Zitat

"Das Leben wird nicht gemessen an der Zahl der Atemzüge, sondern an den Orten und Momenten, die uns den Atem rauben."

Sonntag, 16. Februar 2014

Australisches Whistler Tag 3 - 8


Nachdem Flo sich bereits in der ersten Nacht gut im Hostel eingelebt hatte, hieß es dann am Morgen den Berg zu erkunden. Frischer Schnee hat dabei für besonders gute Abfahrten und Laune gesorgt. Und so bestand unser alltägliches Treiben darin den Tag über auf dem Berg zu verbringen und in den späteren Abendstunden mit den Jungs und anderen Hostelbekanntschaften sich die Zeit mit Gesellschafts- und Kartenspielen zu vertreiben. Am Wochenende hatte dann die Wettervorhersage für ein besonders großes Lächeln gesorgt, da massenhaft Schnee (ca. 25-30cm) angesagt wurden. So hieß es also am Samstag früh aufstehen und so viel wie möglich des weißen Glücks ausnutzten! Tja, nur leider waren wir nicht die Einzigen, die auf diese geniale Idee gekommen sind. Während wir die anderen Tage immer gemütlich durch die für Warteschlangen vorgesehenen Absperrungen spaziert sind und eine Gondel luxuriös für uns und unsere Alberein beschlagnahmen konnten, sah es an diesem Wochenende ganz anders aus. Schon am Parkplatz wunderten wir uns über die vielen Fahrzeuge und am Gondelplatz erlitten wir fast einen Herzinfarkt. Beide Gondeln waren von bunten Ski- und Snowboardbekleideten Menschen voll gestellt. Die Warteschlangen zogen sich bis in den Dorfkern hinein und das sonst so friedliche und ruhige Resort ging nun in einem überlaufenen Gebrabbel unter. Die Jungs und ich hatten zum Glück einen Saisonpass und mussten uns daher nicht um einen Liftpass kümmern, Flo hingegen musste sich erst ein Tagesticket kaufen, wofür es natürlich auch eine gewaltige Schlange gab. Während Kasper seine Skibrille im Hostel vergessen hatte und zurück gefahren ist, Paul krank im Bett lag, sind Mic und Oskar zum Sessellift gegangen (hier war die Schlange noch halbwegs annehmbar), stand Flo am Ticketschalter und ich irgendwo im Getümmel. Ich wusste, dass wenn ich Flo hier alleine lassen würde, wir uns auf dem Berg nicht wieder finden würden, also wartete ich geduldig mit ihr.
Nach gefühlten 3 Tagen - okay so schlimm war es auch nicht, aber nach zwei(!!!) Stunden hatten Flo und ich es endlich auf den Berg geschafft und standen vor unserer ersten Abfahrt. Clever wie wir natürlich sind, haben wir uns eine abgelegene Piste ausgesucht, in der Hoffnung die Menschenmassen würden nicht hierher kommen. Stimmte auch, aber dass hier keiner hin kam hatte auch seinen Grund. Die Piste war nämlich nicht präpariert und wurde den gewaltigen Schneemassen überlassen. Was eigentlich nach dem ultimativen Powder-Spaß klingt stellte sich als ein mühseliger Arbeitsakt heraus. Schönen fluffigen und leichten Schnee, wie wir uns den erhofft und gewünscht hatten gab es nicht, dafür den hässlichen Bruder der feucht und schwer ist. In Skifahrersprache heißt das, wenn man nicht den ultimativen Quadratlatschen-Powder-Ski hatte, um elegant auf dem Schneefeld davon zu schweben, dann blieb man mit seinen All-Mountain-Rockers bei jeder Kurve stecken und stand Knietief im festen Schnee fest. Ohne Stöcke, dafür aber mit Gipsarm hat man sich mit vollem Körpereinsatz versucht herauszuwinden und hat dabei regelmäßig die Balance verloren. Anstatt geschmeidiges runterbrausen hieß es also Gruppenkuscheln mit dem Schnee. Ist die ersten zwei, drei Mal noch irre witzig und man freut sich einen Keks, aber nachdem man sich 10 Mal gegen den Schnee gekämpft hat und noch mehr als die Hälfte der Strecke vor sich hat, kommt der Spaß und die intensive Schneefreundschaft an seine Grenzen. Ein Rundumblick zeigte uns aber, dass wir nicht die Einzigen untalentierten Tiefschnee-Rollmöpse sind. Sogar der ein oder andere Skilehrer hatte kurzzeitig die Sportart zum Schneeschwimmen gewechselt.
