Die folgenden Tage liefen im
relativ gleichen Muster ab: Skifahren, Essen, Schlafen. Skifahren, Essen,
Schlafen. Skifahren, Trinken, Schlafen. …
Zwischendurch sind wir in einer
größeren Gruppe immer mal wieder ins Dorf gefahren und haben an Quizabenden in
Kneipen teilgenommen (und ein Freibier gewonnen), sind Abendessen in einem Restaurant
gewesen oder haben in den Clubs getanzt. Am Freitagmorgen verabschiedeten wir
uns dann von Kasper. Auch er reihte sich zu denen ein die das schöne Kanada
verlassen. Eine letzte Umarmung und dann ging er davon. Während Kasper sich auf
dem Weg nach Vancouver und Dänemark befand, sind Ellysha, Ryan, Mic, Oskar und
ich wieder auf den Berg. Zusammen haben wir das sonnige Wetter und steile
Abfahrt genossen, bis die Jungs beschlossen haben in den Funpark zu gehen, um
ein paar Sprünge zu üben. Ellysha und ich haben stattdessen das Hinuntersausen
der schwarzen Pisten perfektioniert. Zum Teil auch in komplett neuen Techniken
und haben dabei herausgefunden, dass wenn man die Skiier abwirft, sich auf den
Hintern setzt und dann geradewegs hinunter rutsch, man viel schneller unten
ist. Macht auch eigentlich einen Haufen Spaß, vor allem für alle die einem
dabei zu sehen dürfen. Nur das Hochstampfen und Material einsammeln ist eher
weniger cool. Zum Glück war Ellysha bei meinem Stunt noch auf dem Gipfel und
konnte mir meinen Ski hinunter bringen.
Danach nahmen wir unsere letzte
Abfahrt zurück zum Auto, wo wir die Jungs treffen würden. Gut gelaunt und
fröhlich kamen wir dort auch an und wollten von unserem lustigen Nachmittag
berichten, als uns auffiel dass es nur zwei der eigentlich drei Jungs anwesend
waren und die auch noch etwas unfröhlich aussahen. Wo ist denn Ryan fragten wir
die Anderen und es kam ein trockenes „im Krankenhaus“ zurück. Waaaaas ???
Ellysha und mir ist alles aus dem Gesicht gefallen. Was ist passiert? Bei einem
der Sprünge hat er wohl zu viel Geschwindigkeit gehabt und ist zu steil
abgesprungen, sodass er genau in die Lücke zwischen Schanze und Landeplattform
mit dem Rücken aufgekommen ist und sich nach dem Aufprall nicht mehr bewegt
hat. Es waren wohl locker 5 oder 6
Meter , die er gefallen ist. Ein Notfalltransport wurde
sofort angefordert und hat ihn vom Berg abtransportiert. Nach der detaillierten
und grauenvoll klingenden Schilderung erklärten die Jungs dann nüchtern: „But
he’s alright, he was joking and smiling.“ Irgendwie hat uns das Mädels nicht
gerade besänftigt.
Gemeinsam sind wir dann sofort ins
Krankenhaus gefahren, um ihn zu besuchen und den Stand der Dinge in Erfahrung
zu bringen. Nach einer halben Ewigkeit im Wartezimmer, durften wir ihn dann
endlich sehen und er schien wirklich recht aufgeweckt. Die Schmerzen wurden
locker weggespaßt und seine Geschichte heldenhaft umschrieben. Was jedoch genau
mit seinem Rücken und Daumen Sache war, wusste noch keiner, da er seit zwei
Stunden bereits auf den Arzt mit den
Röntgenaufnahmen wartete. Wir beschlossen dann im Dorf bei einem Bier auf seine
Nachricht zu warten.
Zwei Stunden später erhielt wir
auch schon seine Sms und konnten ihn abholen und zurück ins Hostel bringen.
Seinem Rücken geht’s zum Glück gut, kein Bruch, keine Verschiebung, kein
nichts, nur eine Zerrung die ihn wohl noch einige Tage lang schmerzhaft
begleiten wird. Sein Daumen hingegen hat eine Knochen-Absplitterung erlitten
und so durfte er genau wie ich einen hübschen Gips am rechten Arm tragen. Wir
waren jetzt offiziell Cast-Mates! Da auch er rechtshändig ist, durfte ich ihm
alle hilfreichen Tricks und Tipps zum Leben mit der linken Hand beibringen.
Mein Leben als Gipsindividuum im
Hostel hatte spätestens jetzt damit sein endgültiges Ende gefunden. Wo ich vor einigen Wochen
noch einzigartig mit meinem gebrochenen Knochen herum spazierte, gab es
mittlerweile noch drei weitere in der Unterkunft. Jedes Mal wenn wir uns auf
den Gängen begegneten, gab es nur ein zustimmendes Nicken mit dem Ja-ja-so-ist-das-Blick.
Am folgenden Tag stand dann ein
großes und wichtiges Wochenende an, es war nämlich Australia-Day. (Klar was
auch sonst in Kanada?) Jedes Jahr am 26. Januar ist nationaler Feiertag im
Gift-Tier-Land und wird natürlich entsprechend gefeiert. Einer der Traditionen
ist dabei dem australischen Radiosender Triple J bei seinen Hottest 100
zuzuhören. Durch die Zuhörer abgestimmt, werden die besten 100 Lieder des
letzten Jahres ohne Werbeunterbrechung platziert. Dabei wird die übliche Pop-
und Rockmusik gekonnt ignoriert und stattdessen einheimische Bands und Sänger
fokussiert, auch Neuseeland hat als Pazifikisolant seine musikalischen Finger
mit im Spiel. Da Whistler nun bekanntlich fest in australischer Hand ist, gab
es dementsprechend im ganzen Dorf passende Feste und Veranstaltungen. Auch
unser Hostel mischte mit einem Grillfest und einer Radio-Liveübertragung mit.
Der Countdown beginnt 12 Uhr Mittags Ortszeit und zieht sich bis in die späten
Abendstunden. Aufgrund der Zeitverschiebung von ganzen 19 Stunden (Australien
lebt schon im Sonntag) hatten wir in Kanada das Vergnügen den australischen
Ehrentag zweimal zu feiern. Einmal am Samstag, um die Hottest 100
mitzuverfolgen und am Sonntag, wo dann der offizielle Tag noch einmal
entsprechend mit Gesang, Trank und einer Portion Verrücktheit gewürdigt wurde.
Während wir uns also bei sonnigem
Wetter und recht warmen Temperaturen auf der Hostel-Sonnenterasse aalten,
wurden beim Brutzeln der Burger und Tofuwürstchen auf dem Grillrost Geschichten
der vergangenen Australia-Days zum Besten gegeben. Das Bier wurde dabei immer
frisch gekühlt aus einem mit Schnee gefüllten Eimer geholt und die käsigen
Beine in die Sonn gehalten. Wenn man die Augen schloss und sich im Windschatten
ausbreitete, konnte man tatsächlich einen Hauch von australischem Flair und
Wärme verspüren.
Gegen 17 Uhr Whistler Zeit begann
dann der Countdown-Spaß und während alle irgendwo einen Livestream mit sich
herum schleppten, wurde der Abend mit Trinkspielen, unterhaltsamen Gesprächen
und noch mehr flüssigen Köstlichkeiten voran getrieben. Um 9 Uhr wurde das
Hostel in versammelter Mannschaft verlassen und alle machten sich auf den Weg
zum größten Club im Dorf, wo selbstverständlich eine Liveübertragung des
Raidosenders den Ton für die Nacht an gab. Hier wurde dann weiter getanzt,
gelacht und ganz in australischer Tradition sich natürlich als Känguru, Koala
oder nur mit einer Nationalflagge ver- und bekleidet. Zudem hörte man aus allen
Ecken Vermutungen darüber, wer wohl die Nummer eins sein würde. Mein Tipp war
natürlich Lorde mit ihrem Song „Royals“, doch leider verfehlte die sympathische
Neuseeländerin die Polposition um genau eine Platzierung und machte aber auch
auf dem zweiten Rank eine musikalische Figur. Sieger wurde Vance Joy mit seinem
„Riptide“. Das Aussie-Lied habe ich vorher zwar noch nie gehört, aber es ist
wohlverdient auf den ersten Platz gekommen. Ein schönes Sommerlied, welches
mich seit dem Tag stets begleitet und regelmäßig einen grinsenden Ohrwurm
verpasst.
Nachts um 3 oder 4 war der Spaß
dann vorbei und alle Kängurus sind müde nach Hause gehoppelt. So also auch wir.
Der eigentliche Feiertag wurde
dann mit einem ausgedehnten Ausschlafen eingeleitet und weiter auf dem Berg
zelebriert. Nun hieß es also auch in der westkanadischen Zeitzone die Wombats
tanzen zu lassen. Diejenigen unter ihnen, die nach der ersten Nacht noch in der
Lage waren sich zu bewegen hat man dann auf den Skipisten in australischen
Flaggen eingehüllt angetroffen. Die kreative Tierverkleidung gab es natürlich
auch zu Hauf und passend zum sommerlichen und plusgrad-warmen Wetter haben sich
sogar einige Mutige sogar nur in Badesachen und Bikini die Schneehänge hinunter
gestürzt.
In meinen Augen haben solche Leute
ja einen Orden, viel Freibier, mindestens eine Zeitungsüberschrift und ja sogar
ein Denkmal verdient! Da braucht man gar nicht geizig sein und kann ruhig mal
seine Hochachtung in allen Formen der Verehrung kundtun!
Mic und meine Wenigkeit in australischer Mission
Stets begleitet vom australischen
Ausruf: „Aussie, aussie, aussie!“ auf den es nur eine richtige Antwort gibt:
„Oi, Oi, Oi!!!“ haben Mic, Oskar und ich den Tag spaßig und ruhig angehen
lassen. Beim Vorschlag den australischen Brunzruf mit „Kiwi, Kiwi, Kiwi!“ zu
antworten hab ich mir eine unbegeisterte Kopfnuss eingefangen… man wundert sich
warum nur.
Später am Abend war natürlich das
Programm schon vorgeschrieben. Mit der gesamten australischen Mannschaft ging
es in einer der viele Bars und Clubs zum abschließenden Festigen und damit war
das Wochenende dann auch wieder geschafft.
Sogar in den kanadischen Bergen gibt es Kängurus, ob die globale Erderwärmung daran schuld ist?
Ryan mit Cookie-Monster-Gips
Graffiti-Gips und Ellysha







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