Zitat

"Das Leben wird nicht gemessen an der Zahl der Atemzüge, sondern an den Orten und Momenten, die uns den Atem rauben."

Donnerstag, 6. März 2014

Karma in Winnipeg

Gleich nach dem Aufstehen, ging es dann weiter in die nächste Hauptstadt. Mit einem weiteren Schritt in die Zukunft, wurde mir beim Grenzübergang von Saskatchewan nach Manitoba eine weitere Stunde des Lebens genommen. Und das stellte dann auch gleichzeitig das Highligth der rund 600km langen Fahrt dar, ansonsten durfte ich mich weiter an der flachen Einöde der Prärie erfreuen. Wobei ich zwischendurch auch einen Regenbogen bewundern durfte, der auf Grund des richtigen Winkels der Sonne und der feinen Eiskristalle in der Luft umgekehrt erschien, sodass die Bögen nach oben in den Himmel ragten. Dieses Naturphänomen war mir vorher nicht bekannt und musste am Abend natürlich gleich gegoogelt werden.


wenigstens tanzt der Schnee hübsch auf der Straße

wuuuuhu - ein Baum!!! :D

mein Schlafzimmer

meine Küche mit Ankleidezimmer


Irgendwann war der Tag und die Fahrt zum Glück geschafft und in einer hübschen Seitenstraße habe ich mich auch gleich mit Cassie für die Nacht niedergelassen.
Am nächsten Morgen sschlenderte ich wie üblich durch die Stadt und besuchte Mal wieder ein Chinatown, ging auf dem zugefrorenen Fluss neben den Schlittschuhläufern spazieren und beobachtete die Kanadier wie sie ein Curlingfeld aufbauten und anschließend darauf spielten. Eishockey gab es natürlich auch zu sehen. Danach musste ich mich mit einer heißen Schokolade in der Markthalle aufwärmen und konnte dabei die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele mitverfolgen. Noch schnell einige hübsche Souvenirs gekauft und dann machte ich mich wieder auf den Rückweg quer durch die Stadt. Dabei fiel mir auf, dass es hier recht viele hübsche Wandverschönerungen gab. Straßenkünstler oder entsprechende Firmen haben sich in der gesamten Stadt farbenfroh ausgetobt, dass musste ich natürlich photografisch dokumentieren und habe euch daher eine kleine Galerie dazu zusammen gestellt.











Zudem stellte ich mir die Frage, wie eigentlich der ungewöhnliche Name zustande gekommen ist und habe auch eine befriedigende Antwort gefunden:
"Im ersten Weltkrieg hatte ein kanadischer Soldat ein Bärenjunges als Maskottchen. Sein weg an der Front führte ihn durch London, wo er das Junge dem Londoner Zoo anvertraute. Dort wurde das Bärenbaby als Symbol für die Heimatstadt des Soldaten, Winnipeg, berühmt. in den 1920er Jahren besuchte A. A. Milne mit seinem Sohn Christopfer Robin den Zoo und nannte den Bären, der die Hauptfigur in seinem Kinderbuch war, Winnie Pu."
(Quelle: Lonely Planet, Kanada, S.516)




die Markthalle mit Olympia-Live


Nach einem erholsamen und autofreien Tag im hübschen und doch unscheinbaren Winnipeg, wollte ich am nächsten Morgen früh los, um noch im Tageslicht das 700km entfernte Thunder Bay in der Provinz Ontario zu erreichen. Das frühe Aufstehen um 7:30 Uhr hat sogar ohne Wecker geklappt. Jetzt also noch schnell den täglichen Frühsport beim Scheibenfreikratzen erledigen und los geht’s. Damit die ganze Sache noch beschleunigt wird, habe ich mir gedacht, mal ganz schlau zu sein und trotz der mir bewussten umweltunfreundlichen Folgen, das Auto schon mal zu starten, um es aufzuheizen. Ja das Karma hat sich sofort zu Wort gemeldet. Noch fröhlich tänzelte ich um Cassie herum und kratze alle Scheiben ganz sorgsam frei und als ich meine tauben Finger im Auto aufwärmen wollte, hinderte mich die Tür daran. Hä wieso geht denn die jetzt nicht auf? Nach dem dritten Mal und inzwischen nervösen Rumgezupfe an der Türklinke aller Türen, fiel mir die automatische Zentralverriegelung ein. Die Schlüssel steckten natürlich im Zündschloss und einen Zweischlüssel hatten mit Sicherheit die Jungs mit Nach Australien, Dänemark oder sonst wohin mitgenommen. Joa da stand ich nun also. Vor verschlossener Tür, bei -25°C, mit dem Eiskratzer in der Hand, in einer fremden Stadt ohne Telefon dafür aber mit einem laufenden Auto.

Scheiße!!! Und nun? Joa, heißt dann wohl mal wieder Stadtspaziergang. Okay und wohin? Man Jane ey, nerve jemanden anderen mit deinen unpassenden Fragen. Sehe ich etwa aus wie die gelben Seiten? Nee, wäre jetzt aber ganz praktisch!

So in etwa ging es in meinem Kopf ab, während ich planlos durch die Seitenstraßen lief. In der Ferne erkannte ich dann zum Glück eine Autowerkstatt. Erleichtert hüpfte ich dem Gebäude wie eine Gazelle entgegen, um dann festzustellen, dass die nicht offen haben. Toooooll und warum nicht? Es müsste mittlerweile schon längst nach 8 Uhr sein. Ein Blick auf die Öffnungszeiten warf dann die Frage des aktuellen Wochentags auf. Mhm.. als ich in Saskatoon war, war es glaube Dienstag oder Mittwoch? Dann müsste heute Freitag sein, oder nee doch Sonntag? Verdammt keine Ahnung, was für einen Tag wir überhaupt haben. Aber Februar müsste glaube ich stimmen. Zum Glück führe ich eine Reise-Tage-Buch da stehen auch alle Daten drinnen, da kann ich ganz einfach nachgucken… sofern es sich nicht gerade in einem verschlossenen Auto befinden würde, so wie alles andere auch.
So Jane genug der Gedankenspiele, jetzt aber mal konzentrieren hier, wat machen wan jetzt? Wahrscheinlich weiter spazieren, bis man irgendwas anderes findet. Mit der Feststellung, dass wohl gerade Wochenende sein muss, suchte ich eine Tankstelle auf und schaute die Frau am Schalter ganz wehleidig an. Mit einer etwas verzweifelten Tonlage erklärte ich ihr meine Situation und dass ich keinerlei Ahnung hätte, was jetzt zu tun sei. Glücklicherweise sind ja fast alle Kanadier unglaublich nett und so hat sie mir nicht nur gesagt, dass ich einen Schlüsseldienst anrufen muss, sondern auch gleich mehrere Nummern rausgesucht und ein Telefon zur Verfügung gestellt. Zusammen mit ihrer Hilfe rief ich mindestens 5 verschiedenen Firmen an, wovon gerade aber mal einer am Wochenende arbeitet und mir großzügig einen Termin um 14 Uhr angeboten hatte. 14uhr ??? Was soll ich solange denn bitte machen?
Schon fast total am Verzweifeln versuchte ich dann noch eine letzte Telefonnummer und hatte Gott sei Dank Glück damit. In ca. 20 Minuten würde er zu meiner Straße kommen und helfen.
Schnell noch bei der Frau bedankt und zurück zum Auto gehüpft. Nach kurzem Warten kam dann auch schon das heißbegehrte Auto mit dem Schlüsselsymbol. Der freundliche Fahrer hat auch sogleich mühelos Cassie geöffnet und mir damit das größte und beste Lächeln der Reise geschenkt. Mit 60$ kam ich sogar finanziell noch glimpflich davon und als der Fahrer beim Nachfragen herausfand, dass ich keinen Zweitschlüssel besitze, hat er mir sofort, kostenlos und ganz selbstverständlich einen Ersatzschlüssel im Kofferraum seines Vans angefertigt. Noch kurz ein Smalltalk über meine Reisepläne und dann lies er mich mit dem Hinweis „na wenigstens ist das Auto jetzt schön warm“ gehen.

Mit knapp 90 Minuten Verspätung konnte ich dann doch endlich meine Fahrt starten.
Unterwegs passierte ich wie immer gähnende Leere und kleine unscheinbare Dörfchen. U. a. auch das tolle Örtchen namens „Upsala“ worüber ich mich den Rest der gesamten Fahrt freute.
Seit Banff war nun immer noch alleine unterwegs, Zwischendurch hatte ich immer wieder mal versucht Mitfahrer zu finden, doch leider erfolglos. Daher freute ich mich umso mehr als ich dann einen Tramper am Straßenrand aufsammeln durfte. Meine anfängliche Euphorie über eine Kommunikationsperson verflog dann aber wieder schnell, als er mir mitteilte, dass es nur ins nächste Dorf 20Km weiter wollte. Okay, da blieb dann also nur kurz Zeit um über meine und seine Herkunft zu reden und Deutschland zu schnacken. Dann verabschiedeten wir uns auch schon und ich meisterte die letzten 200Km wieder auf eigne Faust. Wenigstens hatte sich die Landschaft nun einwenig verbessert, denn nun gab es sogar wieder Bäume und hübsch gewundene Straßen, womit die Monotonie der letzten drei Provinz endgültig hinter mir lag und ich die Grenze zu Ontario erreichte – Juhu!

Mit einer Verschiebung von mittlerweile drei Zeitstunden nach vorne, kam mir British Columbia nun schon so weit weg vor und Deutschland dafür wieder ganz nah. Mit diesen Gedanken erreichte ich dann das kleine Thunder Bay und lies mich nach diesem aufregenden Tag nur noch Müde ins Eisregal-Bett fallen.


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