Die vorerst letzte Woche mit allen stressigen Tests,
Zwischenprüfungen und Präsentationen ist glücklicherweise vorbei und musste
natürlich mit einem netten Wochenende gefeiert werden. Klarer Fall. Geplant war
das schöne Vancouver Island zu besuchen und die naturgewaltige Insel, welche
größer als die Schweiz ist, reichlich zu erkunden und zu bewandern. Wetter
sollte mitspielen, eine Gruppe hat sich auch schon gefunden und Pläne wurden
getätigt, doch wie so oft hat die Spontaneität zugeschlagen und es ging mal
wieder nach Banff und Jasper. Wir können einfach nicht genug von den
malerischen Orten kriegen und kämpfen mit Entzugserscheinungen, wenn wir keinen
Schnee oder 5°C
kalte Seen zu Gesicht und zu fühlen bekommen. Das stimmt zwar so, aber der
ausschlaggebende Punkt war dann doch eher die Tatsache, dass der Autobesitzer
Andy (Schweiz) noch nicht die Nationalparks besucht hatte und unbedingt dort
hin wollte. Das fahrzeuglose Fußvolk fügt sich diesen Umständen natürlich
widerstandslos. Also Vancouver Island Pläne zurückgestellt und Recherche für
neue Erkundungen im Kanadaparadies gestartet. Glücklicherweise sind beide
Nationalparks so riesig, dass es dort nie langweilig wird und man jedes Mal
etwas Neues entdeckt und besucht, nicht Mal in einem Jahr würde man alles zu
Gesicht bekommen.
Zu den bereits bekannten Protagonisten Stéphane, David und
Mathias, gesellten sich noch Christin aus Deutschland, Lentia aus Schweden und
der Fahrzeugsponsor Andy dazu. Erste Station hieß dann also wieder Banff.
Die vertraute Strecke auf den Highway One wurde mit
Kartenspielen, Gesang und Blödeleien verkürzt. Da so eine lange Fahrt im Auto
auf Dauer blöd macht und recht einengend ist und wir keine Zeit mit Pausen
verlieren wollten, mussten die Dehn- und Stretchübungen auf die Straße verlegt
werden, was so viel heißt wie Arme, Beine und andere Körperteile aus dem
Fenster hängen zu lassen. Mit einer Kombination aus Fahrtwind und eiskalten
Außentemperaturen macht man natürlich gerne Mal einen Wettkampf daraus: Wer
kann man längsten seinen nackten Fuß aus dem Fenster halten?? Wer gewonnen hat
- keine Ahnung, aber viel wichtiger ist, dass das lauwarme Bier beim 10minütigen
Raushalten kalt und genießbar geworden ist. Zum Abschluss gab es dann noch
Autosurfen auf dem Dach auf einem Pinkelpausenparkplatz und Magenknurren.
Angekommen in Banff, erstmal ins Hostel einchecken bzw. eine
nette Nachbarschaft für Bob (das vierrädrige Gefährt) suchen und hey direkt vor
einem Haus mit großen Wohnzimmerfenstern ohne Gardinen, konnte ich sogar fernsehen
beim Einschlafen. Den Luxus hatten die anderen im 6-Bett-Zimmer nicht. Dann
hieß es aber schnell einen geeigneten Fressplatz suchen. Zum Glück kennen
wir Banff mittlerweile besser als unsere Backpacktasche und würden nicht
denselben Fehler, wie vor einigen Wochen mit der mühsamen Nahrungssuche
machen. Also ab zum Mexikaner, wo es Takkos, Nachos und ein Maß Bier zusammen
mit Callum und Mitch den Banff-Kiwis gab.
Gesättigt und zufrieden tanzten, springten und wuselten wir
zu unseren Schlafplätzen. Der nächste Morgen würde in schon in wenigen Stunden
an die Autotür klopfen und zum Abenteuerstart einladen.
