uns.“ Schlug der Eine vor
(dessen Namen ich leider vergessen habe…) Fabian vor. Nee ach dass kann ich ja nicht
machen, hab doch gar nicht bezahlt und was ist wenn dann plötzlich noch einer
kommt der reserviert hat. „Da kommt keiner mehr, die Rezeption hat schon
geschlossen, d.h. es kann keiner mehr einchecken.“ Na gut in dem Fall gehört
das Bett jetzt einfach mir. Schnell Sachen aus dem Auto geholt und den Luxus
einer kostenlosen Hostelnacht in vollen Zügen genossen.
Am nächsten Morgen ging es auch
schon weiter, nur noch weniger Kilometer bis nach Banff waren übrig, welche Tom
ganz aufgeregt fahren wollte. In der atemberaubenden Kulisse der Rocky
Mountains war ich froh der fotografierende Beifahrer zu sein, der Kekskrümel
überall verteilte. Wie gut, dass ich in Kanada bin, wo Autos zum Fahren und
nicht als Statussymbol gebaut wurden und zum Glück war es mein Auto, dass ich
nach Herzenslust vollkrümeln und bekleckern durfte. Wundervolle Freiheiten, die
ich da auf meinem gemütlichen Beifahrersitz genießen konnte.
Jedoch nicht lange, denn dann
waren wir auch schon im wunderschönen Banff mit den malerischen Bergen und den
vertrauten Straßen und Ecken. So wunderschön es hier auch war, hieß es leider
auch mich von meinen Reiseabschnittgefährten zu verabschieden. Die beiden
würden bei ihren australischen Freunden wohnen und den Rest ihres Aufenthalts
hier verbringen, während ich mich weiter Richtung Osten begeben würde. Aber
bevor ich die kanadischen Highways unsicher mache, wollte ich noch einige Tage
im Nationalpark-Paradies Kraft tanken und diese Gegend so gut es geht in mich
aufsaugen.
Wie es danach weiter ging,
berichte ich im Nächsten Beitrag.
ein Stück Gips auf Reise
guck mal raus Dan
"(dessen Namen ich leider vergessen habe…)" => Fabian
AntwortenLöschenaah ja genau!
AntwortenLöschendanke und liebe Grüße an den "Anonymen" :)