Zitat

"Das Leben wird nicht gemessen an der Zahl der Atemzüge, sondern an den Orten und Momenten, die uns den Atem rauben."

Freitag, 28. Februar 2014

Let's hit the road ... on the right side

Nun war es so weit. Am Morgen des sonnigen Donnerstags wurde hektische umher gewuselt, Sachen gesucht und gefunden. Letzte Gepäckstücke verstaut und sonstige Vorbereitungen getroffen, wozu auch ein ausgiebiges Frühstück mit Dan und Tom zählte. Diese zwei Australier habe ich im Hostel, einige Tage vor meiner Abreise, kennen gelernt und wie es so ist kommt man bei zwei, drei Bier auf spontane Ideen. Zum Beispiel gemeinsam auf eine Autoreise zu gehen, zumindest zum Teil. Die beiden hatten zwar schon einen Bus nach Banff gebucht, aber ich konnte ihnen erfolgreich mein Auto aufschwatzen, sodass sie kurzerhand bei mir und Cassie eingestiegen sind.
Dies hat mich besonders gefreut, nicht nur weil sie den Sprit bezahlt haben (hihi) sondern mir auch tolle Gesellschaft geleistet haben und damit die langen Wege einem viel kürzer vor kamen. Achja und Tom war Mechaniker, was natürlich für eine bevorstehende Kontinentdurchquerung mir auch ganz gut in den Kram passte.

Tank aufgefüllt, Reifen aufgepumpt, Scheiben frei gekratzt, Taschen verstaut, Passagiere platziert und Knabberproviant griffbereit. Na dann: Let’s hit the road!
Erste Station hieß Banff, da wir aber recht spät gestartet sind und 800km doch ne weite Strecke für ein Land mit Bergen und ohne Autobahn ist, beschlossen wir einen Übernachtungstopp in Revelstoke zu haben. Zunächst mussten aber die Whistler-Gegend verlassen werden. „Do you know which way to go Jane?“ Fragte mich Dan. Was? Ich verstehe die Frage nicht, natürlich. Ist doch nicht so schwer, hier gibt es nur eine Straße und die führt Richtung Osten und da wollen wir ja schließlich hin. „Does it mean you don’t even have a map? What about google maps on your phone?“ Well… ich und Smartphones sind uns nicht wirklich nah. Mein Streichelphone und ich sind mehr so platonisch befreundet. Immerhin nutze ich es zum Musik abspielen und Karten sind überbewertet, wie gesagt Richtung ist Osten und mehr braucht man als Orientierung nicht. „Alright Jane, guess I’ve to trust you.“ Als alle Zweifel dann beseitigt waren, kamen wir nach knapp zwei Stunden an einem wunderschönen See an. Geeigneter Platz, um eine kurze Fotopause einzulegen und die windige Atmosphäre zu genießen, doch dann sollte es schnell weiter gehen. Stellte sich nur die Frage auf welcher Straße. Hmm hier geht es nicht weiter, es sei denn Cassie ist ein Amphibienfahrzeug und wir schwimmen durch den See. „Ich glaub wir haben uns verfahren.“ Kam es zaghaft von Dan und sein schämiges Grinsen wartete schon startbereit im Mundwinkel. Neeeein wir können gar nicht falsch sein, es gibt hier nur eine Straße und die führte immer geradeaus. Ein Stück zurück gab es zum Glück in dem verlassen Sommerörtchen einen offenen Imbiss, wo die Mitarbeiterinnen nur mit einem großen Lachen sagt „Tja Schätzchen, ihr seid vor ca. 40 Minuten in die falsche Straße eingebogen.“ Oh sind wir? Verdammt. Spätestens jetzt und für den gesamten restlichen Trip, würde Dan mich auslachen und mir meine „wir brauchen keine Karte“-Einstellung vor die Nase halten. Zum Glück sind Australier ziemlich entspannte Gesellen und so konnte ich sie mit meinem „Ich wollte euch doch nur die schöne Landschaft mal zeigen“-Ausweichmanöver besänftigen. Okay vielleicht haben auch meine Kekse ebenfalls dazu beigetragen.


wir am Umweg-See



(v.l.) dirty Cassie, Dan & Tom








Zurück auf der richtigen Straße passierten wir eine atemberaubende Landschaft mit weiteren glitzernden Seen, majestätischen Bergen und steilen Schluchten. Mit dem GPS auf den Smartphones der Jungs ging es dann auch direkt ohne Panorama-Umwege (wie langweilig…) nach Kamloops, wo unsere knurrenden Mägen eine Esspause einforderten. Einmal in meiner alten Heimat wieder angekommen, kam ich aus den Erinnerungen nicht mehr raus und kaute den Jungs ein Ohr nach dem anderen ab:
„Und hier bin ich immer zu Uni gelaufen. Bei der Post habe ich immer meine Briefmarken gekauft und hier haben wir auf den Bus gewartet, wenn wir Downtown was trinken gehen wollten und dort…“ „Ist ja alles hübsch und nett Jane, aber sag uns Mal lieber wo wir was Essbares finden!“ entgegneten Tom und Dan geduldig. Bei einem schmackhaften Falafelsandwich kapselte sich meine geistige Präsenz vom Gesprächsthema der Jungs ab und ich schaute verträumt aus dem Fenster und rief alle vertrauten Bilder der alten Zeiten wieder auf. All die bekannten Straßen, Häuser und Hintergrundlandschaften hätten mich fast wieder in eine sentimentale Stimmung gebracht, aber zum Glück erinnerten mich die Jungs wieder daran, dass eine weitere und aufregende Reise mir noch bevor stand. Damit hieß es dann auch keine Zeit zu verlieren und das Sonnenlicht noch so gut wie möglich auszunutzen, um nicht in Dunkelheit in Revelstoke anzukommen.

Nach 6 Stunden Autofahrt war ich doch ziemlich müde und kaputt und hoffte, dass einer der Jungs vielleicht Lust hätte die letzten 200km zu fahren. Etwas unsicher, aber sichtlich neugierig wollte Tom es Mal ausprobieren. Als eingefleischter Linksfahrer aus Australien, würde es sein erstes Mal auf der rechten Straßenseite sein. „No worries! I’m with you and gonna tell ya where to drive!“ versicherte ich Tom und nahm entspannt meinen Beifahrerplatz ein. Nach einer kurzen Einweisung und wenigen Erklärungen im Feierabendverkehr der Stadt erreichten wir auch schon den Highway, welcher recht einfach zu befahren ist. Kurz noch die Erinnerung, dass langsamere Fahrzeuge auf der rechten und nicht linken Spur ihren Platz haben und schon habe ich einem Australier das Rechtsfahren beigebracht. Sichtlich erfreut darüber, hörte Tom gar nicht mehr auf zu grinsen und selbstverständlich musste ein Beweisfoto gemacht werden. Danach mutzelte ich mich gemütlich in den Beifahrerschlaf.

Happy Tom on the right side



In Revelstoke dirigierte ich die Jungs in ein Hostel und parkte Cassie direkt davor. Die Nacht würde ich natürlich im Auto verbringen und somit mein Campingabendteuer starten, aber das kostenlose Internet und den Komfort der Dusche des Hostels natürlich dreist ausnutzen. Im Gemeinschaftsraum machte ich noch Bekanntschaft mit der zweit meist verbreiteten Nation in den Skigebieten – den Deutschen. Bei Unterhaltungen über Auslandssemester, Skifahren und Reiseabenteuer, stellte sich auch heraus, dass die Beiden die Zimmergenossen von Tom sind und es sei wohl noch ein Bett bei denen frei. „Schlaf doch bei uns.“ Schlug der Eine vor (dessen Namen ich leider vergessen habe…) Fabian vor. Nee ach dass kann ich ja nicht machen, hab doch gar nicht bezahlt und was ist wenn dann plötzlich noch einer kommt der reserviert hat. „Da kommt keiner mehr, die Rezeption hat schon geschlossen, d.h. es kann keiner mehr einchecken.“ Na gut in dem Fall gehört das Bett jetzt einfach mir. Schnell Sachen aus dem Auto geholt und den Luxus einer kostenlosen Hostelnacht in vollen Zügen genossen.

Am nächsten Morgen ging es auch schon weiter, nur noch weniger Kilometer bis nach Banff waren übrig, welche Tom ganz aufgeregt fahren wollte. In der atemberaubenden Kulisse der Rocky Mountains war ich froh der fotografierende Beifahrer zu sein, der Kekskrümel überall verteilte. Wie gut, dass ich in Kanada bin, wo Autos zum Fahren und nicht als Statussymbol gebaut wurden und zum Glück war es mein Auto, dass ich nach Herzenslust vollkrümeln und bekleckern durfte. Wundervolle Freiheiten, die ich da auf meinem gemütlichen Beifahrersitz genießen konnte.
Jedoch nicht lange, denn dann waren wir auch schon im wunderschönen Banff mit den malerischen Bergen und den vertrauten Straßen und Ecken. So wunderschön es hier auch war, hieß es leider auch mich von meinen Reiseabschnittgefährten zu verabschieden. Die beiden würden bei ihren australischen Freunden wohnen und den Rest ihres Aufenthalts hier verbringen, während ich mich weiter Richtung Osten begeben würde. Aber bevor ich die kanadischen Highways unsicher mache, wollte ich noch einige Tage im Nationalpark-Paradies Kraft tanken und diese Gegend so gut es geht in mich aufsaugen.


Wie es danach weiter ging, berichte ich im Nächsten Beitrag.

ein Stück Gips auf Reise


guck mal raus Dan



2 Kommentare:

  1. "(dessen Namen ich leider vergessen habe…)" => Fabian

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  2. aah ja genau!
    danke und liebe Grüße an den "Anonymen" :)

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