Glücklich und total fertig hatten wir nach weiteren 45 Minuten dann doch endlich eine präparierte Piste gekreuzt und nahmen auch die vorbei rauschenden Menschenmassen in Kauf. Erschöpft am Lift angekommen, erreichte uns dann die Nachricht von den Jungs, dass sie die Schnauze voll haben und zurück zum Hostel fahren. Flo und ich waren zwar körperlich etwas ausgelaugt, aber haben es gar nicht eingesehen nach erst einer Abfahrt (bzw. einem hinunter Purzeln) wieder zurück zu fahren. Also deklarierten wir die Jungs als Schnee-Weicheier und nahmen uns vor alle störenden Skifahrer, die unerlaubt unseren Weg kreuzten, einfach von der Piste zu schubsen. (mit meinem Gipsarm klappt das besonders gut) Der Abend wurde dann wohlverdient ruhig mit Kochen und Kartenspielen verbracht.
Am Sonntag stand natürlich wieder Skifahren auf dem Programm und abends dann das Hostel-Highlight. Der traditionelle Pub Crawl mit einer entsprechenden Pre-Party im Gemeinschaftsraum, wo sich jeder Feierfreudige Hostelbewohner (also alle) mit Bier und lustigen Spielen aufhielt, um den Abend lustig einzustimmen. Im lustigen Treiben von Kingscup, Billard, Beer-Pong und Drink-Jenga wurden wir dann vom Hostelmitarbeiter und Pub Crawl Leiter unterbrochen, um rechtzeitig den Bus ins Dorf zu kriegen. Nach dieser Ansage wurde der Raum in Sekundenschnelle menschenleer und alle verkrümelten sich in die Lobby und quetschten sich anschließend in den überfüllten und lauten Bus. (Mein Beileid an den Busfahrer an dieser Stelle, er hat sich zwar verfahren – haha – aber uns letztendlich doch noch an der richtigen Stelle abgeliefert.) Der weitere Verlauf gestalte sich klassisch. Man trank, man tanzte, man verlierte sich, man fand sich wieder, man war plötzlich doch allein und man endete (bestenfalls) wieder im Hostel, wo man auch alle anderen mit ihren Geschichten wieder antraf.
Nach dieser Nacht verwundert es nicht, dass am nächsten Morgen keiner wirkliche Ambitionen hatte auf den Berg zu gehen. So entschloss sich unsere kleine Kamloops-Gruppe stattdessen zu einem Spaziergang und einem anschließenden Nacho-Fress-Fest im Hostel. Nicht weit von unserer Herberge entfernt befand sich ein Train Wreck Track, der ein Stück entlang der Eisenbahnschienen, durch einen urwaldigen Wald und entlang eines Flusses verlief. Im düsteren Blätterwald war Verlaufen natürlich vorprogrammiert, aber wie immer haben wir es doch noch irgendwie geschafft die bunten Graffiti besprühten Zugüberreste ausfindig zu machen und konnten darin umher klettern und uns gegenseitig erschrecken.
Nach zwei oder auch drei Stunden rumhüpfen, waren die Beinchen genügend ausgetreten, der Kater der Jungs wegspaziert und alle hungrig. Also gab es auf Wunsch von Flo ein großes Nacho- und Tacoabendmahl. Gemeinsam beim Monopolyspielen ließen wir uns die Guacamole- und Beandips mit den Chips schmeckten und zelebrierten so, in Erinnerung schwelgend, Flos letzten Abend. Am nächsten Morgen würde sie nämlich früh das Hostel verlassen, um dann am Nachmittag ihren Flug in Vancouver zurück nach Deutschland zu kriegen.
Eine gewisse melancholische Stimmung lag in der Luft und verlieh den Lachern einen traurigen Unterton. Wieder heißt es Abschiednehmen und diesmal würde mich Flo, meine einzige weibliche Unterstützung, verlassen und mit dem Testosteron alleine lassen…


Happy Flo




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