Fünf Tage nach Blue River war wieder Wochenende und ihr
wisst ja was das heißt: Weekendtrip!
Nachdem Banff schon abgearbeitet ist war nun der zweitberühmteste
Nationalpark in Kanada an der Reihe, der Jasper Nationalpark. Er wurde nur 20
Jahre später als sein älterer Bruder gegründet und befindet sich rund 200km
nördlich von Lake Louise. Leider konnten wir diesmal erst am Freitagmorgen
starten und mussten Sonntag auch schon wieder zurück, aber für dieses schmale
Zeitfenster haben wir doch ein recht ordentliches Programm absolviert. Über den
Highway 5 ging es durch Blue River direkt nach Jasper Town in dessen Umgebung
wir uns den gesamten Samstag aufhielten und am letzten Tag fuhren wir dann über
den Icefield Parkway, eine Panoramastraße die Banff und Jasper miteinander
verbindet, nach Banff für einen kurzen Abstecher zum Moraine Lake und über
Highway One wieder zurück in unsere kleine Wüste. Klingt nach einem straffen
Programm, also nichts wie los.
Diese Reisegruppe war diesmal etwas größeren Ausmaßes,
sodass wir mit zwei Autos fahren mussten. Die indogermanische Gruppe, welche
früher startete, bestand aus Conny (Österreich), Mathias (Schweiz), Flo, Feli
und mir (Deutschland). Der zweite Wagen war etwas internationaler mit John
(Taiwan), Aurélie (Frankreich), Lukas (Schweiz), Oskar (Deutschland) und Daniel
(Finnland) und fuhr erst Freitag am Nachmittag los.
Auf den mitteleuropäischen Wagen kann man an dieser Stelle
recht stolz sein, da wir trotz fast identischer Muttersprache uns den gesamten
Ausflug ausschließlich auf Englisch unterhalten haben. Bienchen an uns also.
Ich muss auch sagen, dass ich Englisch mittlerweile bevorzuge, da es erstens
den Leuten in der Umgebung gegenüber fair ist die Konversation offen zu halten
und somit keine geheimen Informationen ausgetauscht werden können. Zweitens wir
natürlich allesamt unsere Sprachkenntnisse verbessern und ich deutsch sprechen
auch mittlerweile ungewohnt finde. Nach fast zwei Monaten nur englischer
Kommunikation war ich etwas perplex als ich einen anderen Schweizer, welchen
ich noch aus der ersten Woche kenne, auf dem Campus getroffen habe und er mich
auf Deutsch angesprochen hat. Im ersten Moment habe ich nur wie ein verwirrter
Elch ausm Auto geguckt und versucht deutsche Wörter zu finden. Gar nicht so
einfach in der Muttersprache zu kommunizieren, wenn sich ständig englische
Begriffe und Redensarten heimlich auf die Zunge schleichen. Das ganze Gespräch
war die ersten Minuten etwas stockend und abgehackt, geling dann aber trotzdem
irgendwie. Ich entschuldige mich also jetzt schon Mal für meine immer
schlechter werdende Orthographie und Syntax in diesem Blog – die Beiträge
werden wohl proportional eine Qualitätsminderung erfahren, wenn es ganz schlimm
wird schreibe ich einfach auf Englisch weiter. Und wie auch sonst immer gilt:
wer Rechtschreibfehler findet darf sie behalten.
Nun aber genug geschwafelt und zurück zum eigentlich Thema:
Kanada von seiner schönsten Seite.
Der erste Zwischenstopp war am Murtle Lake, ein versteckter
See, welcher extra für Kanuwanderungen vorgesehen ist. Eine unscheinbare
Abzweigung in Blue River führte uns über eine holprige Geländestraße ins
waldige Hinterland, wo wir nach kurzer Zeit die Schönheit des Binnengewässers
erblicken würden. So war es zumindest gedacht, als wir den blauen Fleck auf der
Karte entdeckten und etwas frische Luft schnappen wollten. Dummerweise war
keiner der Insassen fähig einen Maßstab zu lesen und der kleine kurze Waldweg
entpuppte sich zu einer 20km langen Stolperfahrt, welche 40 Minuten dauerte.
Angekommen sind wir dann auf einem Parkplatz, wo uns eine Karte mitteilte dass
wir noch 4km wandern müssten, um ans Ufer des Sees zu gelangen. Na super, aber
gut nun sind wir schon hier, also los geht’s. Allzu weit waren die 4km dann
glücklicherweise doch nicht und wir wurden mit einer glitzernden Wasseroberfläche
und der gewohnten Schönheit von British Columbia belohnt. Ewig konnten wir uns
hier jedoch nicht aufhalten, da das eigentliche Ziele noch ganze 300km entfernt
lag und ein kurzer Besuch in der River Safari musste auch noch sein, da ich
natürlich meine Mütze am Wochenende zuvor dort vergessen hatte und Andre sie
freundlicherweise für mich aufbewahrt hat.
Gegen Abend hieß dann aber endlich: Hello hello Jasper, nice
to meet you. Nachdem wir schon Mal im Hostel eingecheckt haben, ging es zum
nächstbesten Pub, um klassisch einen Burger mit Pommes zu bestellen und mit
Bier auf die zweite Reisegruppe zu warten, welche auch schon ca. 2 oder 3
Stunden nach uns eintraf. Nach dem gegenseitigen Beschnuppern und
Traveler-Studie-Smalltalk wurden die Aktivitäten für die kommenden zwei Tage
grob geplant und anschließend das Bett/Auto aufgesucht, um am nächsten Morgen
fit und munter zu sein.
Ähnlich wie in Banff, startete der Morgen kalt, aber diesmal
habe ich mich nicht vom sonnigen Kamloops täuschen lassen und eine warme Jacke,
Handschuhe, Schal und zwei Mützen eingepackt. Also perfekt ausgestattet für die
erste Wanderung am Morgen, welche vier Stunden lang auf einen schneebedeckten
Berg mit Blick auf einen massiven Gletscher stattfand. Der Winter war hier schon
lange präsent und haufenweise Schnee konnte sich über die letzten Tage
ansammeln, sodass man einige Passagen mehr schneetauchend als wandernd absolviert
hat. Der Aufstieg war teilweise ziemlich hart und verlaufen hatten wir uns
natürlich auch, da man vor lauter Schnee den richtigen Pfad nicht mehr sehen
konnte. Mein Highlight ist aber immer noch als wir auf dem Rückweg quer den
Hang stetig hinab liefen und dank der Schräglage und Glätte die gleiche
Balancefähigkeit wie nach 5 Bier und 10 Kurzen hatten. Zu allem Überfluss
entschied ein frisches Lüftchen uns Gesellschaft zu leisten und mal eben ganz
spontan einige wuchtige Windböen in Form eines gewaltigen Schneesturms zu
leisten, sodass wir uns nicht mehr auf den Füßen halten konnten und uns sitzend
in den Hang krallten mit einer Sichtweite von 5 Metern. Glücklicherweise war
dies nur eine kurze Laune der Natur, es beruhigte sich recht schnell wieder und
wir konnten unseren Abstieg fortführen. Einige Schneeballschlachten, aber
leider keine Schneeengel (Mist, vergessen zu machen) später gab es auf dem
Parkplatz ein kollektives Socken wechseln und Schuhe mit Zeitung ausstopfen.
Danach ging es weiter zum Maligne Lake, der Hauptattraktion
im Jasperpark mit Spirit-Island, dem meist fotografiertesten Motiv im ganzen
Nationalpark. Um ebenfalls ein visuelles Exemplar dieser Insel (im Herbst
Halbinsel) zu besitzen muss man jedoch eine 1,5 stunden langen Bootstrip
buchen. An sich kein Thema, wenn da nicht der unverschämte Preis von 68$ wäre.
