Zitat

"Das Leben wird nicht gemessen an der Zahl der Atemzüge, sondern an den Orten und Momenten, die uns den Atem rauben."

Montag, 17. Februar 2014

Australisches Whistler Tag 13 - 15 Oi, oi ,oi!

Die folgenden Tage liefen im relativ gleichen Muster ab: Skifahren, Essen, Schlafen. Skifahren, Essen, Schlafen. Skifahren, Trinken, Schlafen. …
Zwischendurch sind wir in einer größeren Gruppe immer mal wieder ins Dorf gefahren und haben an Quizabenden in Kneipen teilgenommen (und ein Freibier gewonnen), sind Abendessen in einem Restaurant gewesen oder haben in den Clubs getanzt. Am Freitagmorgen verabschiedeten wir uns dann von Kasper. Auch er reihte sich zu denen ein die das schöne Kanada verlassen. Eine letzte Umarmung und dann ging er davon. Während Kasper sich auf dem Weg nach Vancouver und Dänemark befand, sind Ellysha, Ryan, Mic, Oskar und ich wieder auf den Berg. Zusammen haben wir das sonnige Wetter und steile Abfahrt genossen, bis die Jungs beschlossen haben in den Funpark zu gehen, um ein paar Sprünge zu üben. Ellysha und ich haben stattdessen das Hinuntersausen der schwarzen Pisten perfektioniert. Zum Teil auch in komplett neuen Techniken und haben dabei herausgefunden, dass wenn man die Skiier abwirft, sich auf den Hintern setzt und dann geradewegs hinunter rutsch, man viel schneller unten ist. Macht auch eigentlich einen Haufen Spaß, vor allem für alle die einem dabei zu sehen dürfen. Nur das Hochstampfen und Material einsammeln ist eher weniger cool. Zum Glück war Ellysha bei meinem Stunt noch auf dem Gipfel und konnte mir meinen Ski hinunter bringen.

Danach nahmen wir unsere letzte Abfahrt zurück zum Auto, wo wir die Jungs treffen würden. Gut gelaunt und fröhlich kamen wir dort auch an und wollten von unserem lustigen Nachmittag berichten, als uns auffiel dass es nur zwei der eigentlich drei Jungs anwesend waren und die auch noch etwas unfröhlich aussahen. Wo ist denn Ryan fragten wir die Anderen und es kam ein trockenes „im Krankenhaus“ zurück. Waaaaas ??? Ellysha und mir ist alles aus dem Gesicht gefallen. Was ist passiert? Bei einem der Sprünge hat er wohl zu viel Geschwindigkeit gehabt und ist zu steil abgesprungen, sodass er genau in die Lücke zwischen Schanze und Landeplattform mit dem Rücken aufgekommen ist und sich nach dem Aufprall nicht mehr bewegt hat. Es waren wohl locker 5 oder 6 Meter, die er gefallen ist. Ein Notfalltransport wurde sofort angefordert und hat ihn vom Berg abtransportiert. Nach der detaillierten und grauenvoll klingenden Schilderung erklärten die Jungs dann nüchtern: „But he’s alright, he was joking and smiling.“ Irgendwie hat uns das Mädels nicht gerade besänftigt.
Gemeinsam sind wir dann sofort ins Krankenhaus gefahren, um ihn zu besuchen und den Stand der Dinge in Erfahrung zu bringen. Nach einer halben Ewigkeit im Wartezimmer, durften wir ihn dann endlich sehen und er schien wirklich recht aufgeweckt. Die Schmerzen wurden locker weggespaßt und seine Geschichte heldenhaft umschrieben. Was jedoch genau mit seinem Rücken und Daumen Sache war, wusste noch keiner, da er seit zwei Stunden bereits auf  den Arzt mit den Röntgenaufnahmen wartete. Wir beschlossen dann im Dorf bei einem Bier auf seine Nachricht zu warten.
Zwei Stunden später erhielt wir auch schon seine Sms und konnten ihn abholen und zurück ins Hostel bringen. Seinem Rücken geht’s zum Glück gut, kein Bruch, keine Verschiebung, kein nichts, nur eine Zerrung die ihn wohl noch einige Tage lang schmerzhaft begleiten wird. Sein Daumen hingegen hat eine Knochen-Absplitterung erlitten und so durfte er genau wie ich einen hübschen Gips am rechten Arm tragen. Wir waren jetzt offiziell Cast-Mates! Da auch er rechtshändig ist, durfte ich ihm alle hilfreichen Tricks und Tipps zum Leben mit der linken Hand beibringen.
Mein Leben als Gipsindividuum im Hostel hatte spätestens jetzt damit sein endgültiges Ende gefunden. Wo ich vor einigen Wochen noch einzigartig mit meinem gebrochenen Knochen herum spazierte, gab es mittlerweile noch drei weitere in der Unterkunft. Jedes Mal wenn wir uns auf den Gängen begegneten, gab es nur ein zustimmendes Nicken mit dem Ja-ja-so-ist-das-Blick.