Ortszeit: 9 Uhr
Treffpunkt: Frühstücksraum im Hostel
Treffpunkt: Frühstücksraum im Hostel
Aktivität: kostenlosen Kaffee beim Frühstücksbuffet genießen
und mit etwas verschlafenen Augenlidern Pläne für den Tag machen
Naja hat mehr oder weniger geklappt, so richtig wussten wir
nicht was zu tun ist, aber Lake Louise ist immer einen Besucht Wert. Die Straße
zum wunderschönen Bruder Moraine Lake, war leider gesperrt und so mussten wir
unser Aufwach-Bad im Louise nehmen. Aus dem üblichen Gescherze: „Let’s go
swimming in the lake!“ Wurde wie immer frostige Realität. Nachdem man durch
Schnee gestampft und ins Eiswürfelwasser gehüpft ist, fühlten wir uns wie
neugeboren und haben uns frisch und munter auf dem Weg nach Jasper gemacht.
Während der Fahrt auf dem Icefield Parkway (der Name stimmt,
ich habe nachgezählt: 32 Gletscher auf 100Km) haben wir beschlossen eine kurze
3 Stunden Wanderung bergauf zum Parkers Ridge zu unternehmen. Der eisige
Aufstieg war wie immer mühsam aber mehr als lohnenswert. Am Ziel angekommen,
gab das obligatorische Gipfelmampfen zusammen mit Gletscher Nummer 32 und
seinen landschaftlich wunderschönen Bergnachbarn. Man könnte meinen, dass man
sich allmählich an Seen, Berge, Wälder und Gletscher satt gesehen hat, aber
nein es ist immer wieder eine Wohltat für das Auge und ein unbeschreibliches
Gefühl die Wolken ganz nah an den Bergspitzen vorbei schweben zu sehen.
Der unangenehme Abstieg wurde spielerisch durch Purzelbäume
oder Saltos in den Schnee und mit lustigen Kinderspielen wie: „Wer den Schnee
berührt ist ein Yeti!“ bereichert.
Zurück am warmen Auto wurde der Schnee aus den Socken und
dem Nacken geschüttelt und die letzten 100Km Richtung Norden bestreitet. Radio
war zwar nicht kaputt, aber eine musikalische Untermalung mit Gitarre,
Mundharmonika und alles was man zum Trommeln fand gab es trotzdem. Die kleine
Autoband befand sich gerade auf dem melodischen Höhepunkt als plötzlich ein
unpassendes penetrantes Piepen sich in das Musizieren einmischte – der
Benzintank meldete sich zu Wort. Damit war die lustige Chorfahrtatmosphäre
kurzzeitig dahin. Joa, was macht man in so einer Situation? Na Weiterfahren!
Solange man keinen genialen Wissenschaftler an Bord hat, der aus Schnee
Treibstoff machen kann, hat man hier auf dem 260Km nonstop Icefield Parkway
mitten im Nirgendwo ohne Tankstelle oder Ortschaft keine andere Möglichkeit.
Autos fahren hier im Winter auch nicht wirklich, da die ganzen
Schönwettertouristen schon längst ihre Gletscherbilder zuhause betrachten. Also
weiter geht’s, Daumen gedrückt halten und immer schön den Schwung bergab
ausnutzen.
50Km vor Jasper – mist Tankleuchte blinkt immer noch
30Km vor Jasper – ab hier wäre es nicht mal mehr ein
Marathon zu rennen
10Km vor Jasper – wir fühlten uns in Sicherheit und hatte
keinerlei Zweifel
5Km vor Jasper – Düüdüüm Bob hatte die Faxen dicke und ließ
uns am Straßenrand im Stich
Okay kein Thema, es ist ja nicht mehr weit, wir können das
Auto doch einfach bis zur nächsten Tankstelle schieben. Super Plan Jungs! Ihr
schiebt und wir Mädels feuern euch von Innen an, wir werfen euch auch Nüsse und
Kekse als Stärkung vom Autodach runter. Nach ganzen !!!2 Metern!!! kam dann
doch die spontane Idee Andere um Hilfe zu bitten. Zum Glück befinden wir uns in
Kanada, wo sich Einheimische darum prügeln jemanden zu helfen und gleich der
erste Wagen nahm ohne wenn und aber Andy und Stéphane mit zur Tanke. Wir Anderen
vertrieben uns währenddessen die Wartezeit mit Musizieren, lesen oder in meinem Fall
gemütlich auf dem Autodach liegen und sich von den Sonnenstrahlen im Gesicht
kitzeln lassen. Lange konnten wir die umliegende Bergansicht allerdings nicht genießen, da
ratzfatz der begehrte Treibstoff zur Stelle war. Ein Thank-You-Handschlag an
die freundlichen Kanadier und ab geht’s zum nächsten Hostel und
Lebensmittelmarkt. Der aufregende Tag wurde dann beim Nachtgrillen und
Lagerfeuergesprächen resümiert. Dabei machten wir eine lustige Bekanntschaft
mit einem der Hostelmitarbeiter, welcher uns auch gleich eine private Tour zu
einer kleinen Höhle und seinem Lieblingsbadeort anbot. Perfekt, wir hatten eh
noch keinen Plan was wir an unserem letzten Tag machen würden.
Eine kurze Nacht später trafen wir Donny im
Gemeinschaftsraum und machten uns bei strahlendem Sonnenschein und warmen 12°C auf zum Maligne Canyon, wo wir
schon vor zwei Wochen waren. Diesmal ging es jedoch weiter als beim letzten Mal
und wir verließen die üblichen Touristenpfade. Anfangs etwas verwundert über
die ganze Kletterausrüstung, merken wir schnell, dass unser Tour Guide aus
Kanada etwas verrückt und spaßlustig war. Als wir an einer der unzähligen
Brücken anhielten, fing er an seine Ausrüstung auszupacken und Seile an der
Brücke zu befestigen. Okay, was genau machst du jetzt? Na ich seile mich in die
Schlucht hinab. Oh cool und warum? „Just for fun!“ Mit diesen Worten war dann
auch das Motto für diesen Tag festgelegt. Gespannt beobachten wir seine
Schwung- und Abseilaktion und trafen ihn dann unten am Wasser, wo er uns eine
Wasserfallhöhle zeigte und voll mit Adrenalin durch die Gegend hüpfte – ich mag
diesen Typen!
Nach dieser Aktion ging es weiter den Canyon entlang bis wir
zum geheimen Schwimmort kamen, wo wir unsere warmen Winterjacken gegen
Badesachen tauschten und ins wohltemperierte 4°C kalte Wasser hüpften. Wow im Sommer
muss das hier echt ein wundervoller Ort zum Plantschen sein, „Nein“ entgegnete
Donny, das Wasser ist genauso schweinekalt. Oh na gut. Nach der Erfrischung gab
es warme Socken und ein Bad in der Sonne. So neigte sich diese kleine Tour mit
Donny dem Ende zu und wir machten uns langsam auf den Weg zurück nach Kamloops.
Jedoch nicht ohne einen Zwischenstopp am Mount Robson, dem mit 3954 Metern
höchsten Berg in den kanadischen Rockies. Eine gemütliche Wanderung zum Kinney
Lake, welcher sich malerisch am Fuße des majestätischen Gipfels angesiedelt hat
und uns mit seiner unbeschreiblichen Ruhe und Schönheit begeisterte. Mal wieder
ein perfekter Ort, um eine Mahlzeitpause einzulegen. So sehr das glitzernde
Wasser uns auch anfunkelte, zum Schwimmen ging es diesmal jedoch nicht, aber ganz fern
bleiben könnten wir vom kühlen Nass natürlich auch nicht. Keine zehn Meter vom
Ufer entfernt, befand sich eine kleine Sandbank, die von uns gründlich erkundet
werden musste. Also stampften Mathias, Stéphane und ich durch den glitschig
kalten Schlamm und rutschten spaßig auf der Matschbank herum. Achtung war
jedoch geboten, da das Rumrutschen uns teilweise in brenzlige oder besser
gesagt matschige Situationen brachte. Ein paar Mal waren wir einem Schlammbad
recht nahe, aber wir Outdoorprofis haben natürlich jede Gefahr problemlos
gemeistert.
Nach dem matschigen Date mit dieser tollen Landschaft,
neigte sich der Tag dem Abend zu und die Abendsonne begleite uns mit einem
wundervollen Sonnenuntergang ein Stück zurück ins geliebte Kamloops.
Als Zusammenfassung gibt es Dank Stéphane wieder ein
atemberaubendes GoProVideo zu sehen – unbedingt ansehen!
Bis denn, man liest sich.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen