Gleich nach dem Aufstehen, ging es dann
weiter in die nächste Hauptstadt. Mit einem weiteren Schritt in die Zukunft,
wurde mir beim Grenzübergang von Saskatchewan nach Manitoba eine weitere Stunde
des Lebens genommen. Und das stellte dann auch gleichzeitig das Highligth der
rund 600km langen Fahrt dar, ansonsten durfte ich mich weiter an der flachen
Einöde der Prärie erfreuen. Wobei ich zwischendurch auch einen Regenbogen
bewundern durfte, der auf Grund des richtigen Winkels der Sonne und der feinen
Eiskristalle in der Luft umgekehrt erschien, sodass die Bögen nach oben in den
Himmel ragten. Dieses Naturphänomen war mir vorher nicht bekannt und musste am
Abend natürlich gleich gegoogelt werden.
wenigstens tanzt der Schnee hübsch auf der Straße
wuuuuhu - ein Baum!!! :D
mein Schlafzimmer
meine Küche mit Ankleidezimmer
Irgendwann war der Tag und die Fahrt
zum Glück geschafft und in einer hübschen Seitenstraße habe ich mich auch
gleich mit Cassie für die Nacht niedergelassen.
Am nächsten Morgen sschlenderte ich wie
üblich durch die Stadt und besuchte Mal wieder ein Chinatown, ging auf dem
zugefrorenen Fluss neben den Schlittschuhläufern spazieren und beobachtete die
Kanadier wie sie ein Curlingfeld aufbauten und anschließend darauf spielten.
Eishockey gab es natürlich auch zu sehen. Danach musste ich mich mit einer
heißen Schokolade in der Markthalle aufwärmen und konnte dabei die
Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele mitverfolgen. Noch schnell einige
hübsche Souvenirs gekauft und dann machte ich mich wieder auf den Rückweg quer
durch die Stadt. Dabei fiel mir auf, dass es hier recht viele hübsche
Wandverschönerungen gab. Straßenkünstler oder entsprechende Firmen haben sich
in der gesamten Stadt farbenfroh ausgetobt, dass musste ich natürlich
photografisch dokumentieren und habe euch daher eine kleine Galerie dazu
zusammen gestellt.
Zudem stellte ich mir die Frage, wie
eigentlich der ungewöhnliche Name zustande gekommen ist und habe auch eine
befriedigende Antwort gefunden:
"Im ersten Weltkrieg hatte
ein kanadischer Soldat ein Bärenjunges als Maskottchen. Sein weg an der Front
führte ihn durch London, wo er das Junge dem Londoner Zoo anvertraute. Dort
wurde das Bärenbaby als Symbol für die Heimatstadt des Soldaten, Winnipeg,
berühmt. in den 1920er Jahren besuchte A. A. Milne mit seinem Sohn Christopfer
Robin den Zoo und nannte den Bären, der die Hauptfigur in seinem Kinderbuch
war, Winnie Pu."
(Quelle: Lonely Planet, Kanada, S.516)
die Markthalle mit Olympia-Live
Nach einem erholsamen und autofreien
Tag im hübschen und doch unscheinbaren Winnipeg, wollte ich am nächsten Morgen
früh los, um noch im Tageslicht das 700km entfernte Thunder Bay in der Provinz
Ontario zu erreichen. Das frühe Aufstehen um 7:30 Uhr hat sogar ohne Wecker
geklappt. Jetzt also noch schnell den täglichen Frühsport beim
Scheibenfreikratzen erledigen und los geht’s. Damit die ganze Sache noch
beschleunigt wird, habe ich mir gedacht, mal ganz schlau zu sein und trotz der
mir bewussten umweltunfreundlichen Folgen, das Auto schon mal zu starten, um es
aufzuheizen. Ja das Karma hat sich sofort zu Wort gemeldet. Noch fröhlich
tänzelte ich um Cassie herum und kratze alle Scheiben ganz sorgsam frei und als
ich meine tauben Finger im Auto aufwärmen wollte, hinderte mich die Tür daran.
Hä wieso geht denn die jetzt nicht auf? Nach dem dritten Mal und inzwischen
nervösen Rumgezupfe an der Türklinke aller Türen, fiel mir die automatische
Zentralverriegelung ein. Die Schlüssel steckten natürlich im Zündschloss und
einen Zweischlüssel hatten mit Sicherheit die Jungs mit Nach Australien,
Dänemark oder sonst wohin mitgenommen. Joa da stand ich nun also. Vor
verschlossener Tür, bei -25°C , mit
dem Eiskratzer in der Hand, in einer fremden Stadt ohne Telefon dafür aber mit
einem laufenden Auto.
Scheiße!!! Und nun? Joa, heißt dann
wohl mal wieder Stadtspaziergang. Okay und wohin? Man Jane ey, nerve jemanden
anderen mit deinen unpassenden Fragen. Sehe ich etwa aus wie die gelben Seiten?
Nee, wäre jetzt aber ganz praktisch!
So in etwa ging es in meinem Kopf ab,
während ich planlos durch die Seitenstraßen lief. In der Ferne erkannte ich
dann zum Glück eine Autowerkstatt. Erleichtert hüpfte ich dem Gebäude wie eine
Gazelle entgegen, um dann festzustellen, dass die nicht offen haben. Toooooll
und warum nicht? Es müsste mittlerweile schon längst nach 8 Uhr sein. Ein Blick
auf die Öffnungszeiten warf dann die Frage des aktuellen Wochentags auf. Mhm..
als ich in Saskatoon war, war es glaube Dienstag oder Mittwoch? Dann müsste
heute Freitag sein, oder nee doch Sonntag? Verdammt keine Ahnung, was für einen
Tag wir überhaupt haben. Aber Februar müsste glaube ich stimmen. Zum Glück
führe ich eine Reise-Tage-Buch da stehen auch alle Daten drinnen, da kann ich
ganz einfach nachgucken… sofern es sich nicht gerade in einem verschlossenen
Auto befinden würde, so wie alles andere auch.
So Jane genug der Gedankenspiele, jetzt
aber mal konzentrieren hier, wat machen wan jetzt? Wahrscheinlich weiter
spazieren, bis man irgendwas anderes findet. Mit der Feststellung, dass wohl
gerade Wochenende sein muss, suchte ich eine Tankstelle auf und schaute die
Frau am Schalter ganz wehleidig an. Mit einer etwas verzweifelten Tonlage
erklärte ich ihr meine Situation und dass ich keinerlei Ahnung hätte, was jetzt
zu tun sei. Glücklicherweise sind ja fast alle Kanadier unglaublich nett und so
hat sie mir nicht nur gesagt, dass ich einen Schlüsseldienst anrufen muss,
sondern auch gleich mehrere Nummern rausgesucht und ein Telefon zur Verfügung
gestellt. Zusammen mit ihrer Hilfe rief ich mindestens 5 verschiedenen Firmen
an, wovon gerade aber mal einer am Wochenende arbeitet und mir großzügig einen
Termin um 14 Uhr angeboten hatte. 14uhr ??? Was soll ich solange denn bitte machen?
Schon fast total am Verzweifeln
versuchte ich dann noch eine letzte Telefonnummer und hatte Gott sei Dank Glück
damit. In ca. 20 Minuten würde er zu meiner Straße kommen und helfen.
Schnell noch bei der Frau bedankt und
zurück zum Auto gehüpft. Nach kurzem Warten kam dann auch schon das
heißbegehrte Auto mit dem Schlüsselsymbol. Der freundliche Fahrer hat auch
sogleich mühelos Cassie geöffnet und mir damit das größte und beste Lächeln der
Reise geschenkt. Mit 60$ kam ich sogar finanziell noch glimpflich davon und als
der Fahrer beim Nachfragen herausfand, dass ich keinen Zweitschlüssel besitze,
hat er mir sofort, kostenlos und ganz selbstverständlich einen Ersatzschlüssel
im Kofferraum seines Vans angefertigt. Noch kurz ein Smalltalk über meine
Reisepläne und dann lies er mich mit dem Hinweis „na wenigstens ist das Auto
jetzt schön warm“ gehen.
Mit knapp 90 Minuten Verspätung konnte
ich dann doch endlich meine Fahrt starten.
Unterwegs passierte ich wie immer
gähnende Leere und kleine unscheinbare Dörfchen. U. a. auch das tolle Örtchen
namens „Upsala“ worüber ich mich den Rest der gesamten Fahrt freute.
Seit Banff war nun immer noch alleine
unterwegs, Zwischendurch hatte ich immer wieder mal versucht Mitfahrer zu
finden, doch leider erfolglos. Daher freute ich mich umso mehr als ich dann
einen Tramper am Straßenrand aufsammeln durfte. Meine anfängliche Euphorie über
eine Kommunikationsperson verflog dann aber wieder schnell, als er mir
mitteilte, dass es nur ins nächste Dorf 20Km weiter wollte. Okay, da blieb dann
also nur kurz Zeit um über meine und seine Herkunft zu reden und Deutschland zu
schnacken. Dann verabschiedeten wir uns auch schon und ich meisterte die
letzten 200Km wieder auf eigne Faust. Wenigstens hatte sich die Landschaft nun
einwenig verbessert, denn nun gab es sogar wieder Bäume und hübsch gewundene
Straßen, womit die Monotonie der letzten drei Provinz endgültig hinter mir lag
und ich die Grenze zu Ontario erreichte – Juhu!
Mit einer Verschiebung von mittlerweile
drei Zeitstunden nach vorne, kam mir British Columbia nun schon so weit weg vor
und Deutschland dafür wieder ganz nah. Mit diesen Gedanken erreichte ich dann
das kleine Thunder Bay und lies mich nach diesem aufregenden Tag nur noch Müde
ins Eisregal-Bett fallen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen