Zitat

"Das Leben wird nicht gemessen an der Zahl der Atemzüge, sondern an den Orten und Momenten, die uns den Atem rauben."

Montag, 10. Februar 2014

Australisches Whistler Tag 9 - 12


Ein Tag nachdem Flo das Land und uns verlassen hat, stand wieder der harte Whistler-Alltag auf dem Programm, der natürlich größtenteils aus Skifahren bestand.
Am Mittwoch ging es mit den Jungs, trotz des schlechten Wetters, auf die Pisten und diesmal richtig hoch hinaus. Das für Bergregionen typische und immer wieder faszinierende Spektakel des Über-Den-Wolken-Phänomens hat uns allesamt in den staunenden Bann gezogen. Nach etwas mehr als einer Woche konstanter Wolkendecke mit trüb deprimierender oder auch wahlweise gar keiner Sicht, gab es nun endlich etwas Sonne. Allerdings nur für die am höchsten gelegenen Pisten, wo dann der Blick auf den Wolkenteppich im Tal umso umwerfender war. Auf der passenden Piste namens „7th Heaven“ ließen wir die Gedanken und Seele über die hervorstehenden Bergspitzen gleiten. Mit größtem Vergnügen haben wir ein intensives Sonnenbad genommen und zum ersten Mal die unendliche Weite der Gebirge und die atemberaubende Aussicht genossen. Die Fotos (welche ich hoffentlich bald hochladen kann) vervollständigen den imposanten Ausdruck, wofür meine Worte leider nicht ausreichen.
Am Tag darauf, kamen wir sogar auf den Genuss einer kompletten klaren Sonnenschein-Sicht und so wundert es auch nicht, dass sich alle Schönwetter-Skifahrer auf den Pisten drängelten. Auf dem Peak von Whistler-Mountain hat man bei der Route, welche nur sogenannte Experten bestreiten dürfen, dann aber doch noch genug Platz für sich finden können. Ohne Stürze und halbwegs sauber und gut haben wir dann die Experten-Route gemeistert und somit darf ich mich also jetzt ganz offiziell als Ski-Experte deklarieren! Ich möchte zukünftig auch nur noch als solche angesprochen werden – Frau Skiexpertin Jane, wenn ich bitten darf.
















Doch selbst die beeindruckende Aussicht mit der malerischen Landschaft lies nicht über den Fakt hinwegsehen, dass mir weibliche Gesellschaft fehlte. Während die Jungs beim Essentisch die neusten Blöd-gelaufen-Videos auf ihren Handys austauschten und über irgendwelchen Blödsinn, wie Fußball und Autos, diskutierten, sehnte ich mich nach Estrogen. Glücklicherweise ist so ein Hostel ideal, um neue Bekanntschaften zu schließen und dank der Tatsache, dass ich innerhalb meines 20tägigen Aufenthalts ganze vier Mal das Zimmer wechseln durfte, lernte ich dabei immer wieder neue Zimmergenossen kennen. Z. B. Deborah aus Schottland, Sophie aus England, Laura aus Berlin und Ellysha aus Australien, Caz aus Australien, Brooke aus Australien, Leah aus Australien, Suzi aus Australien, Nick aus Australien, Will aus Australien, Mark aus Australien, Dan aus… na was glaubt ihr?
Schon nach wenigen Tagen hat man festgestellt, dass Whistler (und alle anderen Skigebiete wie Banff, Revelstoke, Big White, …) von Aussies überlaufen, ja regelrecht zugeschüttet, ist! Überall im Dorf und im Hostel hört man den typischen Südhalbkugelakzent, sodass man beim Kennenlernen schon gar nicht mehr fragt, wo jemand her kommt, sondern aus welchem Teil von Australien denn genau. Und damit erklärt sich auch meine gewählte Überschrift für diesen Reiseabschnitt, denn nach nur wenigen Tagen kam man sich nicht mehr wie in Kanada, sondern wie in Downunder vor, da sich natürlich auch das Dorf und Hostel auf diesen Känguruauflauf eingestellt hat. Neben zahlreichen Aussie-Veranstaltungen und Vegemite-Dosen (typischer und grauenhaft schmeckender Brotaufstrich) in der Gemeinschaftsküche, taten auch Mic und Paul ihr übriges, um ihre Südpazifikkultur zu vermitteln. Zum Beispiel die internetberühmte Biernominierung, wo man ein ganzes Bier in einem Zug trinken soll und mit einem Videobeweis, dann weitere Freunde für diesen Spaß benennen darf. Was seit ca. einer Woche sein Unwesen in Deutschland treibt, hat in Australien seit dem 1. Januar begonnen und wurde dementsprechend auch von den kanadischen Australiern zeleBIERt. Doch im Gegensatz zu den Deutschen, waren die Australier wenigstens kreativ bei ihren Nominierungen und haben nicht einfach ein Bier vor der Kamera getrunken, sondern es hübsch in ein kleines Programm verpackt. Paul hat zum Beispiel erst mit drei Bieren jongliert bevor er sich eins davon in den Rachen kippte. Mic hat hingegen im Funpark einige Sprünge mit seinem Snowboard präsentiert und Oskar hat beim Trampolinspringen erst Salti und danach ein Bier in sich hinein gedreht. So hat das Biernominierungsspiel wenigstens Spaß gemacht sich anzugucken und weitere verrückte und unterhaltsame Videos davon (die meisten aus Australien) kann man sich im Internet anschauen.
Am 16. Januar gab es dann einen weiteren Abschied. Nun hieß es Goodbye to Paul. Er hat sich auch auf den Weg zurück nach Perth gemacht. Seinen letzten Abend haben wir in einem Club, zusammen mit allen anderen Hostelbewohnern, gefeiert.
Mit wieder einem Mitglied aus unserer Kamloops-Truppe weniger, mussten die sentimentalen Gedanken natürlich mit Aktivitäten ausgetrieben werden. So schlossen wir uns am nächsten Tag einer wilden skandinavischen Gruppe an. Am Vormittag ging es etwas außerhalb der Piste zu einem hübschen Plateau, wo die nordeuropäischen Blondinen (Hallo Klischee.) für Musik, Eissitzbänke, Getränke und eine Sprungschanze gesorgt haben, um bis zum Sonnenuntergang sich hier freudig im Getümmel aufzuhalten. Bis auf den sehr wichtigen schwedischen Satz „du har vackra ögon!” (Du hast schöne Augen!) konnte leider keiner von uns skandinawisch. Zum Glück hatten wir aber Kasper und Sebastian aus Dänemarkt dabei. Dem Letzten haben wir auch dieses Gruppentreffen zu verdanken, wo wir den Norwegern und Schweden bei den Sprüngen zusehen durften und in der Sonne uns mit Schneeballschlachten (diesmal hatte ich Handicap-Bonus) die Zeit vertrieben. Zudem kamen wir auch in den Genuss zwei Skandinaviern, nur in Unterhose und Skiern bekleidet, beim Schneebad zuzusehen. Ein Hoch auf die Verrücktheit!
Nach der Massentalabfahrt versammelten wir uns wieder alle im ortsansäßigen AprésSkiLokal, wo ich das erste Mal das österreichische Skigefühl bekommen habe. Es wurde gesungen, gelacht, auf den Tischen getanzt, aus Skischuhen getrunken und in Thermounterwäsche wild mit einem Bier durchs Lokal gehüpft. Erstmalig in Kanada kam man sich wie in den heimischen Bergen vor. Schlagermusik, Germknöddel oder Obstler gab es zwar nicht, aber die Liveband hat mit alten Hits für ordentlich Stimmung gesorgt.
Zusammen mit Ellysha habe ich als einzige noch nüchterne Person die Jungs heil im Auto nach Hause gefahren und dem Abend seinen weiteren Verlauf überlassen.

Skandinavisches Picknick


smiling Ellysha


Aprés Ski

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