Am folgenden Tag stand dann ein großes und wichtiges Wochenende an, es war nämlich Australia-Day. (Klar was auch sonst in Kanada?) Jedes Jahr am 26. Januar ist nationaler Feiertag im Gift-Tier-Land und wird natürlich entsprechend gefeiert. Einer der Traditionen ist dabei dem australischen Radiosender Triple J bei seinen Hottest 100 zuzuhören. Durch die Zuhörer abgestimmt, werden die besten 100 Lieder des letzten Jahres ohne Werbeunterbrechung platziert. Dabei wird die übliche Pop- und Rockmusik gekonnt ignoriert und stattdessen einheimische Bands und Sänger fokussiert, auch Neuseeland hat als Pazifikisolant seine musikalischen Finger mit im Spiel. Da Whistler nun bekanntlich fest in australischer Hand ist, gab es dementsprechend im ganzen Dorf passende Feste und Veranstaltungen. Auch unser Hostel mischte mit einem Grillfest und einer Radio-Liveübertragung mit. Der Countdown beginnt 12 Uhr Mittags Ortszeit und zieht sich bis in die späten Abendstunden. Aufgrund der Zeitverschiebung von ganzen 19 Stunden (Australien lebt schon im Sonntag) hatten wir in Kanada das Vergnügen den australischen Ehrentag zweimal zu feiern. Einmal am Samstag, um die Hottest 100 mitzuverfolgen und am Sonntag, wo dann der offizielle Tag noch einmal entsprechend mit Gesang, Trank und einer Portion Verrücktheit gewürdigt wurde.
Während wir uns also bei sonnigem Wetter und recht warmen Temperaturen auf der Hostel-Sonnenterasse aalten, wurden beim Brutzeln der Burger und Tofuwürstchen auf dem Grillrost Geschichten der vergangenen Australia-Days zum Besten gegeben. Das Bier wurde dabei immer frisch gekühlt aus einem mit Schnee gefüllten Eimer geholt und die käsigen Beine in die Sonn gehalten. Wenn man die Augen schloss und sich im Windschatten ausbreitete, konnte man tatsächlich einen Hauch von australischem Flair und Wärme verspüren.
Gegen 17 Uhr Whistler Zeit begann dann der Countdown-Spaß und während alle irgendwo einen Livestream mit sich herum schleppten, wurde der Abend mit Trinkspielen, unterhaltsamen Gesprächen und noch mehr flüssigen Köstlichkeiten voran getrieben. Um 9 Uhr wurde das Hostel in versammelter Mannschaft verlassen und alle machten sich auf den Weg zum größten Club im Dorf, wo selbstverständlich eine Liveübertragung des Raidosenders den Ton für die Nacht an gab. Hier wurde dann weiter getanzt, gelacht und ganz in australischer Tradition sich natürlich als Känguru, Koala oder nur mit einer Nationalflagge ver- und bekleidet. Zudem hörte man aus allen Ecken Vermutungen darüber, wer wohl die Nummer eins sein würde. Mein Tipp war natürlich Lorde mit ihrem Song „Royals“, doch leider verfehlte die sympathische Neuseeländerin die Polposition um genau eine Platzierung und machte aber auch auf dem zweiten Rank eine musikalische Figur. Sieger wurde Vance Joy mit seinem „Riptide“. Das Aussie-Lied habe ich vorher zwar noch nie gehört, aber es ist wohlverdient auf den ersten Platz gekommen. Ein schönes Sommerlied, welches mich seit dem Tag stets begleitet und regelmäßig einen grinsenden Ohrwurm verpasst.

Nachts um 3 oder 4 war der Spaß dann vorbei und alle Kängurus sind müde nach Hause gehoppelt. So also auch wir.
Der eigentliche Feiertag wurde dann mit einem ausgedehnten Ausschlafen eingeleitet und weiter auf dem Berg zelebriert. Nun hieß es also auch in der westkanadischen Zeitzone die Wombats tanzen zu lassen. Diejenigen unter ihnen, die nach der ersten Nacht noch in der Lage waren sich zu bewegen hat man dann auf den Skipisten in australischen Flaggen eingehüllt angetroffen. Die kreative Tierverkleidung gab es natürlich auch zu Hauf und passend zum sommerlichen und plusgrad-warmen Wetter haben sich sogar einige Mutige sogar nur in Badesachen und Bikini die Schneehänge hinunter gestürzt.
In meinen Augen haben solche Leute ja einen Orden, viel Freibier, mindestens eine Zeitungsüberschrift und ja sogar ein Denkmal verdient! Da braucht man gar nicht geizig sein und kann ruhig mal seine Hochachtung in allen Formen der Verehrung kundtun!


Mic und meine Wenigkeit in australischer Mission


Stets begleitet vom australischen Ausruf: „Aussie, aussie, aussie!“ auf den es nur eine richtige Antwort gibt: „Oi, Oi, Oi!!!“ haben Mic, Oskar und ich den Tag spaßig und ruhig angehen lassen. Beim Vorschlag den australischen Brunzruf mit „Kiwi, Kiwi, Kiwi!“ zu antworten hab ich mir eine unbegeisterte Kopfnuss eingefangen… man wundert sich warum nur.

Später am Abend war natürlich das Programm schon vorgeschrieben. Mit der gesamten australischen Mannschaft ging es in einer der viele Bars und Clubs zum abschließenden Festigen und damit war das Wochenende dann auch wieder geschafft.

Sogar in den kanadischen Bergen gibt es Kängurus, ob die globale Erderwärmung daran schuld ist?

Ryan mit Cookie-Monster-Gips

Graffiti-Gips und Ellysha



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