So waren wir kurz davor alle gemeinsam zu beschließen den Trip nicht zu
unternehmen, als die Ticketverkäufern Gefahr witterte 10 potentielle Kunden zu
verlieren und uns in letzter Sekunde ein Angebot von 40$ machte. Okay, da sind
wa natürlich dabei! Regen und Wellengang blieben aus und so hatten wir eine
angenehme und aussichtsreiche Bootstour auf dem zweitgrößten See in den Rocky
Mountains. Eingebettet in eine Bucht aus Bergen und Gletschern strahlte die
kleine Insel auf dem Wasser uns ihre ganze Schönheit entgegen. Die Hinterlandstille
in Kombination mit den im Wasser sich spiegelten Berggipfeln verleite der
Szenerie eine gewisse Mystik und machte somit dem Namen „Spirit-Island“ alle
Ehre. Wie in allen anderen Seen zuvor auch, musste ich natürlich die Tradition
fortsetzen und mit den Füßen ins Wasser. Ich freunde mich immer mehr mit den
kalten Temperaturen an und finde Gefallen daran mit der nackten Haut dem
Gefrierpunkt ganz nah zu sein. Das lustige daran ist, dass die Anderen , welche
jeglicher Kälte mit Zwiebelstrategie und Tee aus dem Weg gehen, meist mit einer
Erkältung von so einem Trip zurück kommen. Ich hingegen fühl mich fit und
rundum gesund. An dieser Stelle möchte ich mein Immunsystem ganz lieb grüßen
und dich wissen lassen, dass du einen super Job machst – weiter so!
Als wir um 40$ und 90 Minuten ärmer und um 100 Bilder und
Eindrücken reicher waren war die nächste Station der Maligne Canyon. Die 50m
tiefen mit Wasser gefüllten Schluchten hatten eine gewisse Ähnlichkeit zum
Johnston Canyon in Banff, waren meiner Meinung nach aber wesentlich
eindrucksvoller. Die Fels- und Schluchtformationen hatten ihren eigenen Charme
und wieder diese unbeschreibliche mystische Ausstrahlung – nicht wirklich in
Worte und Bilder zu fassen.
Als dieser Tagesordnungspunkt auch abgehackt war dämmerte es
bereits und wir reisten zum letzten und wohl wichtigsten Programmpunkt: den Hot
Springs. Der ereignisreiche und für die Füße recht strapazierende Tag musste
zwangsläufig seinen Ausklang in den natürlichen Thermalquellen nördlich von
Jasper finden. In den auf 39°C
herunter gekühlten Heißwasserpools konnte man wunderbar dahinschmelzen und alle
Muskeln weich kochen. Großartig! Dank benachbarter, mit Gletscherwasser
gefüllten, Pools konnte man seinen Kreislauf anschließend wieder in Schwung
bringen und sich wie neugeboren und in jeder einzelnen Faser des Körpers
lebendig fühlen. Zwischen Dampf und Sternenhimmel machten wir eine nette
Bekanntschaft mit einem Kanadier, welcher uns einen heißen Ausflugs-Tipp für
den nächsten Tag gab. Mit seiner blumigen Kulissenbeschreibung machte er uns
den Mund wässerig und versprach eine einmalige Aussicht auf einen babyblauen
See, wenn wir genau seiner Wegbeschreibung folgen würden und so dauerte es
keine 5 Sekunden bis sich eine Menschentraube aus zehn neugierigen und halbnackten
Reisestudenten um den erzählenden Kanadier bildete – ich hoffe er hat sich von
uns nicht bedroht oder eingeengt gefühlt.
Irgendwann geht leider auch der entspannteste Badespaß zu
Ende und so gingen wir mit Träumen von babyblauen Insellandschaften ins Bett.
Die Nacht war kurz und der kommende Tag lang. Folgende
Stationen sollten abgearbeitet werden:
1) Athabasca Falls
1) Athabasca Falls
2) Athabasca Glacier
4) Peyto Lake
5) Bow Lake
6) Moraine Lake
7) Kamloops
Klingt nach einer Herausforderung die gemeistert werden
wollte. Also keine Zeit verschwenden, Sachen und Essen eingepackt und let’s hit
the road, gefrühstückt wird unterwegs. Jasper schien wohl ziemlich traurig über
unsere Abreise zu sein und äußerte dies durch viele kleine Regentropfen, die
den Aufenthalt an den Athabasca Falls nicht gerade angenehm gestalteten. Kurz
rausgehüpft, Fotos vom Wasserfall geknipst und weiter geht’s. Im Laufe der Reise
knurrte der Magen immer mehr und ein Stopp zum Frühstücken musste her. Voller
Vorfreude auf Müsli mit Obst machte ich mich mit den Anderen ans Werk den
Tisch/Kofferraum zu decken. Wo war noch gleich die Mandelmilch und die Tüte mit
den ganzen Äpfeln? Mhm und wo ist eigentlich das gute Müsli hin? Das Knurren im
Magen wurde immer lauter und die Ungeduld immer stärker. Irgendwann war nahezu
der gesamte Wagen auf den Kopf gestellt und wir konnten die eine wichtige
Nahrungstüte nicht auffinden. So musste nach zehnmaligem Durchsuchen hungrig
feststellen, dass jemand die eine Tüte mit den ganzen gesunden Sachen
(versehentlich?!) mitgehen lassen oder verlegt hat. Verdammt, natürlich
ausgerecht dem Veganer wird das Essen entwendet und eine wirkliche
Einkaufsmöglichkeit würde es auf den nächsten 250km nicht geben. Es blieb mir
also nicht anderes übrig als an ein paar Nüssen zu nagen und den Anderen beim
Nutella-Brot schmieren zuzusehen. Futterneid olé. Egal ich würde schon noch
irgendeine Einkaufsmöglichkeit unterwegs finden… träumte ich vor mich hin.
Die Fahrt zum Gletscher wurde nach dem Hungerschock fortgesetzt.
Nach ungefähr 90 Minuten und zwei Imbisshaltestellen ohne tierfreundliche
Produkte wurde die Leere in der Magenmitte durch Aufregung und Vorfreude
ersetzt, da wir nun den Peyto Lake erreicht hatten und der Wegbeschreibung des
Hot Springs Kanadiers zum geheimen Aussichtspunkt folgen würden. Kurze
Orientierungsprobleme zu Beginn ließen uns nicht davon abhalten den
atemberaubenden Ort ausfindig zu machen. Leider hat die deutsche Sprache nicht
genug Worte, um diesen spezifischen Ausblick die verdienten Ausdruck zu
verleihen, deswegen lass ich es gleich sein und lass die Fotos für sich
sprechen:
Liebend gern würden wir hier verweilen, aber der straffe
Zeitplan drängte uns weiter zum Bow Lake zu fahren und letztendlich am Moraine
Lake anzukommen. Na? Kommt euch der Name bekannt vor? Jaaa 100 Punkte an die
Dame im blauen Pulli vor dem Laptop, es ist der gleiche See den wir schon vor
zwei Wochen auf dem Banff-Trip besucht haben und wo die Tageswanderung im Ten
Peaks Valley gestartet ist. Schönes Gefühl wieder hier zu sein und den Ausblick
diesmal mit weniger Wasser und dafür mehr Schnee zu genießen. Dieser Ort ist
wohl bisher mein absolutes Highlight und soweit mein Lieblingsplatz in Kanada.
Dies war nun der wunderbare Abschluss unserer Reise und das
Tollste daran – es gab warmes Essen. Jaaaaa endlich würde mein Magen Ruhe geben
und ich mich nicht mehr von Nüssen und Trockenfrüchten ernähren müssen.
Und so geht wieder ein toller Trip auf dem Highway One zu
Ende, aber der Nächste ist natürlich schon längst geplant und wird dann nächste
Woche berichtet. See you!







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