Nachdem Flo sich bereits in der
ersten Nacht gut im Hostel eingelebt hatte, hieß es dann am Morgen den Berg zu
erkunden. Frischer Schnee hat dabei für besonders gute Abfahrten und Laune gesorgt.
Und so bestand unser alltägliches Treiben darin den Tag über auf dem Berg zu
verbringen und in den späteren Abendstunden mit den Jungs und anderen
Hostelbekanntschaften sich die Zeit mit Gesellschafts- und Kartenspielen zu
vertreiben. Am Wochenende hatte dann die Wettervorhersage für ein besonders
großes Lächeln gesorgt, da massenhaft Schnee (ca. 25-30cm) angesagt wurden. So hieß
es also am Samstag früh aufstehen und so viel wie möglich des weißen Glücks
ausnutzten! Tja, nur leider waren wir nicht die Einzigen, die auf diese geniale
Idee gekommen sind. Während wir die anderen Tage immer gemütlich durch die für
Warteschlangen vorgesehenen Absperrungen spaziert sind und eine Gondel luxuriös
für uns und unsere Alberein beschlagnahmen konnten, sah es an diesem Wochenende
ganz anders aus. Schon am Parkplatz wunderten wir uns über die vielen Fahrzeuge
und am Gondelplatz erlitten wir fast einen Herzinfarkt. Beide Gondeln waren von
bunten Ski- und Snowboardbekleideten Menschen voll gestellt. Die Warteschlangen
zogen sich bis in den Dorfkern hinein und das sonst so friedliche und ruhige
Resort ging nun in einem überlaufenen Gebrabbel unter. Die Jungs und ich hatten
zum Glück einen Saisonpass und mussten uns daher nicht um einen Liftpass
kümmern, Flo hingegen musste sich erst ein Tagesticket kaufen, wofür es
natürlich auch eine gewaltige Schlange gab. Während Kasper seine Skibrille im
Hostel vergessen hatte und zurück gefahren ist, Paul krank im Bett lag, sind
Mic und Oskar zum Sessellift gegangen (hier war die Schlange noch halbwegs
annehmbar), stand Flo am Ticketschalter und ich irgendwo im Getümmel. Ich
wusste, dass wenn ich Flo hier alleine lassen würde, wir uns auf dem Berg nicht
wieder finden würden, also wartete ich geduldig mit ihr.
Nach gefühlten 3 Tagen - okay so
schlimm war es auch nicht, aber nach zwei(!!!) Stunden hatten Flo und ich es
endlich auf den Berg geschafft und standen vor unserer ersten Abfahrt. Clever
wie wir natürlich sind, haben wir uns eine abgelegene Piste ausgesucht, in der
Hoffnung die Menschenmassen würden nicht hierher kommen. Stimmte auch, aber
dass hier keiner hin kam hatte auch seinen Grund. Die Piste war nämlich nicht
präpariert und wurde den gewaltigen Schneemassen überlassen. Was eigentlich
nach dem ultimativen Powder-Spaß klingt stellte sich als ein mühseliger
Arbeitsakt heraus. Schönen fluffigen und leichten Schnee, wie wir uns den
erhofft und gewünscht hatten gab es nicht, dafür den hässlichen Bruder der
feucht und schwer ist. In Skifahrersprache heißt das, wenn man nicht den
ultimativen Quadratlatschen-Powder-Ski hatte, um elegant auf dem Schneefeld
davon zu schweben, dann blieb man mit seinen All-Mountain-Rockers bei jeder
Kurve stecken und stand Knietief im festen Schnee fest. Ohne Stöcke, dafür aber
mit Gipsarm hat man sich mit vollem Körpereinsatz versucht herauszuwinden und
hat dabei regelmäßig die Balance verloren. Anstatt geschmeidiges runterbrausen
hieß es also Gruppenkuscheln mit dem Schnee. Ist die ersten zwei, drei Mal noch
irre witzig und man freut sich einen Keks, aber nachdem man sich 10 Mal gegen
den Schnee gekämpft hat und noch mehr als die Hälfte der Strecke vor sich hat,
kommt der Spaß und die intensive Schneefreundschaft an seine Grenzen. Ein
Rundumblick zeigte uns aber, dass wir nicht die Einzigen untalentierten
Tiefschnee-Rollmöpse sind. Sogar der ein oder andere Skilehrer hatte kurzzeitig
die Sportart zum Schneeschwimmen gewechselt.
Glücklich und total fertig hatten
wir nach weiteren 45 Minuten dann doch endlich eine präparierte Piste gekreuzt
und nahmen auch die vorbei rauschenden Menschenmassen in Kauf. Erschöpft am
Lift angekommen, erreichte uns dann die Nachricht von den Jungs, dass sie die
Schnauze voll haben und zurück zum Hostel fahren. Flo und ich waren zwar
körperlich etwas ausgelaugt, aber haben es gar nicht eingesehen nach erst einer
Abfahrt (bzw. einem hinunter Purzeln) wieder zurück zu fahren. Also deklarierten
wir die Jungs als Schnee-Weicheier und nahmen uns vor alle störenden Skifahrer,
die unerlaubt unseren Weg kreuzten, einfach von der Piste zu schubsen. (mit
meinem Gipsarm klappt das besonders gut) Der Abend wurde dann wohlverdient ruhig
mit Kochen und Kartenspielen verbracht.
Am Sonntag stand natürlich wieder
Skifahren auf dem Programm und abends dann das Hostel-Highlight. Der
traditionelle Pub Crawl mit einer entsprechenden Pre-Party im
Gemeinschaftsraum, wo sich jeder Feierfreudige Hostelbewohner (also alle) mit
Bier und lustigen Spielen aufhielt, um den Abend lustig einzustimmen. Im
lustigen Treiben von Kingscup, Billard, Beer-Pong und Drink-Jenga wurden wir
dann vom Hostelmitarbeiter und Pub Crawl Leiter unterbrochen, um rechtzeitig
den Bus ins Dorf zu kriegen. Nach dieser Ansage wurde der Raum in
Sekundenschnelle menschenleer und alle verkrümelten sich in die Lobby und
quetschten sich anschließend in den überfüllten und lauten Bus. (Mein Beileid
an den Busfahrer an dieser Stelle, er hat sich zwar verfahren – haha – aber uns
letztendlich doch noch an der richtigen Stelle abgeliefert.) Der weitere
Verlauf gestalte sich klassisch. Man trank, man tanzte, man verlierte sich, man
fand sich wieder, man war plötzlich doch allein und man endete (bestenfalls)
wieder im Hostel, wo man auch alle anderen mit ihren Geschichten wieder antraf.
Nach dieser Nacht verwundert es
nicht, dass am nächsten Morgen keiner wirkliche Ambitionen hatte auf den Berg
zu gehen. So entschloss sich unsere kleine Kamloops-Gruppe stattdessen zu einem
Spaziergang und einem anschließenden Nacho-Fress-Fest im Hostel. Nicht weit von
unserer Herberge entfernt befand sich ein Train Wreck Track, der ein Stück
entlang der Eisenbahnschienen, durch einen urwaldigen Wald und entlang eines
Flusses verlief. Im düsteren Blätterwald war Verlaufen natürlich
vorprogrammiert, aber wie immer haben wir es doch noch irgendwie geschafft die
bunten Graffiti besprühten Zugüberreste ausfindig zu machen und konnten darin
umher klettern und uns gegenseitig erschrecken.
Nach zwei oder auch drei Stunden
rumhüpfen, waren die Beinchen genügend ausgetreten, der Kater der Jungs
wegspaziert und alle hungrig. Also gab es auf Wunsch von Flo ein großes Nacho-
und Tacoabendmahl. Gemeinsam beim Monopolyspielen ließen wir uns die Guacamole-
und Beandips mit den Chips schmeckten und zelebrierten so, in Erinnerung
schwelgend, Flos letzten Abend. Am nächsten Morgen würde sie nämlich früh das
Hostel verlassen, um dann am Nachmittag ihren Flug in Vancouver zurück nach
Deutschland zu kriegen.
Eine gewisse melancholische
Stimmung lag in der Luft und verlieh den Lachern einen traurigen Unterton.
Wieder heißt es Abschiednehmen und diesmal würde mich Flo, meine einzige
weibliche Unterstützung, verlassen und mit dem Testosteron alleine lassen…
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