Ein Tag nachdem Flo das Land und
uns verlassen hat, stand wieder der harte Whistler-Alltag auf dem Programm, der
natürlich größtenteils aus Skifahren bestand.
Am Mittwoch ging es mit den Jungs,
trotz des schlechten Wetters, auf die Pisten und diesmal richtig hoch hinaus.
Das für Bergregionen typische und immer wieder faszinierende Spektakel des
Über-Den-Wolken-Phänomens hat uns allesamt in den staunenden Bann gezogen. Nach
etwas mehr als einer Woche konstanter Wolkendecke mit trüb deprimierender oder
auch wahlweise gar keiner Sicht, gab es nun endlich etwas Sonne. Allerdings nur
für die am höchsten gelegenen Pisten, wo dann der Blick auf den Wolkenteppich
im Tal umso umwerfender war. Auf der passenden Piste namens „7th Heaven“ ließen
wir die Gedanken und Seele über die hervorstehenden Bergspitzen gleiten. Mit
größtem Vergnügen haben wir ein intensives Sonnenbad genommen und zum ersten
Mal die unendliche Weite der Gebirge und die atemberaubende Aussicht genossen.
Die Fotos (welche ich hoffentlich bald hochladen kann) vervollständigen den
imposanten Ausdruck, wofür meine Worte leider nicht ausreichen.
Am Tag darauf, kamen wir sogar auf
den Genuss einer kompletten klaren Sonnenschein-Sicht und so wundert es auch
nicht, dass sich alle Schönwetter-Skifahrer auf den Pisten drängelten. Auf dem
Peak von Whistler-Mountain hat man bei der Route, welche nur sogenannte
Experten bestreiten dürfen, dann aber doch noch genug Platz für sich finden
können. Ohne Stürze und halbwegs sauber und gut haben wir dann die
Experten-Route gemeistert und somit darf ich mich also jetzt ganz offiziell als
Ski-Experte deklarieren! Ich möchte zukünftig auch nur noch als solche
angesprochen werden – Frau Skiexpertin Jane, wenn ich bitten darf.
Doch selbst die beeindruckende
Aussicht mit der malerischen Landschaft lies nicht über den Fakt hinwegsehen,
dass mir weibliche Gesellschaft fehlte. Während die Jungs beim Essentisch die
neusten Blöd-gelaufen-Videos auf ihren Handys austauschten und über
irgendwelchen Blödsinn, wie Fußball und Autos, diskutierten, sehnte ich mich
nach Estrogen. Glücklicherweise ist so ein Hostel ideal, um neue
Bekanntschaften zu schließen und dank der Tatsache, dass ich innerhalb meines
20tägigen Aufenthalts ganze vier Mal das Zimmer wechseln durfte, lernte ich
dabei immer wieder neue Zimmergenossen kennen. Z. B. Deborah aus Schottland,
Sophie aus England, Laura aus Berlin und Ellysha aus Australien, Caz aus
Australien, Brooke aus Australien, Leah aus Australien, Suzi aus Australien,
Nick aus Australien, Will aus Australien, Mark aus Australien, Dan aus… na was
glaubt ihr?
Schon nach wenigen Tagen hat man
festgestellt, dass Whistler (und alle anderen Skigebiete wie Banff, Revelstoke,
Big White, …) von Aussies überlaufen, ja regelrecht zugeschüttet, ist! Überall
im Dorf und im Hostel hört man den typischen Südhalbkugelakzent, sodass man
beim Kennenlernen schon gar nicht mehr fragt, wo jemand her kommt, sondern aus
welchem Teil von Australien denn genau. Und damit erklärt sich auch meine
gewählte Überschrift für diesen Reiseabschnitt, denn nach nur wenigen Tagen kam
man sich nicht mehr wie in Kanada, sondern wie in Downunder vor, da sich
natürlich auch das Dorf und Hostel auf diesen Känguruauflauf eingestellt hat.
Neben zahlreichen Aussie-Veranstaltungen und Vegemite-Dosen (typischer und
grauenhaft schmeckender Brotaufstrich) in der Gemeinschaftsküche, taten auch
Mic und Paul ihr übriges, um ihre Südpazifikkultur zu vermitteln. Zum Beispiel
die internetberühmte Biernominierung, wo man ein ganzes Bier in einem Zug
trinken soll und mit einem Videobeweis, dann weitere Freunde für diesen Spaß benennen
darf. Was seit ca. einer Woche sein Unwesen in Deutschland treibt, hat in
Australien seit dem 1. Januar begonnen und wurde dementsprechend auch von den
kanadischen Australiern zeleBIERt. Doch im Gegensatz zu den Deutschen, waren
die Australier wenigstens kreativ bei ihren Nominierungen und haben nicht
einfach ein Bier vor der Kamera getrunken, sondern es hübsch in ein kleines Programm
verpackt. Paul hat zum Beispiel erst mit drei Bieren jongliert bevor er sich
eins davon in den Rachen kippte. Mic hat hingegen im Funpark einige Sprünge mit
seinem Snowboard präsentiert und Oskar hat beim Trampolinspringen erst Salti
und danach ein Bier in sich hinein gedreht. So hat das Biernominierungsspiel
wenigstens Spaß gemacht sich anzugucken und weitere verrückte und unterhaltsame
Videos davon (die meisten aus Australien) kann man sich im Internet anschauen.
Am 16. Januar gab es dann einen weiteren
Abschied. Nun hieß es Goodbye to Paul. Er hat sich auch auf den Weg zurück nach
Perth gemacht. Seinen letzten Abend haben wir in einem Club, zusammen mit allen
anderen Hostelbewohnern, gefeiert.
Mit wieder einem Mitglied aus
unserer Kamloops-Truppe weniger, mussten die sentimentalen Gedanken natürlich
mit Aktivitäten ausgetrieben werden. So schlossen wir uns am nächsten Tag einer
wilden skandinavischen Gruppe an. Am Vormittag ging es etwas außerhalb der
Piste zu einem hübschen Plateau, wo die nordeuropäischen Blondinen (Hallo
Klischee.) für Musik, Eissitzbänke, Getränke und eine Sprungschanze gesorgt
haben, um bis zum Sonnenuntergang sich hier freudig im Getümmel aufzuhalten.
Bis auf den sehr wichtigen schwedischen Satz „du har vackra ögon!” (Du hast schöne
Augen!) konnte leider keiner von uns skandinawisch. Zum Glück hatten wir aber
Kasper und Sebastian aus Dänemarkt dabei. Dem Letzten haben wir auch dieses
Gruppentreffen zu verdanken, wo wir den Norwegern und Schweden bei den Sprüngen
zusehen durften und in der Sonne uns mit Schneeballschlachten (diesmal hatte
ich Handicap-Bonus) die Zeit vertrieben. Zudem kamen wir auch in den Genuss
zwei Skandinaviern, nur in Unterhose und Skiern bekleidet, beim Schneebad
zuzusehen. Ein Hoch auf die Verrücktheit!
Nach der Massentalabfahrt
versammelten wir uns wieder alle im ortsansäßigen AprésSkiLokal, wo ich das
erste Mal das österreichische Skigefühl bekommen habe. Es wurde gesungen,
gelacht, auf den Tischen getanzt, aus Skischuhen getrunken und in
Thermounterwäsche wild mit einem Bier durchs Lokal gehüpft. Erstmalig in Kanada
kam man sich wie in den heimischen Bergen vor. Schlagermusik, Germknöddel oder
Obstler gab es zwar nicht, aber die Liveband hat mit alten Hits für ordentlich
Stimmung gesorgt.
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